Nihonbashi bildet das Herz von Tokyo, Marunouchi ist ohne Zweifel die Schlagader. Glänzende Stahltürme wechseln sich mit roten Backsteinfassaden ab und spiegeln ein Echo von hartem Business und luxuriösen Einkaufszentren wider. Dieses Viertel schafft es als Finanzviertel auf wunderliche Weise, die meisten Touristen für sich zu gewinnen. Marunouchi strahlt Klasse und moderne Effizienz aus.
Während der Meiji-Restauration war dies militärisches Gelände, bis die Mitsubishi-Familie 1890 alles für anderthalb Millionen Yen aufkaufte. Der Staat brauchte Geld und dieses Unternehmen brauchte Platz. Schnell änderte sich der Name von Marunouchi zu „den Mitsubishi-Feldern“. 1894 eröffnete die Stadtverwaltung hier ihr erstes Rathaus, bis es erst 1991 nach Shinjuku umziehen sollte.
Im Lauf des 20. Jahrhunderts siedelten sich mehr und mehr Unternehmen im Herzen der japanischen Wirtschaft an. Ein Viertel von Japans BIP wird hier generiert.
Eine Bombenexplosion 1974 tötet acht Menschen und dreihundertsiebzig andere werden verletzt. Eine blutige Reaktion der EAAJAF (terroristische Organisation) auf die Waffenlieferungen Japans an Amerika für den Krieg in Vietnam. Laut Zeugen ist die Explosion bis nach Shinjuku zu hören. Dieser Anschlag scheint heute jedoch völlig vergessen. Nichts erinnert an jenen verhängnisvollen Tag.
In den letzten Jahren versucht man, die kommerziellen Grundstücke allmählich in öffentliches Eigentum umzuwandeln. Mehr und mehr offene Räume zwischen den Bürogebäuden werden im Sommer zu gemütlichen Terrassen umgestaltet, wo Salarymen ihre Bento-Boxen in der Sonne leeren. Marunouchi ist eindeutig ein Tokyo Viertel in ständigem Wandel.
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Goldene Tipps für Marunouchi
Tokyo Station

Tokyo Station öffnet 1914. Japan ist zu diesem Zeitpunkt eine werdende Weltmacht. Von innen heraus wütet eine nationalistische Bedrohung. Vor dem Westeingang werden zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwei Premierminister kurz nacheinander erschossen. Irgendwo hängen Gedenkplatten, weggesteckt wie Schatten aus der Vergangenheit.
Auf der Marunouchi-Seite wirkt der Bahnhof am eindrucksvollsten. Stelle dich genau in die Mitte des Bahnhofsplatzes und bewundere dieses mächtige Bauwerk. Woran erinnert es dich? Oft sagt man, dass Tokyo Station auf dem Hauptbahnhof Amsterdam basiert. Japaner bestreiten dies entschieden. Was denkst du? Gehe beliebig in einen Eingang hinein und verliert euch in dem unermesslichen Gangsystem unter dem Bahnhof, wo du zwischen all den hunderten Geschäften und Restaurants herrlich verloren gehen kannst. Probiere es aus.
Tokyo International Forum
1991 zieht die Stadtverwaltung nach Shinjuku um und es entsteht eine neue Möglichkeit für Investoren, auf dem freigewordenen Platz etwas völlig Neues zu verwirklichen. Das Tokyo International Forum öffnet 1997 als ein Ort, wo die Zukunft von Marunouchi Gestalt annimmt. Der uruguayische Architekt Rafael Viñoly zeichnet die Pläne für eine riesige Halle.
Täglich finden hier allerlei Kongresse statt. Der Saal ist daher nicht für Besucher zugänglich. Lass dich davon nicht abschrecken, die Eingangshalle bleibt das Prunkstück. Nimm den Aufzug bis zur siebten Etage und blicke über die groteske Konstruktion. Manche behaupten, es verweise auf ein altes Fischerboot, andere sehen das Skelett eines Wals, der Architekt lässt dies selbst offen. Fantasiere darüber, während du die Aussicht genießt. Gehe dann zur anderen Seite und vergleiche.
Vergiss nicht, Selfies auf dieser fotogenen Höhe zu machen. Schaue auch unbedingt einmal zurück. Von der siebten Etage blickst du nämlich über Tokyo Station. Das Gewirr von Schienen und Zügen kontrastiert und ist in all seiner Hässlichkeit doch bezaubernd. Wandere entlang der Seitenwand nach unten und nimm dir bei jeder Etage die Zeit festzustellen, wie jede Ebene dein Bild beeinflusst. Tokyo International Forum ist architektonisch gesehen mein Favorit in Tokyo.
- Öffnungszeiten: 7 bis 23:30 Uhr
- Adresse: 3 Chome-5-1 Marunouchi, Chiyoda City, Tokyo 100-0005, Japan
Mitsubishi Ichigokan Museum
Bei einem Spaziergang durch Marunouchi musst du kurz beim Mitsubishi Museum stehen bleiben. Heute organisiert man hier solide Ausstellungen. Einst war dies das erste Gebäude auf den Mitsubishi-Feldern. Die rote Backsteinfassade fällt zwischen all den stählernen Wolkenkratzern auf. Du würdest es jetzt vielleicht nicht mehr sagen, aber dieses Gebäude hat das heutige Aussehen der Stadt mitgeprägt.
- Öffnungszeiten: 10 bis 18 Uhr (Freitag bis 20 Uhr, Montag geschlossen)
- Adresse: 2 Chome-6-2 Marunouchi, Chiyoda City, Tokyo 100-0005, Japan
Shoppen im Viertel
Kitte und „Intermediatheque“

Im alten Gebäude der Japan Post eröffnet 2013 das neueste Einkaufszentrum des Viertels. Kitte ist hip, trendy und ein Modepalast. Eine Kaffeebar, die auch als Buchhandlung fungiert, Geschäfte, Geschäfte, shoppen, shoppen, Tokyoter sind so verrückt danach. Es sieht alles fantastisch aus, aber die Anzahl der Shopping-Tempel in Tokyo ist so schwindelerregend hoch und es verblüfft mich immer noch, dass Tokyoter noch immer beeindruckt sein können von wieder einem neuen Gebäude vollgestopft mit Läden mit dutzenden Büros darüber. „It’s Tokyo, sir!“
Tritt hier ein und genieße die blitzende Architektur. Bleibe jedoch nicht zu lange in den Shops hängen, denn es gibt in Tokyo noch so viel zu entdecken. Nimm dir unbedingt Zeit für das Intermediatheque im dritten Stock. Dies wird allgemein als eines der besten Museen der Stadt betrachtet. Du kannst frei ein und aus wandeln, was das Ganze besonders zugänglich macht.
Im Intermediatheque stellt die Universität Tokyo besondere Stücke aus, die sie in ihrem langen Bestehen ihrer Sammlung hinzugefügt haben: alte Karten, Skelette, besondere Gesteine, Mumien. Alles was zum Thema Form und Funktion gehört, bekommt hier einen Platz. Durch die niedrige Schwelle bestimmst du selbst, welche Themen dich fesseln und ob du nur eine Viertelstunde durch die Sammlung gehst oder den ganzen Nachmittag mit dem sorgfältigen Studium dieser Kuriositäten verbringst. Dieses Museum ist ein absoluter Geheimtipp!
- Öffnungszeiten: 11 bis 20 Uhr (Restaurant bis 22 Uhr)
- Eintritt: kostenlos
- Adresse: 2 Chome-7-2 Marunouchi, Chiyoda City, Tokyo 100-7090, Japan
Marunouchi Building
Marunouchi Building versammelt genau wie der Nachbar Kitte dutzende Boutiquen und feine Restaurants unter siebenunddreißig Etagen Büros. Nachdem es den Bombenregen des Zweiten Weltkriegs überlebt hatte, widerstand das Gebäude auch verschiedenen Bauwellen. 2002 wird dieses Gebäude mit Respekt für seine Vergangenheit vollständig renoviert. Im siebten Stock kannst du für einen kräftigen Afterwork mit Blick auf Tokyo Station von der Außenterrasse aus gehen. Cocktails trinken bis zum letzten Zug, etwas lässt mich vermuten, dass dies hier öfter passiert.
- Öffnungszeiten: 11 bis 21 Uhr (Geschäfte) , 11 bis 23 Uhr (Restaurant), Sonntag alles eine Stunde früher geschlossen
- Adresse: 2 Chome-4-1 Marunouchi, Chiyoda City, Tokyo 100-6390, Japan
Bic Camera
Bic Camera ist bekannt als der Fachmarkt für Technologie, Computer und Fotografie. Im Lauf der Jahre haben sie ihr Sortiment mit Musikinstrumenten und Kosmetik erweitert. Ein echter Technik-Freak verliert sich im Überangebot des Mega-Stores Bic Camera in Marunouchi. Es ist buchstäblich eine Minute Fußweg vom Bahnhof Yurakucho.
Gehst du mit Kindern? Dann kannst du auch die neuesten Spiele ausprobieren.

- Öffnungszeiten: 10 bis 22 Uhr
- Adresse: 1 Chome-11-1 Yūrakuchō, Chiyoda City, Tokyo 100-0006, Japan
Character Street (Tokyo Station)

Die etwas zu hoch gackernden Verkäuferinnen versuchen dich in die Läden voller Süßigkeiten zu locken. Ich denke oft, dass sie sich selbst im Schlaf noch zwitschern hören. Von jedem japanischen Anime-Charakter oder Zeichentrickfigur, von Pikachu bis Hello Kitty, ist hier eine Filiale eröffnet. An regnerischen Tagen mitten in der Taifun-Saison wandeln Tokyoter tagelang in der Character Street umher auf der Suche nach neuen Schnickschnack und japanischen Süßigkeiten, die mit Präzision verpackt werden.
Essen in Marunouchi
Ramen Street (Tokyo Station)

Ramen-Fans kennen nur eine Adresse: Ramen Street in Tokyo Station. In dem endlosen unterirdischen Shopping-Web steht diese Gasse vollständig im Zeichen der aus China importierten Fastfood-Leckerei. Du bezahlst bei einem beliebigen Restaurant am Automaten und gibst das Ticket dem Kellner. Mein Favorit ist die Ramen mit Ochsenzunge. Hier kommst du zum Mittagessen für praktisch kein Geld.
Trinken
Ippodo Tea (Teehaus)
So nah am Kaiserpalast musst du doch Tee trinken? Ippodo schenkt den feinsten Tee für das Büro aus. Warm und kalt, Matcha und leichter grüner Tee, alles schmeckt besser auf einer Bank zwischen den Wolkenkratzern. Du wähnst dich für einen Moment als Salaryman während seiner Pause.
- Öffnungszeiten: 11 bis 21 Uhr (Sonntag bis 20 Uhr)
- Adresse: B1F, 1 Chome-5-1 Marunouchi, Chiyoda City, Tokyo 100-6590
Dieser Artikel wurde ursprünglich von Raoul de Boer verfasst und von Juliane Kolbe übersetzt
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Warum gilt Marunouchi als das wichtigste Geschäftsviertel Japans?
- Marunouchi ist das Zentrum der japanischen Wirtschaft, weil hier ein Viertel des gesamten japanischen BIP erwirtschaftet wird. Seit der Meiji-Zeit haben sich die größten Konzerne und Banken hier angesiedelt. Die Nähe zum Kaiserpalast und Tokyo Station macht es zum strategisch wichtigsten Standort für internationale Geschäfte.
Wie unterscheidet sich das Shopping in Marunouchi von anderen Tokioter Vierteln?
- Shopping in Marunouchi ist deutlich gehobener und business-orientierter als in anderen Vierteln. Die Einkaufszentren wie Kitte und Marunouchi Building richten sich an gut verdienende Salarymen und internationale Geschäftsleute. Du findest hier mehr Luxusmarken, hochwertige Technik und weniger Kawaii-Kultur als in Harajuku oder Shibuya.
Wann ist die beste Zeit, um das Tokyo International Forum zu besuchen?
- Die beste Zeit ist morgens zwischen 8 und 10 Uhr oder abends nach 17 Uhr, wenn weniger Kongresse stattfinden. Dienstag und Mittwoch sind generell ruhiger. Für die spektakulärste Aussicht solltest du bei Sonnenuntergang kommen, wenn das Licht durch die Glaskonstruktion besonders dramatisch wirkt.

Marco Logmans ist ein leidenschaftlicher Japan-Experte, der vor 20 Jahren zum ersten Mal Japan besuchte und dort sieben Jahre lebte und arbeitete. Mit viel Liebe für Japan teilt Marco gerne seine Erfahrungen und Eindrücke in seinen Artikeln.