Der Zen-Buddhismus ist für uns wahrscheinlich die bekannteste aller buddhistischen Schulen in Japan. Durch den Einfluss, den Zen auf die japanische Kultur hatte, ist es nicht verwunderlich, dass auch viele Zen-Tempel in Japan zu finden sind. So hat die Sōtō-Zen-Richtung allein bereits etwa 15.000 Tempel! Um für dich eine praktische Liste zu erstellen, wurde eine kleine Auswahl aus dem gigantischen Angebot getroffen. Entdecke unten die bekanntesten oder wichtigsten Tempel des Zen-Buddhismus in Japan!
Willst du zuerst die Zen-Prinzipien besser kennenlernen? Lies dann sicher auch unseren Artikel über Zen-Buddhismus!
#1 Kinkaku-ji 金閣寺 in Kyoto

Eine Liste mit den Top-Zen-Tempeln kann nicht vollständig sein ohne einen der bekanntesten Tempel in ganz Japan: Kinkaku-ji 金閣寺 in Kyoto. Der Kinkaku-ji bedeutet wörtlich ‚der Tempel des goldenen Pavillons‘. Er verdankt diesen Namen natürlich der mit Gold bedeckten Halle. Aber eigentlich hat der Tempel auch einen anderen offiziellen Namen. Dieser Name ist Rokuon-ji 鹿苑寺, ‚der Tempel des Hirschparks‘. Der Tempel gehört zur Rinzai-Zen-Strömung.

Der goldene Pavillon war ursprünglich kein Tempel, sondern ein Teil des Anwesens von Ashikaga Yoshimitsu 足利義満 (1358-1408). Er war Shōgun während der Muromachi-Periode (1338-1573) und ein Praktizierender des Zen-Buddhismus. Sein Anwesen in Kyoto wurde auch der Kitayama-Palast genannt. Das berühmte goldene Gebäude wurde von ihm als Halle gebaut, um buddhistische Reliquien zu beherbergen. Eine solche Reliquienhalle wird auch Shariden 舎利殿 genannt. Nach Yoshimitsus Tod wurde es nach seinem Wunsch zu einem offiziellen Zen-Tempel gemacht.

Der Kinkaku-ji konnte also von Anfang an die Unterstützung des Shogunats genießen. Aber weil Japan während der Muromachi-Periode in turbulenten politischen Zeiten war, bedeutete das nicht, dass der Tempel immer sicher war. Der Tempel wurde mehrmals zerstört, wie während des Ōnin-Krieges (1467-1477) oder 1950. Die letzte Zerstörung des Tempels war die Inspiration für das Buch „Der goldene Pavillon“ (Das goldene Tempelhaus) des bekannten japanischen Autors Mishima Yukio 三島由紀夫 (1925-1970). Der heutige wiederaufgebaute Tempel stammt aus dem Jahr 1955. 1994 wurde der Kinkaku-ji zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Verpasse also sicher nicht die Chance, den Tempel in Wirklichkeit zu bewundern!
Willst du mehr wissen oder dich auf einen Besuch vorbereiten? Schau dann vor allem auch in unseren Leitfaden für einen Besuch am Kinkaku-ji und die offizielle Website.
#2 Ginkaku-ji 銀閣寺 in Kyoto

Wenn Kinkaku-ji in die Liste aufgenommen wird, können wir nicht anders, als auch sein Gegenstück ins Rampenlicht zu setzen: Ginkaku-ji 銀閣寺 in Kyoto! Ginkaku-ji bedeutet wörtlich ‚der Tempel des silbernen Pavillons‘, obwohl dieser Tempel nicht mit Silber bedeckt ist.
Der Pavillon würde silbern genannt werden, weil das Mondlicht früher eine silberne Reflexion auf das dunkle lackierte Holz gab. Genau wie bei Kinkaku-ji ist Ginkaku-ji nicht der offizielle Name dieses Tempels. Dieser offizielle Name ist Jishō-ji 慈照寺, ‚der Tempel der strahlenden Gnade‘. Ginkaku-ji ist auch ein Tempel der Rinzai-Zen-Schule.

Der Ursprung des Ginkaku-ji stimmt fast mit dem des Kinkaku-ji überein. Ginkaku-ji war zunächst das Anwesen von Shōgun Ashikaga Yoshimasa 足利義政 (1435-1490), dem Enkel von Yoshimitsu, der Kinkaku-ji bauen ließ.
Ginkaku-ji war also Teil des Higashiyama-Palastanwesens von Yoshimasa. Von hier aus entstand eine sehr einflussreiche Zen-aristokratische Kultur, die Künste wie Ikebana und die Teezeremonie mitprägte. Das Anwesen wurde nach seinem Tod als buddhistischer Tempel geweiht. Der Tempel steht inzwischen auch auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

Auf dem Tempelgelände des Ginkaku-ji findest du mehrere Arten von Gärten. Es gibt einen Moos-Garten, einen Felsen-Garten mit Kies, mehrere Teiche und einen Wanderweg, der dich an diesen wunderschönen Gärten vorbeiführt. Aber vielleicht das Besonderste auf diesem Tempelgelände ist der Sand-Garten, der vor der Residenz des Abts liegt. Dieser Garten wird Ginshadan 銀沙灘 genannt, was ‚das Meer aus silbernem Sand‘ bedeutet. In diesem Sand-Garten steht auch der Kogetsudai 向月台, ‚die Mondbetrachtungsplattform‘. Dieser kegelförmige Sandhügel ist ganze 2 Meter hoch. Mit dieser flachen Spitze ähnelt der Kogetsudai nach Meinung einiger auch dem Fuji. Was denkst du?
Willst du noch mehr über diesen Tempel wissen? Schau dann auch in unseren Leitfaden für einen Besuch am Ginkaku-ji und die offizielle Website des Tempels.
#3 Eihei-ji 永平寺 in Fukui

Der Eihei-ji 永平寺, wörtlich ‚der Tempel des ewigen Friedens‘, ist ein wichtiger Haupttempel der Sōtō-Zen-Schule. Der Tempel liegt in der Provinz Fukui im Westen Japans. Der Tempel liegt vielleicht nicht auf der naheliegendsten Reiseroute durch Japan, ist aber sicher einen Besuch wert, wenn du eine echte Zen-Erfahrung machen willst!
Eihei-ji wurde 1244 von niemand anderem als Dōgen gegründet, dem Gründer der Sōtō-Zen-Strömung. Er erhielt das Land für das Tempelgelände von einem treuen Anhänger, der auch ein Samurai war. In diesem Tempel widmete sich Dōgen der Verfeinerung und Entwicklung der Zen-Lehre, wie dem Shikantaza (bewusstes alleiniges Sitzen).

Eihei-ji ist ein Ort, wo der Zen-Buddhismus noch wirklich erlebt und praktiziert wird. Heute verbringen etwa hundert Mönche Zeit im Tempel. Dort führen sie Tag für Tag Zen-Aufgaben und Meditation aus. Wenn du irgendwo ein authentisches Gefühl von Zen erleben kannst, dann im Eihei-ji! Das bedeutet auch, dass du als Tourist am besten extra respektvoll bist und dich an die Regeln des Tempels hältst. Der Tempel strebt danach, die traditionellen klösterlichen Regeln und die Atmosphäre zu bewahren.
Einige Regeln:
- Mache keine Fotos von den Priestern und Mönchen!
- Trage Kleidung, die für eine religiöse Umgebung angemessen ist.
- Sei immer so leise wie möglich, um die Ruhe nicht zu stören.
- Gehe immer links auf den Wegen.
- Nicht rauchen.
- Betrunkene Gäste werden nicht zugelassen.
- Bleib auf dem Weg und betritt nicht die Gärten.

Eihei-ji bietet auch die Möglichkeit, auf dem Tempelgelände zu übernachten, mit einem speziellen Zen-Erfahrungspaket verbunden. So gibt es zum Beispiel das ‚Sanzen Program‘. Mit diesem Paket können Besucher 1 Nacht im Eihei-ji verbringen und an 3 oder 4 Zazen-Meditationssitzungen und Zeremonien teilnehmen.
Für die Meditation werden die Anweisungen auf Englisch für internationale Besucher gegeben. Auch sind zwei buddhistische Mahlzeiten und eine geführte Rundführung inbegriffen. Es ist wichtig, mindestens 1 Monat im Voraus zu buchen! Der Preis pro Person beträgt 10.000 Yen (derzeit etwa 61 Euro).
Willst du noch mehr über diesen Tempel wissen oder möchtest du einen Aufenthalt buchen? Wirf dann schnell einen Blick auf die offizielle Website.
#4 Myōshin-ji 妙心寺 in Kyoto

Im Westen von Kyoto liegt der Myōshin-ji 妙心寺 Tempelkomplex. Der Name des Tempels bedeutet wörtlich ‚der Tempel des erleuchteten Geistes‘. Es ist ein Haupttempel der Rinzai-Zen-Strömung. Genau wie bei Kinkaku-ji und Ginkaku-ji war auch dieses Tempelgelände zunächst die Residenz eines mächtigen Mannes.
Im Fall des Myōshin-ji war das jedoch kein Shōgun, sondern ein Kaiser, der zu diesem Zeitpunkt keine politische Macht mehr hatte. Nachdem dieser Kaiser, Hanazono, abgedankt hatte, ließ er eine Villa auf dem Gelände bauen. Als er später die buddhistischen Gelübde ablegte, ließ er 1337 auch den Tempel gründen.

Myōshin-ji ist ein großer Tempelkomplex, was bedeutet, dass auf dem großen Gelände auch bis zu 50 Unter-Tempel zu finden sind. Einer davon ist der Taizō-in 退蔵院. Dieser Tempel hat einen wunderschönen Teich-Garten und Felsen-Garten. Taizō-in bietet auch Zen-Erfahrungen an. So kannst du dort zum Beispiel an einer Teezeremonie im Teehaus im Garten teilnehmen.
Du kannst dort auch eine geführte Rundführung, Zen-Meditationssitzung und ein vegetarisches buddhistisches Mittagessen buchen, oder eine Kombination all dieser Elemente. Nicht alle Unter-Tempel außer Taizō-in sind immer für die Öffentlichkeit geöffnet, aber das trägt zu einer Atmosphäre der Ruhe auf dem Tempelgelände bei.

Der Myōshin-ji bietet auch die Möglichkeit, in der Shukubō 宿坊, der Tempelunterkunft, zu übernachten, auch Hanazono Kaikan genannt. Es ist ein modernes Hotel im japanischen Stil, das vom Tempel betrieben wird.
Willst du noch mehr über diesen Tempel wissen? Schau dann sicher auf die offizielle Website von Myōshin-ji und von Taizō-in.
#5 Ryōan-ji 龍安寺 in Kyoto

Noch ein Zen-Tempel in Kyoto ist der Ryōan-ji 龍安寺. Dieser Tempel begann auch als Residenz eines Aristokraten während der Heian-Periode. 1450 wurde er als Zen-Tempel der Rinzai-Zen-Strömung geweiht. Der Ryōan-ji liegt nur einen Kilometer vom oben beschriebenen Myōshin-ji entfernt, da er technisch gesehen auch ein Unter-Tempel davon ist. Ein Besuch beider Tempel kann also leicht kombiniert werden!
Der Höhepunkt des Ryōan-ji ist der Zen-Felsen-Garten! Dieser Felsen-Garten ist der berühmteste in ganz Japan und ist sogar als UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Es handelt sich um einen rechteckigen Felsen-Garten mit hellgrauem Kies und einigen großen Felsen. Darum herum steht eine Erdmauer. Die genaue Bedeutung der Platzierung der Felsen ist ein Mysterium, und das ist genau das, was so viele Besucher anzieht. Je nach deiner Perspektive kannst du ihn auf verschiedene Weise interpretieren. Geh mal schauen und lass deiner Fantasie freien Lauf!

Neben dem berühmten Felsen-Garten gibt es auch einen großen Teich auf dem Tempelgelände. Wenn du nach einem Spaziergang um den Teich Hunger bekommst, kannst du auf dem Gelände auch eine vegetarische Spezialität aus Kyoto bekommen: Yudōfu 湯豆腐, oder gekochter Tofu. Den kannst du dann mit Blick auf den Garten essen.
Willst du noch mehr über diesen Tempel erfahren? Wirf dann auch einen Blick auf die offizielle Website.
Willst du noch mehr Tempel während deiner Reise nach Japan besuchen? Schau dann auch sicher unsere praktische Liste mit den Top 5 Tempeln in Japan! Außerdem haben wir auch eine Top 5 der wichtigsten Tendai-Tempel und Shingon-Tempel.
Dieser Artikel wurde von Isy van Dorpe geschrieben, und uberzets von Juliane Kolbe.
FAQs zum Thema:
Wann ist die beste Zeit für den Besuch von Zen-Tempeln in Japan?
- Die beste Zeit ist früh am Morgen oder später am Nachmittag, wenn weniger Touristengruppen da sind. Herbst und Frühling bieten die schönste Kulisse mit Laub und Kirschblüten. Für eine authentische Zen-Atmosphäre sind Wochentage generell ruhiger als Wochenenden.
Kann man als Tourist auch an Zen-Meditationen in den Tempeln teilnehmen?
- Ja, viele Zen-Tempel bieten spezielle Programme für Touristen an. Eihei-ji hat Übernachtungsprogramme mit Meditation, Taizō-in bietet Teezeremonien und kurze Meditationssitzungen. Die meisten Programme werden in englischer Sprache angeboten und erfordern eine Voranmeldung.
Was kostet der Eintritt zu den berühmtesten Zen-Tempeln in Japan?
- Die Eintrittspreise variieren zwischen 300-600 Yen (2 bis 4 Euro) für die meisten Tempel. Kinkaku-ji und Ginkaku-ji kosten etwa 500 Yen, Ryōan-ji etwa 600 Yen. Spezielle Erfahrungsprogramme wie Übernachtungen oder Teezeremonien kosten zwischen 3.000-10.000 Yen zusätzlich.

Marco Logmans ist ein leidenschaftlicher Japan-Experte, der vor 20 Jahren zum ersten Mal Japan besuchte und dort sieben Jahre lebte und arbeitete. Mit viel Liebe für Japan teilt Marco gerne seine Erfahrungen und Eindrücke in seinen Artikeln.