Eine Fahrt mit der Sakuratram bedeutet, in den Untergrund der Stadt einzutauchen. In den Außenbezirken Tokyos entfaltet sich das tägliche Leben. Die Toden Arakawa-Linie fährt als letzte Straßenbahn quer durch den Norden der Stadt. In den 1960er Jahren verbannte Tokyo die meisten Straßenbahnen aus dem Stadtbild, nur die Sakuratram fährt treu ihre tägliche Route weiter. Nur zwei Waggons lang und trotzdem legendär.
Für das ultimative Erlebnis steigst du am Bahnhof Minowabashi ein und 30 Stationen und eine Stunde später kommst du am Endbahnhof Waseda an. Wie es sich für ein gut organisiertes Tokyo gehört, fährt alle zehn Minuten eine Straßenbahn. Niedliche Ministationen und auf den ersten Blick unbedeutende Haltestellen sind der Ausgangspunkt für eine Entdeckungsreise durch das lokale Tokyo.
Während der Sakura-Saison kämpfen Tokyoter um einen Platz in der Straßenbahn, um die wunderschönen Blüten entlang der Strecke aus der ersten Reihe bewundern zu können.

Bei jeder Station hängt eine praktische Stadtkarte, die dich leicht zu den Höhepunkten bringt. Erwarte keine überwältigenden Straßen, kein dauerndes J-Pop-Gedudel oder ausgeflipptes Anime-Geplapper. Hier kommst du nach Hause.
- Tagesticket: 400 Yen (beim Fahrer erhältlich) – pro Fahrt zahlst du mit Pasmo oder Suica
Goldene Reisetipps

Minowabashi Station
In Minowabashi beginnt die Expedition mit der Sakuratram außerhalb des Stadtzentrums dieser beeindruckenden Stadt. Im Vergleich zu anderen Hauptstädten möchten Tokyoter am liebsten so nah wie möglich im Zentrum wohnen, um Teil der Aktion zu sein. Exorbitante Grundstückspreise zwingen sie jedoch, ihr Heil knapp außerhalb der Grenzen der Innenstadt zu suchen.
Minowa entwickelte sich so zu einem der Dutzenden Schlafviertel. Bevor du in die Straßenbahn steigst, wandelst du erst einmal durch die überdachte Einkaufspassage. Hier hängt noch dieser typische Showa-Geruch. Shibuya und Shinjuku scheinen weiter weg als je zuvor, wenn du hier die frisch gebackenen Kroketten probierst und Obst beim lokalen Frischmarkt kaufst.
- Adresse: 1-chōme-12 Minamisenju, Arakawa City, Tōkyō-to 116-0003, Japan
Essen
Sunabasho Honke (Soba)
Keinen besseren Start für deine Reise als Nudeln schlürfen in diesem traditionellen Restaurant. In einem Retro-Dekor bereitet der Koch die perfekten Soba-Nudeln zu. Seine Spezialität ist die Tenzaru Soba. Kalte Buchweizennudeln mit Tempura. Ein Menü kostet 1.550 Yen und eine köstliche Schale kalter Soba-Nudeln mit Dashi nur 650 Yen.
- Öffnungszeiten: 11:00 bis 17:00 Uhr (Mittwoch und Donnerstag geschlossen)
- Adresse: 1 Chome-27-6 Minamisenju, Arakawa City, Tokyo 116-0003, Japan
Arakawa-Yuenchimae Station

Am Wochenende steigen hier die meisten Familien aus. Nicht weit von dieser Haltestelle liegt einer der ältesten japanischen Vergnügungsparks: Arakawa Yuen. Als Erwachsener zahlst du 800 Yen Eintritt und Kinder dürfen kostenlos hinein. Bei den meisten Attraktionen berechnen sie noch einmal 100 Yen extra; also keine extremen Preise.
Sie werben mit Attraktionen wie der „langsamsten Achterbahn Japans“. Du verstehst sofort, warum dieser Park bei jungen Familien so beliebt ist. Dies ist ein typisches Beispiel für einen japanischen Wochenendpark. Alles schreit hier nach einem Anstrich. Sie verfügen auch über ein Schwimmbad und einen Zoo. Obwohl letzterer eher wie ein überdimensionaler Streichelzoo aussieht.
- Öffnungszeiten: 9:00 bis 17:00 Uhr (Dienstag geschlossen)
- Adresse: 5-chōme-28 Nishiogu, Arakawa City, Tōkyō-to 116-0011, Japan
Arakawa-Shakomae Station
In der Nähe dieser Haltestelle befindet sich ein fast überflüssiges Straßenbahnmuseum. Charmant in all seiner Naivität lehrt dich dieses kostenlose Minimuseum die Geschichte der Sakuratram in zwei alten Waggons.
- Öffnungszeiten: 10:00 bis 16:00 Uhr (Wochenende und Feiertage)
- Adresse: 8 Chome-33-7 Nishiogu, Arakawa City, Tokyo 116-0011, Japan
Kaji Station

Hier steigst du nur kurz aus für den Laden gleich um die Ecke: Akemi Seika. Sie verkaufen Waffeln gefüllt mit der köstlichsten roten Bohnenpaste in Form der Sakuratram. Die Schachteln sind unwiderstehlich niedlich und ein schöneres Souvenir an diesen Tag gibt es nicht.
Du kannst dort auch andere Süßigkeiten und Schlüsselanhänger oder Anstecknadeln in Form der Straßenbahn bekommen. Die Sammelbox mit verschiedenen Straßenbahn-Waffeln wird plötzlich zu einer attraktiven Option für die Mittagspause im Asukayama Park später am Tag.
- Öffnungszeiten: 10:00 bis 18:00 Uhr (Montag geschlossen)
- Adresse: 3-30-12 Horifune, Kita, Tokyo 1140004, Japan
Oji-Ekimae Station
Vom Bahnhof ist es nur ein kurzer Spaziergang zu einem der schönsten Schreine in Tokyo: Oji-Inari Schrein.
Beim Shinto-Glauben steht alles im Zeichen natürlicher Kräfte. Jeder verwandelt sich nach seinem Tod in einen Kami (Gott), solange die Hinterbliebenen an dich denken. Jeder Schrein hat seine eigenen zentralen Elemente. Im Oji-Inari Schrein verehrt man den Fuchs. Die Fuchsmythologie ist ein besonderer Seitenzweig im traditionellen Shinto.
Vor mehr als 1.000 Jahren sahen Japaner im Fuchs den Beschützer der Reisernte, der menschliche Gestalt annehmen konnte. Menschen und Füchse lebten früher viel näher beieinander. Der Tempel wird von zwei steinernen Füchsen bewacht und in den Holzschnitzereien ist das mythische Tier verschiedene Male verarbeitet.
Ob es am steilen Aufstieg liegt, an der Stimmung des Tages oder einfach am jahrhundertealten Holzschrein, aber es fühlt sich wie ein magischer Ort an. Hebe im kleinsten Schrein den bleischweren schwarzen Felsblock hoch und äußere einen Wunsch. Wenn es dir gelingt, findest du Glück auf deinem Weg. Zu Neujahr organisiert man hier bunte Fuchsparaden.
Mache während deines Abstiegs Richtung Bahnhof einen kleinen Umweg über den Otonashi Shinsui Park. Du springst dort von Stein zu Stein durch einen örtlichen Fluss, wodurch du dich einen Moment weit weg von der Verstädterung wähnst. Hiroshige verewigte diesen Ort als einen seiner „hundert Gesichter von Edo“. Was du hier siehst, ist eine sorgfältige Restaurierung aus 1988. Die Wasserfälle mit den Holzbrücken im Hintergrund sind Instagram-tauglich und an sonnigen Tagen sitzt du zwischen picknicken Pärchen; ein Topplatz für einen kurzen Zwischenstopp.
- Adresse: 1 Chome-12-26 Kishimachi, Kita City, Tokyo 114-0021, Japan
Asukayama Station

Entweder du nimmst die Straßenbahn bis zu dieser Haltestelle oder du wanderst vom Bahnhof Oji-Ekimae quer durch den Asukayama Park; die Wahl liegt bei dir. Dieser Park ist einer der Höhepunkte bei einem Tag mit der Sakuratram. Wenn du Kinder hast, kannst du hier stundenlang auf dem großen Spielplatz verweilen; Bento-Boxen in Reichweite und nur spielen. Im Sommer suchen Tokyoter Erfrischung in den Springbrunnen und im November färben sich die Ahornbäume blutrot. Jede Jahreszeit hat in Tokyo ihre eigene Schönheit.
Bist du Fan verrückter japanischer Erfindungen, dann nimm die kürzeste Seilbahn der Welt zur Spitze des Parks. Natürlich ist dies ein idealer Weg, auch Hilfsbedürftige den höher gelegenen Park genießen zu lassen. Der Asukayama Park dient auch als Präventionspark bei einem eventuellen großen Erdbeben. Suche im Park nach den Infotafeln und lerne mehr darüber, wie du hier überleben kannst, indem du Bänke in Grills verwandelst und Duschen aus dem Boden zauberst.
- Adresse: 1-chōme-4 Takinogawa, Kita City, Tōkyō-to 114-0023, Japan
Sugamo Station
Die letzte Station dieser Tour ist Sugamo, der absolute Höhepunkt auf der Strecke der Toden Arakawa-Linie. Hier kannst du, bevor du auf Expedition durch das Viertel gehst, erst noch eine köstliche Tasse Matcha-Tee mit traditionellen Süßigkeiten im Teehaus Ippukutei genießen. Du musst nur aus der Straßenbahn steigen und hineingehen. Ippukutei ist Teil der niedlichsten Station auf der ganzen Strecke.
- Öffnungszeiten: 10:00 bis 18:00 Uhr
- Adresse: 3-chōme-6 Nishisugamo, Toshima City, Tōkyō-to 170-0001, Japan
FAQs zum Thema Sakura Tram:
Wie kaufe ich ein Tagesticket für die Sakura Tram?
- Das Tagesticket für 400 Yen kannst du direkt beim Fahrer kaufen. Alternativ zahlst du pro Fahrt mit deiner Pasmo- oder Suica-Karte. Das Tagesticket lohnt sich bereits ab drei Fahrten und bietet unbegrenzte Nutzung der gesamten Linie.
Ist die Sakura Tram barrierefrei zugänglich?
- Die historischen Straßenbahnen sind nicht vollständig barrierefrei, aber viele Stationen wurden modernisiert. Rollstuhlfahrer sollten vorab prüfen, welche Haltestellen zugänglich sind. Die moderne Infrastruktur Tokyos bietet meist alternative Routen mit barrierefreien Verkehrsmitteln.
Gibt es besondere Veranstaltungen oder Attraktionen in Tokyo
- Neben der Fahrt mit der Sakura Tram gibt es in Tokyo viele interessante Attraktionen zu erleben. Du kannst beispielsweise das Meiji-Schrein besuchen, das beeindruckende TeamLab Borderless Kunst- und Technologieerlebnis erkunden, den großartigen Tsukiji Fish Market für leckere lokale Küche entdecken oder die aufregenden Geschäfte und Cafés in Harajuku besuchen.

Marco Logmans ist ein leidenschaftlicher Japan-Experte, der vor 20 Jahren zum ersten Mal Japan besuchte und dort sieben Jahre lebte und arbeitete. Mit viel Liebe für Japan teilt Marco gerne seine Erfahrungen und Eindrücke in seinen Artikeln.