Dies ist der Startpunkt deiner Reise durch Nihonbashi. Genau in der Mitte der Nihonbashi-Brücke liegt eine Gedenkplatte, die den Kilometerpunkt null markiert. Um es dem unschlüssigen Touristen etwas leichter zu machen, steht neben der Brücke ein kleineres Denkmal. Wenn du jedoch die echte Sache fotografieren willst, musst du dein Leben riskieren.
In den blühenden Edo-Zeiten starteten von dieser Brücke die wichtigsten Handelsrouten in die entlegenen Winkel des japanischen Kaiserreichs. Über die berühmte Tokaido-Route wandern Pilger heute noch immer Richtung Kyoto. Bevor der Fischmarkt 1935 endgültig nach Tsukiji und später nach Toyosu umzog, florierte Nihonbashi als Zentrum des japanischen Fischhandels. Entlang der Flussufer wimmelte es von Händlern.
Heute dirigiert das Bankwesen den Rhythmus. Ende des 19. Jahrhunderts gaben Japaner hier bereits massenhaft ihre Yen aus. Logisch also, dass die Nationalbank Nihonbashi für ihren Hauptsitz auswählte. Das inoffizielle Zentrum Tokyos zeigt sich heute als ein seltsamer Cocktail aus Alt und Neu. Dieser harte Clash zwischen Nostalgie und harter Währung ist die Anziehungskraft von Nihonbashi.
Tipp: Nihonbashi wird für Westler mit Nihombashi (mit einem M) bezeichnet. Du wirst Nihonbashi (mit einem N) also nicht auf deinem Metro-Stadtplan finden. Wusstest du, dass Nihonbashi Teil des Viertels Chuo ist?
Unsere Tipps für das Viertel Nihonbashi
Nihonbashi-Brücke

„In Tokyo scheint nichts für die Ewigkeit bestimmt zu sein.“ Ein Leitspruch, den man an diesem Ort sehr wörtlich genommen hat. Mit Blick über die Brücke gerät mancher Tourist in Schock. Mit den nostalgischen Drucken von Hiroshige im Gedächtnis ist es nicht schwer, hier deinen poetischen Geist gegen die Pfeiler der Schnellstraße krachen zu lassen.

Die ursprüngliche Holzbrücke (ein Nachbau steht im Edo-Tokyo Museum); die erste Version datiert aus 1603 und macht während der Meiji-Restauration 1911 Platz für ein moderneres, steinernes Exemplar. Ihre Pracht verschwindet schließlich unter der Betonschnellstraße, die 1964 in Rekordzeit für die Olympischen Spiele angelegt wurde.
Dieses Ungetüm schlängelt sich durch Tokyo wie eine eiserne Boa auf Stelzen. Du kannst kaum glauben, dass die Stadtverwaltung die stilvolle Nihonbashi-Brücke unter diesem abscheulichen Bauwerk versteckt hat. Du bist hier live Zeuge des typischen Tokyo-Wahnsinns. Tokyoter sagen, dass ihre Stadt nicht gebaut wurde, um bewundert zu werden, sondern um in ihr zu leben.
Es gehen heute Stimmen auf, die Schnellstraße tief unter die Erde zu verbannen. Die Frage ist nur: Welcher Politiker wagt sich an ein solches Milliardenprojekt? Willkommen in Tokyo.
Historischer Fischmarkt

An der Stelle, wo jetzt der Schalter von Tokyo Cruise steht, schlug jahrhundertelang das Herz des Fischmarkts. Hier brachten sie täglich frischen Fisch an Land. Beamte suchten die schönsten Stücke für den Shogun und seinen Hofstaat aus. Was übrig blieb, wurde verkauft. Der Fischmarkt hatte jedoch keinen tadellosen Ruf bezüglich Hygiene. Bei jedem Cholera-Ausbruch zeigte die Stadt allzu leicht mit dem Finger Richtung Nihonbashi-Brücke. Fischhändler behandelte man ohne Respekt und sie gehörten zur niedrigsten Klasse.
Setze dich ans Flussufer und versuche, die Geräusche von heute durch das Chaos von damals zu ersetzen. Auch wenn die Geschichte nach achtzig Jahren den Fischmarkt vollständig aus dem Gedächtnis von Nihonbashi gelöscht hat, den eindringlichen Fischgeruch werden sie nie wieder los.
Drachen-Museum

Der Eigentümer des Restaurants Taimeiken im ersten Stock betrachtet seine Drachensammlung als Lebenswerk. Mehr als dreitausend Drachen (Tako-no-hakubutsukan) hängen zusammen in diesem kleinen Museum. Nimm den Lift bis zur 5. Etage und lande in der Traumwelt eines Mannes. Drachen aus Bambus oder indonesischen getrockneten Blättern kreisen durcheinander. Sie erzählen die Geschichte auf eine besondere Weise. Absolut entdeckenswert!
- Lage: Japan, 〒103-0022 Tokyo, Chuo City, Nihonbashimuromachi, 1 Chome−8−3 室町NSビル 2F Lift bis 5. Etage
- Preis: 220 Yen – 11:00 bis 17:00 Uhr (sonntags geschlossen)
- Website: http://www.taimeiken.co.jp/museum.html
Ozu Washi Museum

Ein Institut wie Ozu Washi darfst du einfach nicht überspringen. Dieser Laden läuft bereits seit 1653 und ist bekannt für sein hauchzartes, handverziertes Washi-Papier. Das Museum behandelt die reiche Vergangenheit des japanischen Papiers und gelegentlich laufen interessante Ausstellungen. Klingt langweilig? Berechne, bevor du hierher kommst, erst den Inhalt deines Koffers, denn du wirst den Verlockungen im Souvenirshop schwer widerstehen können. Für Liebhaber organisieren sie auch Workshops.
- Öffnungszeiten: 10:00 bis 18:00 Uhr (sonntags geschlossen)
- Eintritt: gratis
- Website: https://www.ozuwashi.net/en/
Tokyo Stock Exchange
Die größte und wichtigste Aktien- und Effektenbörse Asiens steht in Nihonbashi, nämlich die Tokyo Stock Exchange. Du kannst das wunderliche Schauspiel der Börse von der 3. Etage aus beobachten. Am 1. Juni 1878 führte der Finanzminister hier die erste Transaktion durch. Nach einer Schließung während des Zweiten Weltkriegs öffnete die Börse am 16. Mai 1949 unter den wachsamen Augen der amerikanischen Besatzung wieder ihre Türen.
Das 20. Jahrhundert bringt Wohlstand und schon bald Selbstüberschätzung. Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wächst die sprichwörtliche Immobilienblase so wahnsinnig stark, dass sie 1990 mit einem gigantischen Knall platzt. Die Regierung ergriff Maßnahmen, aber die Folgen sind heute noch immer spürbar.
Ein besonderer Ort für Liebhaber, die den Duft von Geld schätzen. Die Tokyo Stock Exchange erzählt genauso viel über Nihonbashi wie die Brücke.
- Öffnungszeiten: 08:45 bis 16:45 Uhr (Wochenende geschlossen) – Eintritt: gratis
Nationales Filmarchiv
Dieses Museum beherbergt eine prächtige Sammlung von Filmplakaten und Bildern aus dem reichen japanischen Filmarchiv. Du verfolgst die Evolution der japanischen Filmindustrie von würdevoll gefilmtem Kabuki bis zu Godzilla, Kurosawa und Kore-Eda. Ein Pflichtbesuch für jeden Filmliebhaber! Im Kinosaal werden täglich Perlen aus dem japanischen Filmarchiv gezeigt, manchmal mit englischen Untertiteln, manchmal ohne. Schaue unbedingt einmal auf die Website.
- Preis: 250 Yen
- Öffnungszeiten: 11:00 bis 18:30 Uhr
- Website: nfaj.go.jp
Shoppen bei Mitsukoshi

Mitsukoshi eröffnet 1873 als erstes Kaufhaus in Tokyo. In voller Meiji-Restauration stampft die Familie Mitsui diesen Shoppingtempel aus dem Boden und sorgt so für die Modernisierung der Stadt mit. Die Idee, mehrere Verkäufer unter einem Dach zusammenzubringen, erweist sich damals noch als revolutionär. Am Anfang verkaufen sie hauptsächlich Kimonos, jetzt Marken wie Louis Vuitton und Chanel. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf teurer Mode. Das Interieur glänzt als prächtiges Beispiel japanischer Art Déco. Schön zu merken, dass sie dich nicht anstarren, wenn du durch die Halle wandelst. Nimm dir die Zeit, dieses einzigartige Gebäude auf dich wirken zu lassen. Im Keller kannst du an den langen Reihen von Delikatessen-Ständen endlos probieren.
Als Isetan hier die Sache übernahm, bauten sie diese Etage weiter aus. Wenn du drinnen alles gesehen hast und dein Hunger gestillt ist, nimm dann den Lift zur Dachterrasse. Anfang des 20. Jahrhunderts prahlte das Kaufhaus mit dieser Terrasse als Paradestück mit einem Shinto-Schrein, einem Aquarium und unzähligen Eisverkäufern. Jetzt kannst du dort im Sommer Bier probieren mit kostenlosem Blick über Nihonbashi.
- Öffnungszeiten: 10:00 bis 19:00 Uhr (Hauptgebäude), 11:00 bis 22:00 Uhr (unterirdisch, 9F und 10F)
Tipps für Essen und Trinken in Nihonbashi
Nihonbashi ist der perfekte Ort, um die japanische Küche zu erleben. Wir haben einige kulinarische Highlights von Restaurants für dich zusammengestellt.
Kamatakeryu Udon (Nudeln im Osaka-Stil)
In Tokyo probierst du das Beste aus Japan. Kamatakeryu Udon ist vielleicht das feinste Restaurant mit Nudeln aus Osaka. Die herrlich dicken Kama-age-Nudeln dippst du in die kalte Tsuyu-Dashi. Schlürfen wird hier zur Kunstform erhoben. Je lauter, desto schmackhafter.
- Öffnungszeiten: 11:00 bis 23:00 Uhr (sonntags bis 21:00 Uhr)
- Website: https://www.mitsuitower.jp/shops/kamatake.html
Hashimoto (Kaiseki – Traditionelle Küche)
Ein Besuch in Japan ist nicht komplett ohne Kaiseki. Diese traditionelle japanische Mahlzeit enthält ausschließlich frische Saisonprodukte. Billig ist es nicht, aber unwiderstehlich lecker. Bei Hashimoto entdeckst du für einen vernünftigen Preis das beste Kaiseki in Tokyo. Wer dachte, dass Sushi das Nationalgericht wäre, muss hier sein Wissen erweitern.
- Öffnungszeiten: 11:30 bis 14:30 Uhr und 17:00 bis 22:30 Uhr
- Japan, 〒103-0023 Tokyo, Chuo City, Nihonbashihoncho, 2 Chome−3−6 協同ビル
Nihonbashi Tamai (Unagi – Aal)
Unagi-Restaurants sind besonders beliebt bei Tokyotern. Tamai wählt als einziges Restaurant in dieser Stadt Meeraal. Diese wilde Art kann bis zu drei Meter lang werden. Nur für Restaurants mit großem Kühlschrank also. Seit 1953 bereiten sie in diesem traditionellen Holzhaus die herrlichsten Aalgerichte zu. Tamai geht eindeutig mit der Zeit. Mittlerweile steht auch Aal-Sushi in Form von Hello Kitty auf der Speisekarte. Wer gern etwas Besonderes probiert, kann nicht an diesem Restaurant vorbeigehen.
- Öffnungszeiten: 11:00 bis 14:30 Uhr und 17:00 bis 22:00 Uhr (samstags und sonntags: 11:00 bis 15:00 Uhr und 16:30 bis 20:30 Uhr)
- 2 Chome-9-9 Nihonbashi, Chuo City, Tokyo 103-0027, Japan
Kawaguchi Saketen (Sake-Bar)
Diese exzellente Izakaya hat eine Nase für den perfekten Sake zu jedem Gericht. Bestelle einige Kostproben zum Teilen und trinke verschiedene Sake. Du wirst über die Geschmacksvariationen staunen. Je mehr du trinkst, desto netter finden dich die Stammgäste.
- Öffnungszeiten: 16:00 bis 23:00 Uhr (samstags 15:00 bis 22:00 Uhr, sonntags geschlossen)
- Japan, 〒103-0027 Tokyo, Chuo City, Nihonbashi, 2 Chome−9−7 1F~2F
Etwas Ausgefallenes tun, um Tokyo zu entdecken?
Bist du sportlich veranlagt und willst du Tokyo auf die ungewöhnlichste Weise entdecken? Dann greife tief in deine Tasche, buche ein Kajak und befahre die Wasserwege rund um Nihonbashi. Während des Paddelns erzählt ein Guide der Tokyo Great Kayaking Tours einzigartige Hintergrundgeschichten zu den Gebäuden, an denen du vorbeifährst. Du bekommst garantiert verblüffte Blicke, wenn du am Skytree für ein Foto anlegst. Definitiv eine der seltsamsten Erfahrungen in Tokyo.
- Start möglich an der Nihonbashi-Brücke
- Reservierung: tokyokayaking.jp
- 9.000 Yen pro Person
- Stunden nach Absprache
Dieser Artikel wurde geschrieben von: Geert Dehertefelt & Raoul de Boer
Zusätzliche FAQs zum Thema Nihonbashi:
Welche Sehenswürdigkeiten kann ich zu Fuß von Nihonbashi erreichen?
- Von Nihonbashi aus erreichst du zu Fuß das Ginza-Viertel (10 Minuten), den Kaiserpalast (15 Minuten) und Tokyo Station (8 Minuten). Auch das berühmte Tsukiji-Viertel mit seinen Restaurants ist nur 20 Gehminuten entfernt.

Wie hat sich Nihonbashi vom Fischmarkt-Viertel zum Finanzzentrum entwickelt?
- Nach der Meiji-Restauration 1868 wandelte sich Nihonbashi grundlegend. Der Fischmarkt wurde 1935 nach Tsukiji verlegt, und gleichzeitig siedelten sich Banken und Finanzinstitute an. Die Nationalbank wählte Nihonbashi als Standort, weil es bereits das traditionelle Handelszentrum war. Heute stehen hier einige der wichtigsten Banken Japans, und die Tokyo Stock Exchange macht es zum Finanzherz Asiens.

Marco Logmans ist ein leidenschaftlicher Japan-Experte, der vor 20 Jahren zum ersten Mal Japan besuchte und dort sieben Jahre lebte und arbeitete. Mit viel Liebe für Japan teilt Marco gerne seine Erfahrungen und Eindrücke in seinen Artikeln.