Japan ist in vielerlei Hinsicht ein religiöses Land, denn überall im Land findest du zahlreiche Tempel, Schreine und andere religiöse oder spirituelle Orte. Die beiden dominierenden Religionen in Japan sind der Shintoismus und der Buddhismus. Diese beiden Religionen sind seit 1400 Jahren die vorherrschenden Glaubensrichtungen des Landes und existieren harmonisch nebeneinander. Man könnte sogar sagen, dass sie sich ergänzen. Wie das genau funktioniert, welche anderen Religionen in Japan vertreten sind und welche Rolle Religion heute im japanischen Alltag spielt, erfährst du hier!
Die dominierenden Religionen in Japan

Wie bereits erwähnt sind der Shintoismus und der Buddhismus die größten Religionen Japans. Neben diesen beiden „Riesen“ gibt es noch zwei weitere relativ einflussreiche Glaubensrichtungen in Japan: den Konfuzianismus und das Christentum. Außerdem existieren zahlreiche weitere Religionen wie Islam, Sikhismus, Geisterglaube und Judentum.
Religionszugehörigkeit in Japan / Daten: Statista
Laut Studien bekennen sich etwa 70,4% der religiösen Japaner zum Shintoismus, 69,8% zum Buddhismus und 1,5% zum Christentum. Weitere 6,9% gaben an, einer anderen Religion wie Konfuzianismus, Sikhismus oder einer anderen Glaubensrichtung anzugehören. Auffällig ist, dass die Summen nicht 100% ergeben, weil viele Japaner sowohl dem Shintoismus als auch dem Buddhismus folgen. Mehr dazu gleich.
Bemerkenswert ist auch, dass laut worldpopulationreview.com etwa 60% der Japaner als Atheisten gelten. Dennoch haben viele dieser Menschen eine starke Bindung zu Ritualen mit spirituellem Hintergrund. Obwohl sie sich als Atheisten sehen, sind religiöse Bräuche und Werte tief in der Gesellschaft verankert; das ist ähnlich wie viele Deutsche Weihnachten feiern, auch wenn sie nicht gläubig sind.
Shintoismus 神道

Der Shintoismus, kurz Shinto genannt und grob als „Weg der Götter“ übersetzt, ist der indigene Glaube Japans. Shinto ist so alt wie das Land selbst und zusammen mit dem Buddhismus die dominierende Religion. Im Unterschied zu anderen Religionen gibt es im Shintoismus keine heiligen Schriften oder Propheten. Manche sagen sogar, Shinto sei keine eigentliche Religion, sondern vielmehr eine tiefverwurzelte Lebensweise und Teil der japanischen Kultur.
Im Shintoismus glaubt man nicht an einen einzigen Gott, sondern an kami, also heilige Geister, die in verschiedenen Dingen oder Konzepten existieren. Wind, Bäume, Flüsse oder Fruchtbarkeit, all das kann ein kami sein. Nach dem Tod eines Menschen wird dieser dem Glauben nach selbst zu einem kami. Deshalb gibt es viele Shinto-Haushalte mit einem kleinen Schreinaltar, um die Ahnen zu ehren.

Shinto ist ein optimistischer Glaube und geht davon aus, dass die Menschen von Natur aus gut sind und böse Geister für das Unglück verantwortlich sind. Viele Rituale zielen deshalb darauf ab, eben diese Geister zu vertreiben. Shinto-Heiligtümer sind die Orte, an denen diese Rituale stattfinden und die kami wohnen. Dort werden auch viele Feste gefeiert, diese nennt man Matsuri. Sie dienen dazu, die kami „auszuführen“.
Shinto-Schreine erkennt man an ihrer außergewöhnlichen Architektur. Außerdem ist der Shintoismus für den Erhalt zahlreicher traditioneller Kunstformen bekannt, wie zum Beispiel Noh-Theater, Sumo-Ringen, Kintsugi, Bonsai, Ikebana, Kalligrafie und Gagaku, höfische Musik aus dem 9. Jahrhundert.
Shinto-Sehenswürdigkeiten in Japan

Über das ganze Land verteilt finden Sie zahlreiche Shinto-Schreine. Wenn Sie in Kyoto sind, ist der Fushimi-Inari-Schrein ein absolutes Muss. Auch der Shimogamo-Jinja-Schrein und der Yasaka-Jinja-Schrein sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Wenn Sie in Tokio übernachten, sollten der Meiji-Jingu-Schrein und der Yasukuni-Schrein ganz oben auf Ihrer To-do-Liste stehen.
Buddhismus 日本の仏教

Der Buddhismus ist die andere große Religion in Japan. Ursprünglich stammt er aus Indien (6. Jahrhundert v. Chr.) und gelangte über China und Korea nach Japan. Zunächst wurde der Buddhismus vorrangig von Adeligen gefördert, im Volk verbreitete sich die Lehre aber erst später.
Im Buddhismus dreht sich alles um die Lehren Buddhas. Buddha sah den Schlüssel zur Überwindung des Leidens in einem neuen Verständnis der Realität und einem Bewusstsein für die Verbundenheit aller Dinge. In Japan herrscht vor allem der Mahayana-Buddhismus vor, mit den Schwerpunkten Moral, Meditation und Weisheit.

Nach seiner Ankunft im 6. Jahrhundert begannen sich verschiedene buddhistische Schulen zu entwickeln, jede mit eigenen Ritualen. Heute sind Reines-Land-Buddhismus, Nichiren, Shingon und Zen besonders populär. Heiligtümer bewahren dort die Honzon, also heilige Objekte, und veranstalten zeremonielle Rituale.
Buddhistische Tempel ähneln oft Shinto-Schreinen, was an den gemeinsamen kulturellen Eigenschaften liegt. Die typische Torii (Shinto) und die Rōmon (Buddhismus) sind beides Eingangsportale. Eine Merkhilfe für den Unterschied: Tempelnamen enden meist auf -dera oder -ji.
Empfohlene Tempel in Japan

In Japan muss man nicht lange suchen, um einen buddhistischen Tempel zu finden. Insgesamt gibt es nämlich etwa 77.000 (!). Besonders empfehlenswert sind unter anderem die Tempel Kinkaku-ji, Ginkaku-ji und Kiyomizu-dera in Kyoto, der Okunoi-Tempel in der Nähe von Koyasan und die verschiedenen Tempel in Kamakura. Wenn Sie Abenteuer lieben, ist auch die Pilgerreise zu den 88 Tempeln auf der Insel Shikoku eine Überlegung wert.
Konfuzianismus 儒教
Der Konfuzianismus ist ursprünglich eine der drei traditionellen chinesischen Religionen neben dem Taoismus und dem Buddhismus. Den Geschichtsbüchern zufolge wurde dieser Glaube im Jahr 285 in Japan eingeführt. Erst Hunderte von Jahren später, in der Edo-Zeit (1600-1868), setzte sich dieser Glaube wirklich durch und wurde zur Staatsideologie. Seitdem werden konfuzianische Werte wie kindliche Frömmigkeit, Loyalität, Hingabe und Weisheit aktiv verbreitet und gelehrt.
Obwohl der Konfuzianismus durchaus einen religiösen Aspekt hat, ist er in Japan vor allem eine sozialpolitische Philosophie. Im Gegensatz zum Shintoismus und Buddhismus kennt der Konfuzianismus beispielsweise keine Götter. Im Konfuzianismus dreht sich nämlich vor allem alles um die oben genannten Werte. Diese Werte prägen in hohem Maße die heutige japanische Gesellschaft. Sie spiegeln sich beispielsweise in der typisch japanischen Fleißigkeit, den starken Familienbanden und der geordneten Gesellschaft wider.
Konfuzianismus Sehenswürdigkeiten
In Japan gibt es nur wenige konfuzianische Sehenswürdigkeiten. In Tokio befindet sich im Stadtteil Kanda der Yushima Seido-Schrein, in Nagasaki der Nagasaki Confucius-Schrein. Wenn Sie zufällig in der Präfektur Tochigi, einer Region nördlich von Tokio, sind, lohnt sich ein Besuch der Ashikaga Gakko, einer konfuzianischen Schule und ältesten Schule Japans.
Christentum キリスト教
Mit der Ankunft der Europäer im Jahr 1542 kamen auch christliche Missionare nach Japan. Der Shogun Oda Nobunaga hieß sie willkommen und erlaubte Missionierung. Ein Teil Westjapans wurde christlich. Später wurde das Christentum verboten, sodass Christen verfolgt wurden. Die so entstandenen, heimlichen Christen nennt man Kakure Kirishitan.
Nach der Meiji-Restauration (1867/68) war das Christentum wieder offiziell erlaubt, blieb aber eine Minderheit. Dennoch haben sich einige christliche Bräuche wie Hochzeiten und Weihnachten im Land verbreitet.
Bekannte christliche Orte:
Trotz des relativ geringen Einflusses des Christentums gibt es in Japan verschiedene christliche Sehenswürdigkeiten. Dazu gehören Kirchen wie die Oura Catholic Church, die Shitsu Church und die Ono Church, aber auch ganze Inseln mit verschiedenen Kirchen und Museen. Unsere Empfehlungen: die Amakusa-Inseln, die Ruinen der Burg Hara, die Goto-Inselgruppe und das architektonische Meisterwerk „Stone Church”. Eine lustige Tatsache ist, dass die Domkirche von Utrecht im japanischen Holland Park nachgebaut wurde.
Weitere Glaubensrichtungen
Daneben gibt es viele andere Religionen, vor allem durch Migration. So leben 70.000 bis 100.000 Muslime in Japan, meist aus Indonesien, Pakistan, Bangladesch oder Iran. Auch kleinere Gruppen wie Juden, Hindus oder Sikhs bereichern das religiöse Leben.
Religion im Alltag der Japaner
Heutzutage spielt Religion im Alltag vieler Japaner eine kleinere Rolle als früher, dennoch sind religiöse Rituale bei Geburten, Hochzeiten und Beerdigungen weiterhin präsent. Das Neujahr wird oft mit einem Tempelbesuch begonnen. Viele matsuri (Feste) haben bis heute religiöse Wurzeln und japanische Namen tragen große Bedeutung.
Erwähnenswert ist die hohe Toleranz der Japaner gegenüber anderen Religionen, sichtbar daran, dass unterschiedliche Glaubensrichtungen seit Jahrhunderten friedlich nebeneinander existieren und das auch weiterhin tun. Das ist ein starker Kontrast zu vielen europäischen Ländern.
Weihnachten in Japan

Diese religiöse Freiheit führt dazu, dass es in Japan mehr Mitglieder von Religionsgemeinschaften als Einwohner gibt, da viele zwei Religionen parallel praktizieren. Deshalb ist es für Japaner selbstverständlich, Weihnachten zu feiern, zu Silvester einen buddhistischen Tempel zu besuchen und im neuen Jahr bei einem Shinto-Schrein für Glück zu beten und trotzdem als Atheisten zu gelten. Im Haushalt ist es entsprechend keine Seltenheit, sowohl buddhistische als auch Shinto-Heiligtümer zu finden.
Fakten über Religion in Japan
- Es gibt mehr Tempel und Schreine als Supermärkte der drei größten Ketten (Lawson, 7-Eleven & FamilyMart).
- Viele Japaner praktizieren mehrere Glaubensrichtungen.
- Es existieren über 180.000 religiöse Organisationen.
- Über 355.000 buddhistische Priester und Religionsführer sind im Land tätig.
- Westliche Hochzeiten werden immer beliebter.
- Japan ist weltweit das drittgrößte Land an buddhistischen Gläubigen.
- Rund 60% der Bevölkerung sind Atheisten.
Die Religionen Japans kurz erklärt
Was ist die dominierende Religion in Japan?
- Shintoismus und Buddhismus sind die größten Religionen Japans. Viele Menschen gehören beiden an und gelten dabei oft als Atheisten.
Gibt es Christen in Japan?
- Ja! Das Christentum wurde im 16. Jahrhundert durch Portugiesen eingeführt. Heute sind etwa 1,5% der Gläubigen Christen. Vielen Japanern sind aber Weihnachten und westliche Hochzeiten vertraut.
Kann man religiöse Stätten in Japan besuchen?
- Absolut! Überall im Land findest du Tempel, Schreine und andere religiöse Orte, die du besichtigen kannst.
Ist Religion heute noch wichtig in Japan?
- Religion spielt zwar eine kleinere Rolle als früher, ist aber bei Festen, Hochzeiten oder Beerdigungen immer noch von großer Bedeutung. Etwa 60% der Japaner betrachten sich als Atheisten.
Wie unterscheiden sich Shinto-Schreine und buddhistische Tempel architektonisch in Japan?
- Shinto-Schreine erkennst du schnell an ihren roten Torii-Toren und dem meist schlichten Designaus Holz ohne Statuen. Buddhistische Tempel wirken oft prunkvoller, zeigen viele Buddha-Statuen und haben charakteristische Dächer mit geschwungenen Linien. Die Namen der Tempel enden oft auf -ji oder -dera, Schreine heißen meist Jinja oder Taisha
Warum können die meisten Japaner trotz ihrer religiösen Praxis als Atheisten bezeichnet werden?
- In Japan ist Religion fest mit Traditionen und Ritualen verwoben. Viele Japaner nehmen zwar regelmäßig an Zeremonien teil, glauben aber meist nicht an einen persönlichen Gott – sie feiern Feste und besuchen Schreine aus kultureller oder familiärer Verbundenheit und nennen sich dennoch atheistisch.
Welche religiösen Rituale begleiten das japanische Neujahrsfest?
- Zum Neujahr pilgern viele Japaner zu einem Shinto-Schrein und erbitten Glück mit dem sogenannten „Hatsumode“. Häufig werden Glücksbringer gekauft, Wünsche auf Holztafeln geschrieben und das alte Jahr mit gemeinsamem Glockenschlag in buddhistischen Tempeln verabschiedet. Das Ritual verbindet spirituelle Reinigung und frischen Optimismus für das neue Jahr.

Marco Logmans ist ein leidenschaftlicher Japan-Experte, der vor 20 Jahren zum ersten Mal Japan besuchte und dort sieben Jahre lebte und arbeitete. Mit viel Liebe für Japan teilt Marco gerne seine Erfahrungen und Eindrücke in seinen Artikeln.