Kokeshi-Puppen: Tradition und was du wissen solltest

Kokeshi-Puppen: Aus dem richtigen Holz geschnitzt

In vielen Souvenirläden in Japan wirst du sie wiederfinden: Kokeshi-Puppen. Diese Holzpüppchen, oft in der Form einer Frau in traditioneller Kleidung, dienen heutzutage hauptsächlich als Wohndekoration. Genau wie Figürchen von Koi-Karpfen, Kranichen und Mt. Fuji werden jedes Jahr wieder viele Kokeshi an Touristen verkauft. Sie prangen auf Fensterbänken rund um die ganze Welt, aber woher kommen die in fröhlichen Farben bemalten Puppen eigentlich?

Große Gruppe handbemalter Kokeshi-Puppen in verschiedenen Größen mit traditionellen japanischen Motiven wie Kirschblüten, Streifen und geometrischen Mustern
Vintage Kokeshi-Puppen Vintage Kokeshi-Puppen / Erik und Petra Hesmerg

Kokeshi-Puppen sind in der Tohoku-Region entstanden, dem nördlichen Teil von Honshu, der Hauptinsel Japans. Du findest sie dort am Straßenrand oder auf den Pfählen einer Brücke wieder, Kokeshi sind überall und gehören zur japanischen Kultur. Einige Historiker sagen, dass Menschen diese Puppen in der Vergangenheit während eines Besuchs in einem Onsen herstellten.

Andere Historiker sagen, dass Künstler von Onsen selbst die Puppen zusammengebaut hätten. Durch das warme Wasser in der Nähe von Onsen ist das Holz der Bäume weich und leicht zu bearbeiten. Reisende nahmen die Puppen für ihre Kinder mit, es war ein günstiges Souvenir, das man nach der Rückkehr von einer langen Reise geben konnte. Kokeshi-Puppen werden also schon seit Jahrhunderten von Reisenden mit nach Hause genommen!

Form und Bedeutung

Sechs authentische Kokeshi-Puppen unterschiedlicher Höhe, angeordnet von groß zu klein, mit traditioneller Handbemalung in warmen Holztönen und klassischen japanischen Designs
Kokeshi-Puppen in allen Formen und Größen Kokeshi-Puppen in allen Formen und Größen

Die Holzpuppen bestehen aus zwei Teilen: einem Kopf und einem Rumpf. An der Form der beiden Teile kannst du ablesen, bei welchem Onsen die Kokeshi hergestellt wurde, weil viele Onsen in der Tohoku-Region über die Jahre hinweg einen eigenen Stil entwickelt haben. Eine der bekanntesten Arten von Kokeshi ist beim Naruko Onsen in Osaki entstanden. Der dünne, zylinderförmige Körper der Naruko Kokeshi weitet sich an der Unter- und Oberseite etwas aus.

Kokeshi wurden früher von Hand bemalt, jetzt wird dies manchmal auch mit Hilfe von Maschinen gemacht. Traditionell bringen Künstler mit roter, gelber und schwarzer Farbe Details auf der Kokeshi an. Heutzutage gibt es viele kreative Holzarbeiter, die auch mit nicht-traditionellen Farben und Formen ans Werk gehen. Dadurch sind Kokeshi mit zum Beispiel aus Holz geschnitztem Haar oder Gliedmaßen entstanden. Man malte früher das Haar der Puppen direkt auf die Köpfe und bildete Gliedmaßen nicht ab.

Japaner glauben, dass Kokeshi Glück bringen, eigentlich genau wie Maneki Neko und die Daruma. Das Holz der Bäume rund um Onsen ist durch die Nähe der Heißwasserquellen weich geworden. Japaner glauben, dass Wassergeister der Onsen, die in den Kokeshi zurückgeblieben sind, dafür sorgen werden, dass Häuser nicht abbrennen. Dafür muss die Kokeshi natürlich aus dem richtigen Holz geschnitzt sein. Nur Bäume von ganz nah beim Wasser werden verwendet. Unter den viel verwendeten Baumarten fallen die Prunus und die Kornelkirsche.

Kokeshi bei Veranstaltungen und Festivals

Sammlung traditioneller Kokeshi-Puppen mit charakteristischen runden Köpfen, schwarzem Haar und rot-grün-gelber Handbemalung in klassischem Tohoku-Stil
Traditionelle Kokeshi-Puppen Traditionelle Kokeshi-Puppen

Japaner glänzen darin, Traditionen aufrechtzuerhalten. Um Kokeshi immer wieder unter die Aufmerksamkeit zu bringen, gibt es in Tohoku das ganze Jahr über verschiedene Veranstaltungen und Festivals mit den Holzpuppen als Thema. Im Mai wird der jährliche nationale Kokeshi-Wettbewerb in Shiroishi abgehalten, hier zeigen Künstler ihre besten Werke. Besucher können Künstler aus der Entfernung beobachten, während sie die Kokeshi herstellen. Auch können Besucher sich daran machen, eine eigene Puppe zu basteln.

Im August und September organisieren verschiedene Städte im Norden der Miyagi-Präfektur Kokeshi-Festivals. Jedes Jahr sind hier wieder viele besondere Kokeshi-Puppen zu besichtigen. Lokale Einwohner laufen, als Kokeshi verkleidet, in Paraden durch die Straßen. Eines der bekanntesten Kokeshi-Veranstaltungen ist das Festival beim Naruko Onsen in Osaki. Solltest du nach diesem Festival noch nicht genug von Kokeshi haben, dann findest du in Osaki auch noch das Kokeshi-Museum. Eine große Holzpuppe begrüßt Besucher hier beim Eingang und bringt sie sofort in Stimmung für mehr Kokeshi.

Häufig gestellte Fragen zu Kokeshi-Puppen:

Wie kann man echte traditionelle Kokeshi von modernen Souvenirs unterscheiden?

  • Traditionelle Kokeshi haben nur zwei Teile (Kopf und Körper), sind aus weichem Holz gefertigt und mit traditionellen roten, gelben und schwarzen Farben bemalt. Sie stammen aus der Tohoku-Region und haben regionale Stilmerkmale. Moderne Souvenirs haben oft zusätzliche geschnitzte Details, nicht-traditionelle Farben oder sind maschinell hergestellt.

Warum sollen Kokeshi-Puppen Glück bringen und vor Bränden schützen?

  • Japaner glauben, dass Wassergeister der Onsen (heißen Quellen) in den Kokeshi-Puppen wohnen, da das Holz von Bäumen stammt, die in der Nähe der heißen Quellen gewachsen sind. Diese Geister sollen Häuser vor Feuer schützen. Wichtig ist, dass die Kokeshi aus dem „richtigen“ Holz geschnitzt ist – von Bäumen nahe den Wasserquellen.

Wo kann man authentische Kokeshi-Puppen am besten kaufen?

  • Die besten Orte sind die Tohoku-Region, besonders rund um traditionelle Onsen wie Naruko in Osaki. Dort gibt es spezialisierte Kokeshi-Läden, das Kokeshi-Museum und du kannst Künstlern bei der Arbeit zusehen. Auch während der Kokeshi-Festivals im Mai (Shiroishi), August und September findest du authentische, handgefertigte Exemplare direkt von den Herstellern.

Dieser Artikel wurde geschrieben von: Roxane Beekhuizen auf Tokyo.nl

Marco Logmans ist ein leidenschaftlicher Japan-Experte, der vor 20 Jahren zum ersten Mal Japan besuchte und dort sieben Jahre lebte und arbeitete. Mit viel Liebe für Japan teilt Marco gerne seine Erfahrungen und Eindrücke in seinen Artikeln.

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