Ein Gläubiger des Reines Land-Buddhismus in Japan hat als Ziel, das Paradies des Amida-Buddha zu erreichen. Aber was, wenn du bereits einen Vorgeschmack auf dieses Paradies während dieses Lebens haben möchtest? In diesem Fall kannst du einen der vielen Tempel des Reines Land-Buddhismus besuchen! Tritt ein in diese buddhistischen Heiligtümer, wo Amida im Mittelpunkt steht und lass deinen Geist zur Ruhe kommen.
Möchtest du zuerst wissen, wer Amida-Buddha ist und warum Reines Land-Buddhisten ihn anbeten? Dann lies unbedingt auch unseren Artikel über den Reines Land-Buddhismus.
Nicht zu verpassen: Kamakura Daibutsu

Ein Verzeichnis von Reines Land-Orten, die es zu besuchen gilt, wäre nicht vollständig, ohne auch die bekannteste Statue des Amida-Buddha zu erwähnen: den Kamakura Daibutsu 鎌倉大仏 (den großen Buddha von Kamakura)! Diese 13,35 Meter hohe Statue ist eine der bekanntesten buddhistischen Attraktionen in ganz Japan. Sie gehört zum Reines Land-Tempel Kōtoku-in 高徳院 in Kamakura.
Hier folgt unser Verzeichnis einiger Tempel, die ebenfalls definitiv einen Besuch wert sind!
#1 Byōdō-in 平等院 in Uji

Byōdō-in 平等院 ist ein Tempel in der Stadt Uji, nicht weit von Kyōto entfernt. Der Name des Tempels bedeutet wörtlich „der Tempel der Gleichheit“. Der Tempel hat seinen Ursprung in der Heian-Zeit (794-1185). Damals schenkte der mächtige Fujiwara no Michinaga 藤原道長 (966-1028) eine Villa seinem Sohn Yorimichi. Diese Villa wurde 1052 als buddhistischer Tempel eingeweiht.
Im Laufe der Jahrhunderte wurden noch Nebentempel hinzugebaut, und Byōdō-in ist nun sowohl ein Tempel der Reines Land- als auch der Tendai-Schule. 1994 wurde Byōdō-in zu einer UNESCO-Weltkulturerbestätte ernannt!

Das imposanteste Gebäude von Byōdō-in ist die große hölzerne Amida-dō 阿弥陀堂 (Amida-Halle), die 1053 erbaut wurde. Es ist das einzige Tempelgebäude von Byōdō-in, das noch aus der Heian-Zeit stammt. Natürlich wurde es mittlerweile auch schon mehrmals restauriert. Die letzte großangelegte Restaurierung wurde im letzten Jahrzehnt abgeschlossen, sodass die Halle nun in ihrer besten Form bewundert werden kann!
In der Amida-dō wird logischerweise eine Statue des Amida-Buddha untergebracht und verehrt. Die Statue des sitzenden Amida-Buddha, die im Byōdō-in steht, ist aus Zypressenholz gefertigt und mit Blattgold überzogen. Sie ist ganze 3 Meter hoch! Die beeindruckende Halle steht auch auf einer Insel in einem Teich, was das Bild des Reinen Landes von Amida hervorruft.
Die Amida-Halle des Byōdō-in ist seit der Edo-Zeit (1603-1868) jedoch unter einem anderen Namen bekannt: Hōō-dō 鳳凰堂, die „Phönix-Halle“! Es gibt zwei Gründe für diese Bezeichnung: 1) Wenn du direkt vor der Halle stehst, sieht das gesamte Gebäude aus wie ein Vogel, der seine Flügel ausbreitet, und 2) es stehen zwei goldene Statuen von Phönixen auf dem Dach.

Dass Byōdō-in eine interessante Geschichte hat, ist nun klar. Aber was gibt es alles zu tun?
Neben Tempelgebäuden hat Byōdō-in auch das Hoshokan 鳳翔館 Museum, um die kulturellen Schätze unterzubringen. Du kannst außerdem auch deine Geschmacksknospen verwöhnen, indem du dem Toka 藤花 Teeraum des Tempels einen Besuch abstattest. Uji ist nämlich in Japan für seinen Tee bekannt, also nutze unbedingt die Gelegenheit, ihn zu probieren! Auf der Website des Tempels sind auch interaktive Karten zu finden. Außerdem sind dort einige beruhigende Spaziergänge für Besucher ausgeschildert. Es gibt auch eine praktische Liste der Blumen auf dem Tempelgelände und wann sie blühen. Für einige besondere Veranstaltungen wird der Tempel manchmal auch nachts beleuchtet.
Noch einige Wissenswertes über Byōdō-in: Wusstest du, dass Byōdō-in auf der japanischen 10-Yen-Münze abgebildet ist? Und wusstest du, dass eine exakte Nachbildung des Tempels auf Hawaii gebaut wurde? Dieser ikonische Tempel ist also definitiv einen Besuch wert!

Möchtest du gerne noch mehr über Byōdō-in entdecken und was es alles zu sehen und zu tun gibt? Dann schau unbedingt auf der offiziellen Website nach. Möchtest du dir lieber noch einige Stimmungsbilder des Tempels ansehen? Dann wirf auch einen Blick auf das offizielle Instagram-Profil.
#2 Zōjō-ji 増上寺 in Tōkyō

Der 333 Meter hohe Tokyo Tower ist vielen wahrscheinlich bekannt. Aber wusstest du, dass daneben, im Herzen von Tōkyō, auch ein Reines Land-Tempel zu finden ist? Das ist der Zōjō-ji 增上寺!
Zōjō-ji ist der Haupttempel der Reines Land-Schule (Jōdo shū) in der Kantō-Region Japans. Die Geschichte des Tempels geht zurück bis 1393, als er als Ort gegründet wurde, wo das Nenbutsu gelehrt wurde. Der Shōgun Tokugawa Ieyasu 徳川家康 (1543-1616) verlegte den Tempel an seinen heutigen Standort. Während der Edo-Zeit wurde der Tempel dann auch zum Familientempel der Tokugawa. Auf dem Tempelgelände sind auch Gräber von 6 Tokugawa-Shōgun und ihrer Familie zu finden.
Nicht alles, was früher von den Tokugawa gebaut wurde, ist auch erhalten geblieben. 1945 wurde ein großer Teil des Tempels durch Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs zerstört. Unter der großen Halle (Daiden) von Zōjō-ji gibt es jedoch einen Ausstellungsraum, wo Maßstabsmodelle der zerstörten Gebäude und andere Schätze aufbewahrt sind!

Bist du im August in Tōkyō? Dann statte während der Abende des buddhistischen Obon お盆 Festivals dem Zōjō-ji einen Besuch ab! Während dieses Festivals werden die Geister der Vorfahren verehrt, unter anderem durch das Tanzen des Bon Odori 盆踊り. Ob du nun selbst mittanzen möchtest oder lieber ruhig die Atmosphäre unter dem beleuchteten Tokyo Tower genießt, es ist definitiv einen Besuch wert!
Das Bon Odori am Zōjō-ji

Neben Festen hat Zōjō-ji auch Raum für Gelassenheit. Auf dem Friedhof des Tempelgeländes findest du auch Reihen kleiner Steinstatuen, alle mit einer roten Mütze oder einem Lätzchen. Vor den Statuen wird Spielzeug wie Windräder hinterlassen. Die Statuen stehen nämlich als Symbol für ungeborene Kinder. Das sind also Statuen des buddhistischen Bodhisattva Jizō. Dieser Bodhisattva sorgt dafür, dass auch die Kinder, die nie das Leben sahen, auf ihrem Weg zum nächsten Leben beschützt werden.
Möchtest du gerne noch mehr über Zōjō-ji wissen? Dann schau unbedingt auch auf der offiziellen Website nach.
#3 Chion-in 知恩院 in Kyōto

Chion-in 知恩院 ist ein Tempel in Kyōto. Der Name des Tempels bedeutet „Kloster der Dankbarkeit“. Der Tempel wurde 1175 von Hōnen, dem Gründer der Reines Land-Schule, gegründet! Dadurch ist er auch ein Haupttempel des Reines Land-Buddhismus. Am Anfang war es nur eine bescheidene Hütte, von der aus er das Nenbutsu verbreitete. Die Tempelgebäude wurden 1234 von einem Schüler Hōnens, Genchi, erbaut. Im Laufe der Jahrhunderte sind Gebäude durch Brände verloren gegangen.

Was gibt es alles bei diesem Tempel zu sehen? Erstens gibt es Chion-ins große Sanmon-Tor! Das Tor wurde 1621 von einem Tokugawa-Shōgun erbaut. Mit einer Höhe von etwa 24 Metern, einer Breite von 50 Metern und 70.000 Ziegeln auf dem Dach gehört dieses Sanmon zu einem der größten Tore ganz Japans! Im Inneren des Tores befindet sich eine Gebetshalle und eine Statue des Sakyamuni-Buddha.

Das Tor von Chion-in ist nicht das Einzige, was gigantisch ist. Im Daishōrō 大鐘楼, dem Großen Glockenturm, hängt die Ōgane 大鐘, die Große Glocke. Die Glocke macht ihrem Namen alle Ehre. Die Glocke, die 1636 hergestellt wurde, ist 3,3 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 2,7 Metern. Die Glocke wiegt ganze 70 Tonnen! Das macht sie zu einer der größten Tempelglocken Japans, neben der des Tōdai-ji in Nara.
Die Glocke wird nur zu zwei Zeitpunkten geläutet: zur Gedenkfeier an den Reines Land-Gründer Hōnen und an Silvester. An Silvester wird die Glocke 108 Mal von einem Team aus 17 Mönchen geläutet. Dieses 2 Stunden lange Ritual wird Joya no kane 除夜の鐘 genannt. Es lockt stets viele Besucher an.
Die Glocken von Joya no Kane im Chion-in-Tempel
Achte darauf, dass du den Chion-in Tempel nicht mit dem Chion-ji Tempel verwechselst, der ebenfalls in Kyōto steht! Wenn du sicher sein möchtest, dass du zum richtigen Tempel gehst, dann schau unbedingt auf der offiziellen Website von Chion-in nach.
#4 Higashi Hongan-ji 東本願寺 in Kyōto

Der Higashi Honganji 東本願寺 in Kyōto ist der Haupttempel einer Abzweigung des Shin-Buddhismus. Der Name bedeutet wörtlich „der östliche Tempel des ursprünglichen Gelübdes“.
Wenn das der östliche Tempel ist, gibt es dann auch einen westlichen Hongan-ji? Ganz genau! Das ist der Nishi Honganji 西本願寺, der ebenfalls in Kyōto zu finden ist. Der Ursprung dieses geteilten Tempels liegt in politischen Verwicklungen der Muromachi- und Edo-Zeit.

Warum ist der Higashi Honganji so wichtig? Das liegt an der Verbindung zu Shinran, dem Gründer des Shin-Buddhismus! Shinran wird dort nämlich in der Miei-dō verehrt, wofür auch ein imposantes Tor gebaut wurde. Aber es sind noch mehr Spuren von Shinran außerhalb dieser Halle zu finden.
Nach Shinrans Tod 1263 wurde auf Wunsch seiner Tochter ein Mausoleum für ihn auf dem Ōtani-Friedhof in Kyōto errichtet. Das Mausoleum mit der Asche und dem Bildnis Shinrans wurde über die Jahrhunderte mehrmals verlegt. Schließlich zog es 1670 an seinen heutigen Standort um. Das ist auch der Standort, wo der Higashi Honganji 1603 ansässig war. Wenn du also einen letzten Gruß an den Gründer des Shin-Buddhismus richten möchtest, musst du zum Higashi Honganji!

Möchtest du mehr über den Tempel und was es zu sehen gibt erfahren? Dann wirf unbedingt einen Blick auf die offizielle Website von Higashi Hongan-ji! Das Gegenstück zu Higashi Honganji, der Nishi Hongan-ji, hat auch eine offizielle Website.
#5 Zenkō-ji 善光寺 in Nagano

Der letzte Tempel auf der Liste, Zenkō-ji 善光寺 in Nagano, ist streng genommen kein Tempel des Reines Land-Buddhismus. Der Tempel ist jedoch von großer Bedeutung für Reines Land-Anhänger! Der Grund dafür hat mit der Gründungslegende des Tempels zu tun.
Der Name des Tempels kann uns bereits einen Hinweis geben. Dieser Name bedeutet wörtlich „der Tempel von Honda Yoshimitsu 本田善光“. Er soll 642 eine Statue des Amida-Buddha aus dem Fluss gefischt haben. Es wird gesagt, dass dies eine der allerersten buddhistischen Statuen in Japan war. Diese äußerst kostbare Statue wurde 645 sicher weggeborgen und wurde ein Hibutsu 秘仏, ein geheimer Buddha. Sie wurde über 1000 Jahre lang von niemandem mehr gesehen, nicht einmal von den Priestern!

Es wurde jedoch eine Kopie der ursprünglichen Statue des Amida-Buddha angefertigt, aber auch die wirst du nicht einfach zu sehen bekommen! Die Kopie wird nur einmal alle sieben Jahre der Öffentlichkeit enthüllt. Das letzte Mal war 2022, also dauert es noch einige Jahre bis zum neuen Termin.
Was verbindet diesen Tempel noch mehr mit dem Reines Land-Buddhismus? Man glaubt, dass die Amida-Statue Menschen, unabhängig von ihrem Status, Geschlecht oder Glauben, zu Amidas Paradies führen kann. Außerdem kannst du im Tempel in einen dunklen Gang hinabsteigen und dort einen Schlüssel berühren. Das zu tun ist der buchstäbliche Schlüssel für eine garantierte Wiedergeburt in Amidas Paradies. Es ist also kein Wunder, dass der Tempel viele Reines Land-Buddhisten anzieht!
Lust auf einen Besuch bei Zenkō-ji? Dann wirf auch einen Blick auf die offizielle Website.
Möchtest du noch mehr buddhistische Tempel auf deiner Reise nach Japan besuchen? Dann schau dir unbedingt auch unsere anderen praktischen Top-5-Listen buddhistischer Tempel in Japan, Tendai-Tempel, Shingon-Tempel und Zen-Tempel an!
Dieser Artikel wurde von Isy van Dorpe geschrieben, und uberzetst von Juliane Kolbe.
FAQs zum Reines Land-Buddhismus:
Was ist das Ziel des Reines Land-Buddhismus?
- Das Hauptziel der Reines Land-Buddhisten ist es, nach dem Tod im Reinen Land des Amida-Buddha wiedergeboren zu werden. Dort können sie unter idealen Bedingungen die Erleuchtung erlangen, ohne die Hindernisse und Versuchungen der irdischen Welt.
Was bedeutet Nenbutsu im Reines Land-Buddhismus?
- Nenbutsu ist die Rezitation von „Namu Amida Butsu“ (Verehrung dem Amida-Buddha), die zentrale Praxis des Reines Land-Buddhismus. Gläubige wiederholen diese Formel mit aufrichtigem Glauben, um Amidas Gnade zu empfangen und die Wiedergeburt im Reinen Land zu erlangen.
Warum sind Jizō-Statuen wichtig in Reines Land-Tempeln?
- Jizō ist ein Bodhisattva, der besonders verstorbene und ungeborene Kinder beschützt. In Reines Land-Tempeln werden Jizō-Statuen oft aufgestellt, um Eltern Trost zu spenden und zu symbolisieren, dass auch die Seelen verstorbener Kinder sicher ins nächste Leben geleitet werden.

Marco Logmans ist ein leidenschaftlicher Japan-Experte, der vor 20 Jahren zum ersten Mal Japan besuchte und dort sieben Jahre lebte und arbeitete. Mit viel Liebe für Japan teilt Marco gerne seine Erfahrungen und Eindrücke in seinen Artikeln.