Top 5 Shingon Tempel Japan besuchen

Top 5 Tempel des Shingon-Buddhismus

Der Shingon-Buddhismus lebt zusammen mit den Legenden seines Gründers Kūkai 空海 /Kōbō Daishi 弘法大師 (774-835) in Japan weiter. Als Reisender kannst du die magisch-religiösen Sphären des esoterischen Shingon-Buddhismus noch heute in den vielen Tempeln dieser Schule erleben. Wir haben für dich eine Liste mit fünf Shingon-Tempeln zusammengestellt, die einen Besuch wert sind! Lies hier mehr über den Buddhismus in Japan und all seine Strömungen.

Möchtest du zuerst mehr über den Shingon-Buddhismus erfahren? Dieser Artikel hilft dir weiter!

#1 Die Tempelstadt auf Kōyasan 高野山, Kōya

Kasuga-Taisha Schrein in Nara mit traditionellen Steinlaternen im Vordergrund und einer roten Pagode im Hintergrund zwischen grünen Bäumen
Die Tempel auf Kōyasan

Die erste Stelle auf dieser Liste ist eigentlich kein einzelner Tempel, sondern eine ganze Tempelstadt. Diese liegt auf dem wichtigsten Berg des Shingon-Buddhismus, Kōyasan. Das ist nämlich der Berg, wo Kūkai das erste Zentrum für seine Shingon-Schule errichten konnte. Er kann somit als Geburtsort des Shingon betrachtet werden.

Da Kōyasan ein heiliger Ort für Shingon-Buddhisten ist, ist der Berg an sich bereits einen Besuch wert. Was als Tempelkomplex auf dem Berg zu Beginn des 9. Jahrhunderts begann, ist mittlerweile zu einer richtigen Stadt angewachsen. Neben Tempeln findest du dort zum Beispiel auch die Koyasan University, eine buddhistische Universität, die stark auf Kūkais Lehre basiert.

Welche Tempel stehen denn eigentlich auf dem Berg? Für diesen Artikel schauen wir uns zwei davon genauer an. Einerseits das Danjō Garan 壇上伽藍 Tempelkomplex und andererseits das Kongōbu-ji 金剛峯寺 Tempelkomplex!

Detailaufnahme der Konpon Daitō Pagode im Garan-Komplex auf Koyasan mit charakteristischer roter Lackierung und traditioneller fünfstöckiger Bauweise
Die Konpon-Daitō-Pagode des Garan-Tempels / Kumipathy

Das Garan Tempelkomplex war das Zentrum der Shingon-Schule auf Kōyasan zu Kūkais Zeit und wurde 816 erbaut. Es umfasst etwa zwanzig Gebäude. An einigen Gebäuden soll Kūkai selbst mitgebaut haben, wie an der Konpon Daitō 根本大塔, der großen zentralen Pagode.

Die Pagode, die in den 30er Jahren wiederaufgebaut und bemalt wurde, ist der Blickfang dieses Teils von Kōyasan. Und nicht nur das. Kūkai versuchte mit diesem Tempelkomplex eine kosmische buddhistische Geografie hier auf der Erde zu erschaffen. Es sollte der Taizōkai-Mandala ähneln, wo Dainichi-Buddha im Zentrum steht und von acht anderen Buddhas und Bodhisattvas umgeben wird. Das wurde dann auf die japanische Landschaft übertragen: Das Garan-Komplex auf Kōyasan wurde zum Mittelpunkt, umgeben von acht anderen Bergen. In der Konpon Daitō steht daher auch eine Statue des Dainichi-Buddha.

Genieße hier einige Bilder dieses Tempelkomplexes.

Und nun weiter zu Kongōbu-ji 金剛峯寺. Der Name Kongōbu-ji, was „der Tempel der Diamanten-Berggipfel“ bedeutet, bezog sich ursprünglich auf das gesamte Tempelgebiet von Kōyasan. Heutzutage verweist der Name jedoch auf ein bestimmtes Tempelkomplex auf dem Berg, wo sich nun der Hauptsitz der Shingon-Schule befindet. Dieser Kongōbu-ji wurde ursprünglich von Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉 (1537-1598) im Jahr 1593 gegründet.

Neben der Haupthalle des Kongōbu-ji liegt ein Steingarten, Banryū-tei 蟠龍庭. Dieser Steingarten ist der größte ganz Japans. Sein Name, Banryū 蟠龍 bedeutet „Drache, der noch nicht aufgestiegen ist“. Dieser Drache wird durch die großen Felsblöcke im Garten dargestellt.

Banryū-tei Steingarten am Kongōbu-ji Tempel auf Koyasan mit großen Felsblöcken in geharktem Kies, der den "noch nicht aufgestiegenen Drachen" symbolisiert
Der Banryū-tei-Steingarten beim Kongōbu-ji

Neben Tempeln gibt es auf Kōyasan noch einen äußerst wichtigen und heiligen Ort: die Oku no in 奥の院. Das ist der Friedhof der Tempel. Die Oku no in von Kōyasan ist nicht nur der größte ganz Japans mit mehr als 200.000 Grabsteinen, sondern auch der Ort, wo sich Kūkais Mausoleum befindet. In der ruhigen und mystischen Atmosphäre der Oku no in kannst du in aller Ruhe einen letzten Gruß an den Vater des Shingon-Buddhismus richten.

Okunoin-Friedhof auf Koyasan mit moosbedeckten Grabsteinen, einem Torii-Tor und jahrhundertealten Zedern in mystischer Waldatmosphäre
Oku no in Friedhof auf Kōyasan

Möchtest du mehr Informationen über einen Besuch auf Kōyasan und was es dort zu tun gibt? Dann schau dir unbedingt unseren Artikel über Kōyasan an! Noch mehr Informationen findest du auf der offiziellen Website des Gebiets.

#2 To-ji 東寺 in Kyōto

Panoramablick auf den Tō-ji Tempel in Kyoto mit der 55 Meter hohen fünfstöckigen Pagode und den umliegenden Tempelgebäuden
Blick auf die Gebäude des Tō-ji / Kakidai, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons

Was die Bedeutung für die Shingon-Schule angeht, folgt auf Kōyasan der Tō-ji 東寺. Der Name des Tempels, der wörtlich „östlicher Tempel“ bedeutet, verweist auf die Rolle, die der Tempel beim Schutz des heutigen Kyōto spielte, das während der Heian-Zeit (794-1185) die Hauptstadt war.

Der Tempel wurde nicht von Kūkai selbst erbaut, aber er erhielt vom Kaiser den Auftrag, hier ein Zentrum für esoterischen Buddhismus zu errichten. Wie viele Tempel in Japan hat der Tō-ji über die Jahrhunderte hinweg mehrmals Schäden durch Brände und Erdbeben erlitten, wurde aber stets im ursprünglichen Stil wiederaufgebaut. Der Tō-ji ist übrigens UNESCO-Weltkulturerbe.

Auf dem Gelände des Tō-ji steht eine fünfstöckige Pagode von ganzen 55 Metern Höhe. Das macht sie zur höchsten Pagode Japans. Das ist nicht mehr die ursprüngliche Pagode aus dem 9. Jahrhundert, sondern eine wiederaufgebaute Version aus 1644. Seitdem konnte kein Erdbeben diese Pagode mehr zu Fall bringen dank der verwendeten Bautechniken.

Die imposante fünfstöckige Pagode des Tō-ji Tempels aus der Froschperspektive, die höchste Holzpagode Japans mit 55 Metern Höhe
Die fünfstöckige Pagode des Tō-ji / Public Domain

Noch interessant am Tō-ji Tempel ist die Miei-dō 御影堂, die Halle, wo Kūkai verweilte. Aus diesem Grund wird diese Halle auch Daishi-dō 大師堂 genannt. Diese Halle, die eher wie eine aristokratische Villa als ein Tempel aussieht, ist ebenfalls Kūkai gewidmet.

Jeden Morgen um 6 Uhr wird hier eine Mahlzeit und Tee für Kūkai geopfert. Diese Morgenzeremonie kann von Besuchern miterlebt werden. Wenn du die Zeremonie für Kūkai miterleben möchtest, musst du also früh aus den Federn.

Miei-dō Halle am Tō-ji Tempel, wo Kūkai lebte und verehrt wird, mit traditioneller Holzarchitektur und erhöhter Veranda
Der Miei-dō des Tō-ji, wo Kūkai lebte und verehrt wird / öffentlicher Bereich

Ein weiteres nettes Detail: Einige Male pro Monat wird auf dem Tempelgelände ein Antiquitätenmarkt organisiert!

Für mehr Informationen kannst du auf der offiziellen Website nachschauen.

#3 Daigo-ji 醍醐寺 in Kyōto

Daigo-ji Tempel in Kyoto im Herbst mit leuchtend roten Ahornbäumen, einer traditionellen Pagode und einem Teich, der die Herbstfarben widerspiegelt
Von Benten hal van de Daigo-ji / Suicasmo, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons

Im Südosten von Kyōto gibt es noch einen anderen wichtigen Tempel für die Shingon-Schule. Das ist Daigo-ji 醍醐寺. Der Tempel wurde der Legende nach von einem Schüler Kūkais auf dem Daigo-Berg entdeckt. Er verdankt seinen Namen, der wörtlich „Tempel des ausgezeichneten Geschmacks“ bedeutet, dem Quellwasser des Tempels. Es soll süß wie Nektar sein. Der Tempel wurde 874 offiziell zu einem kaiserlichen Tempel erklärt von Kaiser Daigo.

Das Tempelgelände ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Das höher am Berg gelegene Gebiet ist Kami Daigo 上醍醐 (nicht zu verwechseln mit einem shintō kami 神), und das tiefer gelegene Gebiet ist Shimo Daigo 下醍醐. Insgesamt erstreckt sich das Tempelgelände über ein Gebiet von 600 Hektar. Die Verbindung zu Kaiser Daigo ist jedoch nicht die einzige Verbindung zur Geschichte für den Tempel: 1598 hielt Toyotomi Hideyoshi hier ein Hanami-Fest ab, um die Kirschblüten zu betrachten. Dafür pflanzte er 700 Kirschbäume. Der Tempel ist mittlerweile auch UNESCO-Weltkulturerbe.

Möchtest du ein Feuerritual sehen, ein buddhistisches Sutra kopieren oder lieber einer Teezeremonie beiwohnen? Dann schau unbedingt auf der offiziellen Website des Daigo-ji nach, um zu entdecken, welche Zeremonien du als Besucher miterleben kannst und welche Aktivitäten du unternehmen kannst!

#4 Hase-dera 長谷寺 in Nara

Haupthalle des Hase-dera Tempels in Nara mit traditioneller japanischer Architektur, umgeben von grünem Wald und geschmückt mit bunten buddhistischen Gebetsfahnen
Die Haupthalle des Hase-dera, versteckt hinter den Bäumen / 663highland, CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons

Auch in Nara gibt es einen wichtigen Shingon-Tempel zu finden: Hase-dera 長谷寺. Das ist der Haupttempel der Buzan-ha 豊山派 Abzweigung der Shingon-Schule. Der Tempel selbst existiert bereits seit dem 7. Jahrhundert und war schon während der Heian-Zeit (794-1185) ein bekannter Ort.

Er wird als heiliger Ort in bekannter klassischer japanischer Literatur erwähnt, wie der Gedichtsammlung Man’yōshū 万葉集 (Die Sammlung von zehntausend Blättern) aus dem 7. Jahrhundert und der Genji monogatari 源氏物語 (Die Geschichte des Genji) vom Beginn des 11. Jahrhunderts.

Im Tempel wird der buddhistische Bodhisattva der Gnade, Kannon, verehrt. Hase-dera ist daher auch Teil der 33-Tempel Kannon-Pilgerroute in der Kansai-Region Japans.

Außerdem ist dieser Tempel auch als der „Heilige Tempel der Blumen“ bekannt. Er verdankt diesen Titel der Blumen- und Naturpracht, die dort in jeder Jahreszeit zu bewundern ist. Im Frühling sind das natürlich die Kirschblüten, aber was ist mit den anderen Jahreszeiten?

Im Sommer kannst du dort japanische Hortensien bewundern und im Herbst lassen die japanischen Ahorne ihre schönsten Farben sehen. Selbst im Winter gibt es etwas zu sehen, wenn die Winter-Pfingstrosen blühen. Das folgende Video gibt bereits einen Vorgeschmack auf Hase-dera im Frühling.

Pass aber auf! Es gibt auch einen Tempel namens Hase-dera in Kamakura. Achte also darauf, dass du diese nicht miteinander verwechselst!

Möchtest du mehr über den Tempel und die genauen Blütezeiten der Blumen wissen, dann schau unbedingt auf der offiziellen Website nach.

#5 Ninna-ji 仁和寺 in Kyōto

Ninna-ji Tempel in Kyoto mit der fünfstöckigen Pagode im Hintergrund und dem traditionellen Garten mit Herbstlaub im Vordergrund
Der Garten des Ninna-ji / てくたく aus Kyoto, Japan, CC BY 2.1 JP, via Wikimedia Commons

Ninna-ji 仁和寺, wörtlich „der Tempel der Wohlwollendheit und Harmonie“, ist der Haupttempel der Omuro 御室派 Abzweigung der Shingon-Schule. Der Tempel wurde 888 von Kaiser Kōkō und später Kaiser Uda gegründet. Als Kaiser Uda auf seinen Thron verzichtete, wurde er Priester in diesem Tempel. Das macht ihn zu einem monzeki 門跡 Tempel, einem Tempel, wo der Hauptpriester ein Mitglied der kaiserlichen Familie ist.

Ninna-ji wird am meisten während des Frühlings besucht, denn zu dieser Zeit blühen die Omura-Kirschblüten. Diese Omura-Sakura blühen etwas später und haben auch mehr Blütenblätter pro Blüte, weshalb manche diese Blüten die elegantesten Sakura nennen.

Aber auch in den anderen Jahreszeiten gibt es in diesem Tempel etwas zu erleben. Während der Sommermonate, und besonders im August, finden dort viele buddhistische Zeremonien statt, denen du beiwohnen kannst. Auch im Herbst ist Ninna-ji ein guter Ort, um die prächtigen Herbstfarben zu bewundern. Und wenn es im Winter geschneit hat, lohnt es sich, die vollkommene Ruhe des verschneiten Tempelgartens zu erleben. Dieser Garten, von wo aus die fünfstöckige Pagode bewundert werden kann, ist in jeder Jahreszeit einen Besuch wert.

Wissenswertes: Hinter dem Tempel befindet sich ein Wanderweg, der 2 Stunden dauert. Der Weg wurde angelegt, um eine Miniaturversion von Kūkais 88-Tempel-Pilgerroute auf Shikoku zu sein! Perfekt also für Menschen, die eine kurze Kostprobe einer Pilgerreise möchten.

Mehr Informationen über den Tempel findest du auf der offiziellen Website.

Schau dir auch unbedingt die schönsten und wichtigsten Tempel des Tendai-Buddhismus oder die Top 5 Tempel Japans an.

Dieser Artikel wurde von Isy van Dorpe geschrieben.

FAQs zum Shingon-Buddhismus:

Was ist das Besondere am Shingon-Buddhismus?

Der Shingon-Buddhismus ist eine esoterische Form des Buddhismus, die von Kūkai im 9. Jahrhundert nach Japan gebracht wurde. Er verwendet Mantras, Mudras und Mandalas für spirituelle Praxis und betont die Möglichkeit, bereits in diesem Leben Erleuchtung zu erlangen.

Warum ist Koyasan der heiligste Ort des Shingon-Buddhismus?

Koyasan gilt als Geburtsort des Shingon-Buddhismus in Japan, da Kūkai hier 816 sein erstes Kloster gründete. Der Berg beherbergt über 100 Tempel und das Mausoleum von Kūkai, wodurch er zum wichtigsten Pilgerziel der Shingon-Buddhisten wurde.

Kann man in Shingon-Tempeln übernachten?

Ja, viele Shingon-Tempel, besonders auf Koyasan, bieten Tempelübernachtungen (Shukubo) an. Dabei können Besucher vegetarische Mönchsküche probieren, an Morgengebeten teilnehmen und die spirituelle Atmosphäre des Klosterlebens erleben.

Marco Logmans ist ein leidenschaftlicher Japan-Experte, der vor 20 Jahren zum ersten Mal Japan besuchte und dort sieben Jahre lebte und arbeitete. Mit viel Liebe für Japan teilt Marco gerne seine Erfahrungen und Eindrücke in seinen Artikeln.

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