Omotesando Tokyo - Luxus-Shopping, Meiji-Schrein und moderne Architektur

Omotesando

Omotesando, Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr als ein Sandweg, liegt zwischen Shibuya und dem mächtigen Meiji-Schrein. Es bedeutet wörtlich „Zugangsweg“. Louis Vuitton, Prada, Paul Stuart und Dior bauten alle ihren eigenen Tempel auf der Omotesando Dori. Entlang des Boulevards stehen 160 Zelkova-Bäume, die im Herbst warmrot färben. Touristen kommen hierher, um die beeindruckende Pracht der Mode zu bewundern. Jeder Laden versucht die anderen an Attraktivität zu übertreffen. In Omotesando kostet jeder Schritt, den du machst, furchtbar viel Geld.

Wenn du anfällig für großen Luxus bist, bleibst du hier so lange wie möglich hängen. Überspringen ist keine Option, da du in diesem Viertel zwei der besten Museen in Tokyo findest und jeden Sonntag direkt vor der UN University der vielbesuchte Bauernmarkt stattfindet. Erlebe Omotesando mit Stil. Bilde dir erst eine Meinung, nachdem du das ganze Bild vom Meiji-Schrein bis zum Nezu Museum gesehen hast.

Unsere goldenen Tipps für Omotesando

Wir nehmen dich mit durch eines der teureren Viertel von Tokyo, das sich mit dem luxuriösen Ginza messen kann. Tipps für die schönsten Sehenswürdigkeiten, Geschäfte und Restaurants findest du unten.

Meiji-Schrein

Sake-Fässer beim Meiji-Schrein

Das 12 Meter hohe Torii kündigt an, dass du hier den Schrein eines herausragenden Japaners betrittst. Kaiser Mutsuhito (Meiji, Kaiser der erleuchteten Regierung) stellt 1868 die Macht wieder her, nachdem er das letzte Shogunat besiegt hat. Um diese Macht zu sichern, zieht der Kaiser mit seinem Gefolge von Kyoto nach Edo um. Von diesem Tag an ändert sich der Stadtname in Tokyo (Östliche Hauptstadt). Unter der Herrschaft des Kaisers, der berühmten Meiji-Restauration, öffnet sich Japan der Welt und unterzeichnet wichtige Handelsbeziehungen mit Amerika.

Meiji-Schrein
Meiji-Schrein Eingangstor

Um die Jahrhundertwende durchläuft das Land eine Reform, die die Grundlage für das heutige Japan legt. Das Land wächst in kurzer Zeit zu einer Weltnation heran. Als militärische Großmacht nimmt die Armee Russland während des Russisch-Japanischen Krieges Territorium ab.

Wusstest du, dass der Meiji-Schrein in unseren Top 10 Sehenswürdigkeiten von Tokyo steht?

Die ganze Welt schaut mit Erstaunen zu, wie sich Japan immer mehr zu einer starken Macht entwickelt. Alle Geschichten und die nationale Emotion, die damit einhergeht, sind im Meiji-Schrein verarbeitet, wo die Seele des Kaisers zusammen mit seiner Frau, Kaiserin Masoko, ruht.

Du musst den Schrein als Verehrung eines Symbols betrachten. Der Kult, der nach seinem Tod um Kaiser Meiji geschaffen wird, kommt den Nationalisten im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs sehr gelegen. Der erste Schrein aus dem Jahr 1920 brennt nach einem amerikanischen Präzisionsbombardement 1945 vollständig ab. Erst 1958 baut Japan an dieser Stelle einen neuen Schrein. Der Park rundherum ist wunderschön und du wähnst dich dort weit außerhalb der Stadt. Es gibt in Tokyo viel schönere Schreine zu besichtigen als den Meiji-Schrein, aber dieser ist historisch gesehen der wichtigste.

Der Schrein lässt sich schön mit einem Besuch im Viertel Harajuku kombinieren.

Nezu Museum

Kengo Kuma zeichnet 2006 für den Bau des neuen Nezu Museums verantwortlich, das drei Jahre später offiziell eröffnet wird. Es ist sofort ein großer Hit und eines der Must-see-Museen in Tokyo. Die Sammlung schöpft aus der Privatsammlung von Nezu Kaichiro, Geschäftsmann und Politiker in der Zwischenkriegszeit. Unter anderem die Schwertlilien, der sechsteilige goldene Raumschirm von Ogata Korin, gilt als einer der Höhepunkte bei einem Besuch in diesem Museum.

Der Garten des Museums ist atemberaubend und mindestens so beeindruckend wie das Museum selbst. Die Höhenunterschiede und dichte Bepflanzung machen den Garten zu einem Ort der Überraschungen. Genieße zwischendurch Matcha-Tee mit Wagashi im Nezu-Café. Bei wenig Zeit in Tokyo wählst du zwischen dem Nezu Museum oder dem Nationalmuseum. Dieses Museum glänzt durch seine klassische Einfachheit.

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Taro Okamoto Memorial Museum

Der Avantgarde-Künstler Taro Okamoto gilt als einer der wichtigsten japanischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Er konnte Picasso und Robert Capa zu seinen Freunden zählen. Taros Gemälde gleichen Farbexplosionen, die erst nach und nach ihre Gesellschaftskritik preisgeben. Werke wie „Dawn“ und „Law of the Jungle“ werden in Japan als absolute Meisterwerke betrachtet.

Im Taro Okamoto Memorial Museum besuchst du das Atelier des Künstlers. Ein Raum erzählt die Geschichte hinter Taros bekanntestem Werk: „Tower of Sun“. Diesen Turm entwarf er für die Weltausstellung von Osaka 1970. Ein monumentales Werk, das du noch heute im Osaka Expo Memorial Park bewundern kannst.

Seltsamerweise scheint Taro außerhalb Japans völlig vergessen. Hier kennt ihn jeder. Wenn du nur Zeit für ein Museum in Omotesando hast, wähle das kleine Memorial Museum. Tauche ein in das Werk und Leben dieses verrückten Künstlers in seinem eigenen Haus und Arbeitsplatz.

Für Liebhaber: Im Shibuya-Bahnhof hängt ein besonderes Werk von ihm: „Myth of Tomorrow“. Nach einem Besuch in diesem Museum wirst du dieses Gemälde noch mehr bewundern.

Grace Cathedral

Bist du bereit für die größte Fake-Erfahrung in Tokyo? Bei Grace Cathedral ist alles eine große Fassade. Die gotische Kathedrale scheint so aus dem mittelalterlichen Paris weggepflückt. Ja, es leben durchaus Katholiken in Tokyo, aber die kommen hier nicht rein. Grace Cathedral wird als Kulisse für Hochzeiten, Empfänge und dekadente Partys genutzt. Es ist die direkte Schuld von Charles und Diana, die mit ihrer live übertragenen Märchenhochzeit 1981 ganz Japan an den Bildschirm fesselten, dass Japaner nun außerhalb einer traditionellen Shinto-Zeremonie auch in Weiß heiraten wollen. Was für ein seltsamer Ort… herrlich falsch, aber sehr lustig!

Espace Louis Vuitton

Außer du bist es gewohnt, bei Louis Vuitton zu shoppen, scheint die Schwelle zu groß, um diesen Laden zu betreten. Wenn ein Portier für dich die Tür öffnet, hast du keine andere Wahl mehr. In so einem Moment denkst du: Das wird mich Geld kosten. Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt. Du nimmst problemlos den kostenlosen Fahrstuhl in die siebte Etage. Der Portier drückt sogar für dich den Knopf. Hier befindet sich der kostenlose Ausstellungsraum Espace Louis Vuitton. Die Kunst ist zeitgenössisch und herausfordernd, die Aussicht über Omotesando großartig.

Shoppen in Omotesando

Ja, das sind die schönsten Geschäfte für einen Besuch in Omotesando.

Spiral

Von allen architektonischen Kraftakten in Omotesando ist dies mein persönlicher Favorit. Pritzker-Preisträger Fumihiko Maki entwarf dieses bemerkenswerte Gebäude 1985. Der spiralförmige Ausstellungsraum im Inneren wirkt schwindelerregend gut. Die Ausstellungen sind stark und die Geschäfte inspirierend. Durch seine Fashion-Ausstrahlung passt Spiral perfekt in ein Viertel voller Glitter und Glamour, obwohl ich dieses Gebäude viel zugänglicher finde als all die bekannten Boutiquen entlang des Boulevards.

Omotesando Hills

Tadao Ando entwarf dieses terrassenförmige Einkaufszentrum und das scheint der einzige Grund zu sein, kurz hineinzuschauen. Nimm Platz auf einer der Terrassenetagen, um die abweichende Struktur voll würdigen zu können. Für Omotesando Hills musste 2006 ein anderer ikonischer Komplex weichen. Nach dem Kanto-Erdbeben investierte die Stadt in Apartments für obdachlose Einwohner. Die Donjukai waren für diese Zeit sehr modernistische Gebäude. Einwohner priesen damals die fortschrittliche Vision der Stadt.

Das war anders, als Tokyo die Pläne enthüllte, die Donjukai für den Bau von Omotesando Hills abzureißen. Trotz heftiger Proteste verschwand eine Ikone aus der Vergangenheit. In Tokyo ist nichts für die Ewigkeit. Oder doch? Direkt neben Omotesando Hills baute man eine Nachbildung der Donjukai, denn in Nachbildungen sind Japaner Meister. Die Seele aus der Zwischenkriegszeit können sie nicht nachahmen.

Essen bei der UN University, Bauernmarkt

Am Samstag und Sonntagmorgen organisiert man vor der Universität der Vereinten Nationen einen Bauernmarkt. Das ist der beliebteste Bio-Markt in Tokyo. Etwa 45 Bauern verkaufen Obst und Gemüse direkt vom Land. Es herrscht eine gemütliche Atmosphäre und regelmäßig läuft gleichzeitig auf dem Campus noch ein Sake oder Kaffeemarkt.

Neben dem Universitätseingang steht eine Skulptur von Taro Okamoto. Eine kleine Begegnung mit einem großen Künstler. Leider schaffen die großen Zäune um das Kunstwerk eine riesige Distanz zum Werk.

Häufig gestellte Fragen:

Kann ich wirklich kostenlos in den Louis Vuitton Store und was erwartet mich dort?

Ja, der Fahrstuhl zur siebten Etage mit dem kostenlosen Espace Louis Vuitton Ausstellungsraum ist für alle zugänglich. Der Portier hilft sogar beim Fahrstuhlknopf drücken. Du siehst zeitgenössische Kunstausstellungen und hast eine spektakuläre Aussicht über Omotesando, ohne etwas kaufen zu müssen.

Was ist das Besondere an den 160 Zelkova-Bäumen entlang der Omotesando Dori?

Die Zelkova-Bäume wurden bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gepflanzt und bilden eine natürliche Allee zum Meiji-Schrein. Im Herbst färben sich ihre Blätter leuchtend rot und schaffen einen spektakulären Kontrast zu den modernen Luxusboutiquen. Sie symbolisieren die Verbindung zwischen Tradition und Moderne.

Dieser Artikel wurde geschrieben von: Geert Dehertefelt & Raoul de Boer und von Juliane Kolbe und Marco Logmans übersetzt.

Marco Logmans ist ein leidenschaftlicher Japan-Experte, der vor 20 Jahren zum ersten Mal Japan besuchte und dort sieben Jahre lebte und arbeitete. Mit viel Liebe für Japan teilt Marco gerne seine Erfahrungen und Eindrücke in seinen Artikeln.

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