Makura no sōshi: Das Kopfkissenbuch der Sei Shōnagon

Makura no sōshi: Das Kopfkissenbuch

Das literarische Werk Makura no sōshi 枕草子 (ca. 1000), geschrieben von der Hofdame Sei Shōnagon 清少納言, nimmt einen sehr wichtigen Platz in der klassischen Literatur Japans aus der Heian-Zeit (794-1185) ein. Durch einen literarischen Stil, der uns heute an einen Blog erinnert, gibt Sei Shōnagon ihre unverblümte Meinung über das Leben am Heian-Hof wieder. Obwohl Makura no sōshi bereits über 1000 Jahre alt ist, lohnt es sich definitiv noch heute zu lesen. Es ist ein Werk, das weiterhin fasziniert und inspiriert. Tauche also mit uns in die Welt von Makura no sōshi ein und entdecke das Leben, die Meinungen und Gedanken dieser Hofdame!

Lies schnell weiter:

Was ist das Kopfkissenbuch?

Der Titel des Buches

Illustration aus Makura no soshi ekotoba
Ein Teil der illustrierten Rolle von Makura no sōshi aus dem 13. Jahrhundert / gemeinfrei

Die genaue Herkunft und Bedeutung des Titels Makura no sōshi 枕草子 ist nicht vollständig bekannt. Die gängige Übersetzung davon ist Das Kopfkissenbuch. Makura 枕 bedeutet nämlich ‚Kopfkissen‘ und sōshi 草子 bedeutet ‚gebundenes Buch‘. Es ist nicht sicher, ob Sei Shōnagon selbst diesen Titel ihrem Werk gegeben hat.

Der Titel könnte ein Verweis auf einen bestimmten Scherz sein, den Sei Shōnagon in einer ihrer Passagen macht. Als sie von der Kaiserin einen Stapel Papiere bekommt, weiß sie nicht sofort, was sie damit anfangen soll, und scherzt, dass sie die Papiere genauso gut als Kopfkissen verwenden könnte.

Eine andere Theorie ist, dass das Buch diesen Titel durch den Stil erhielt, in dem es geschrieben ist. Dieser Stil schließt an die Gewohnheit der Heian-Höflinge an, sowohl Männer als auch Frauen, Tagebücher zu führen. Diese würden dann nah bei ihrem Schlafplatz aufbewahrt, um Dinge, die ihnen in den Gedanken kamen, sofort niederzuschreiben.

Achtung! Die englische Übersetzung des Titels, The Pillow Book, kann manchmal für Verwirrung sorgen. 1996 kam nämlich ein Film mit demselben Titel heraus, bei dem Peter Greenaway Regie führte. Außer einigen Verweisen auf das Buch im Film hat dessen Handlung jedoch wenig mit Sei Shōnagons Werk aus dem 11. Jahrhundert zu tun.

Merkmale von Makura no sōshi

Illustration von Sei Shonagon mit Dienstmädchen
Illustration von Sei Shōnagon mit ihren Dienstmädchen, von Hishikawa Moronobu aus dem Jahr 1683 / gemeinfrei

Makura no sōshi wurde um das Jahr 1000 von der Hofdame Sei Shōnagon 清少納言 (ca. 966-1017) geschrieben. Es ist Teil der sogenannten Nyōbō bungaku 女房文学, der ‚Hofdamenliteratur‘. Dieser Begriff bezieht sich auf Literatur, die hauptsächlich während der Heian-Zeit von Hofdamen am Heian-Hof, dem heutigen Kyōto, geschrieben wurde. Heian-Aristokratinnen lebten mit ihrem Gefolge in einer buchstäblich abgeschirmten Lebenswelt und kamen kaum nach draußen.

Womit beschäftigten sich diese aristokratischen Frauen und ihre Hofdamen denn so? Die Antwort auf diese Frage ist unter anderem Literatur! Hofdamen hatten oft ebenfalls eine aristokratische Herkunft und einige waren in Poesie und den chinesischen literarischen Klassikern geschult. Ihre eigene Literatur schrieben die Hofdamen in japanischer Hiragana-Schrift anstelle von Kanji, den chinesischen Zeichen, die Teil der offiziellen (Männer-)Sprache am Hof waren. Das wichtigste Publikum dieser Literatur waren andere Hofdamen. Ein anderes extrem bekanntes Werk, das daraus hervorging, ist die Genji monogatari der Hofdame Murasaki Shikibu.

Auf dem Gebiet des Genres lässt sich Makura no sōshi nicht so einfach kategorisieren. Es besteht nämlich aus drei Arten von Passagen:

  • Tagebuchpassagen
  • Essay-Stücke
  • Listen

Diese drei Kategorien sind auch nicht streng voneinander zu trennen. So enthalten Sei Shōnagons Listen manchmal Anekdoten, die einer Tagebuchpassage ähneln. Und manchmal werden auch Aufzählungen in Stücken gegeben, die eher wie ein Essay aussehen. Durch diesen Stilmix und die verschiedenen Themen wird Makura no sōshi auch der Vorläufer der japanischen Zuihitsu-Literatur genannt.

Was ist Zuihitsu 随筆 Literatur? Der Begriff zuihitsu bedeutet wörtlich ‚dem Stift folgen‘. Zuihitsu-Werke folgen also dem lockeren und veränderlichen Gedankengang des Autors. Sie bestehen aus Essays und fragmentarischen Anekdoten, wobei es scheint, als wäre es spontan und ungeplant geschrieben.

Illustration aus Makura no soshi ekotoba
Ein Teil der illustrierten Rolle von Makura no sōshi aus dem 13. Jahrhundert / Public Domain

Wie bereits gesagt wurde, lässt der Titel auch vermuten, dass alle Passagen spontan geschrieben wurden, ohne dass Sei Shōnagon zu viel darüber nachdachte. Sei Shōnagon selbst sagt auch, dass das Werk nichts mehr war als ihr eigenes persönliches Tagebuch oder Notizbuch und dass es nicht zur Veröffentlichung gedacht war. Es soll zufällig entdeckt worden sein. Einige denken jedoch, dass Sei Shōnagon ihre Schriften bewusst am Hof zirkulieren ließ. Sie war schließlich für ihr literarisches Talent und ihre ausgesprochene Meinung bekannt. Dies impliziert, dass alles, aber vor allem die historischen Passagen, mit einer Absicht geschrieben sind: die Betonung der Pracht und Eleganz im Gefolge ihrer Kaiserin und die Darstellung ihrer eigenen kulturellen Verfeinerung.

In ihren Tagebuchpassagen, Listen und kurzen Meinungsstücken lässt Sei Shōnagon ihre eigene Meinung über die Welt hören. Die Welt, die sie beschreibt, ist oft die exklusive und abgeschiedene Lebenswelt des Gefolges der Kaiserin. Die Tagebuchpassagen handeln daher hauptsächlich von ihrem Hofhalt.

In den Listen und Essays liegt ein starker Fokus unter anderem auf Personen am Hof, ihrer Kleidung und ihrer Verfeinerung. Auch die Wertschätzung der Natur kommt sehr oft vor. Manchmal spricht sie auch über ‚den gewöhnlichen Menschen‘, der auf den Feldern arbeitet. Das sind oft Szenen, die sie auf Pilgerfahrten zu buddhistischen Tempeln gesehen hat. Das war nämlich einer der wenigen Momente, in denen eine Heian-Hofdame etwas von der Außenwelt sehen konnte.

Sei Shōnagon gibt uns viele Listen und Anekdoten über Dinge, die sie schön oder rührend findet. Aber sie spricht nicht nur über schöne Dinge! Sie teilt ihren Lesern auch ausführlich mit, was sie alles elend findet, was sie frustriert, was sie völlig unpassend findet… Durch ihre Listen und Essays können wir also einen Einblick in ihre Meinung und Einsichten über die Welt bekommen. Und durch die Gedanken dieser meinungsstarken Hofdame können auch wir versuchen, uns in die Welt des Heian-Hofes hineinzuversetzen. Du kannst Makura no sōshi vielleicht sogar mit der Heian-Version eines Blogs vergleichen!

Wusstest du schon: Was Das Kopfkissenbuch so schön zu lesen macht, ist seine Zugänglichkeit! Da es nicht wirklich eine Erzählung gibt und die Tagebuchpassagen auch nicht chronologisch geordnet sind, hindert dich nichts daran, das Buch einfach aufzuschlagen und eine beliebige Passage zu lesen. In der Übersetzung von Jos Vos aus 2018 kannst du leicht den Beginn neuer Passagen an der Nummer erkennen, die davor steht.

Wir haben gleich ein paar Beispiele von Passagen aus Makura no sōshi für dich bereit, aber zuerst müssen wir Sei Shōnagon selbst etwas besser kennenlernen!

Die Autorin: Sei Shōnagon

Das Leben von Sei Shōnagon

Ein Porträt von Sei Shonagon
Ukiyo-e Holzschnitt von Sei Shōnagon mit einem Pilgerhut, von Kobayashi Kiyochika aus dem Jahr 1896 / gemeinfrei

Sei Shōnagon wurde um 966 geboren. Sie war nicht von allzu hoher Herkunft, da ihr Vater lediglich ein Provinzgouverneur war. Der Name, unter dem wir sie kennen, Sei Shōnagon, ist eigentlich nur ein Rufname. Es war nämlich Brauch für Heian-Hofdamen, nicht ihren eigenen Namen zu verwenden. Sei 清 ist eine andere Lesung des ersten Zeichens ihres echten Nachnamens, Kiyohara 清原. Shōnagon 少納言 ist wiederum ein Begriff aus dem Hofhalt: er bezieht sich auf einen Ratgeber niedrigeren Ranges. Sie erhielt diesen Namen, weil ein männliches Familienmitglied diesen Rang bekleidete.

Die meisten Pseudonyme weiblicher Autoren aus der Heian-Zeit wurden auf diese Weise zusammengestellt. Denke nur an Murasaki Shikibu, die Autorin der Genji monogatari.

Obwohl sie nicht von allzu hoher Herkunft war, war sie in Literatur und Poesie unterrichtet worden. Ihr Intellekt und literarisches Talent sorgten dafür, dass sie Hofdame werden konnte! Sei Shōnagon wurde am Heian-Hof in Dienst genommen, als sie etwa 27 Jahre alt war. Sie diente dort Kaiserin Teishi. Das ist auch ‚Ihre Majestät‘, auf die immer in Makura no sōshi verwiesen wird.

Nach Teishis Tod um 1000 kam auch für Sei Shōnagon ein Ende ihres Hoflebens. Über ihr weiteres Leben und ihren Tod ist kaum etwas bekannt. Einige sagen, dass sie 1017 starb, andere 1025. Eine bestimmte Legende besagt sogar, dass die letzten Jahre ihres Lebens voller Elend und Einsamkeit waren.

Wir wissen das meiste über Sei Shōnagons Leben während der Zeit am Hof, da sie uns selbst darüber in Makura no sōshi erzählt. Schauen wir also einmal genauer auf ihr Hofleben, das in der Realität wahrscheinlich weniger glorreich war, als sie in ihrem Buch darstellt.

Brauchst du einen Soundtrack, bevor du in die Welt des Heian-Hofes eintauchst? Unten findest du ein Video traditioneller Hofmusik unter anderem aus der Heian-Zeit. Es klingt allerdings etwas anders als die Musik, die wir gewohnt sind, also wird es vielleicht nicht jedem gefallen. Aber gib ihr auf jeden Fall eine Chance!

Japanische gagaku-Musik, mit Bildern inspiriert von der Heian-Zeit

Sei Shōnagon am Heian-Hof

Porträt von Sei Shonagon
Ukiyo-e Holzschnitt von Sei Shōnagon, von Totoya Hokkei / gemeinfrei

Am Heian-Hof war Sei Shōnagon eine Hofdame der Kaiserin Teishi 定子 (ca. 977-1000). Um zu verstehen, was dies über das Hofleben von Sei Shōnagon aussagt, müssen wir auch die politische Situation betrachten.

Teishi, auch Sadako genannt, war nämlich Mitglied des allmächtigen Fujiwara 藤原 Clans. Diese Fujiwara konnten solche Macht erreichen, indem sie ihre Töchter mit Kaisern und Kronprinzen verheirateten. Der Vater einer Kaiserin hatte hinter den Kulissen oft die Fäden der kaiserlichen Verwaltung in der Hand. Teishis Vater war so ein mächtiger Fujiwara-Mann: Fujiwara no Michitaka 藤原道隆 (953-995). Er sorgte dafür, dass seine Tochter den damaligen Kaiser Ichijō 一条 heiratete.

In der Heian-Zeit konnten Männer, und ganz besonders der Kaiser, mit mehreren Frauen verheiratet sein. Teishis Position als offizielle Kaiserin (Jap. chūgū 中宮) war also nicht für die Ewigkeit gesichert. Und das merkte Teishi nur zu gut, als die Macht ihres Familienzweigs plötzlich zusammenbrach.

995 verstarb Teishis Vater Michitaka. Sein jüngerer Bruder, Fujiwara no Michinaga 藤原道長 (966-1028), sah seine Chance gekommen, die Macht seines Bruders zu übernehmen. Er ließ seine Tochter Shōshi 彰子 ebenfalls mit Kaiser Ichijō heiraten, woraufhin sie durch die Unterstützung ihres Vaters die offizielle Kaiserin wurde. Teishis Stellung am Hof ging also immer weiter zurück: nach dem Tod ihres Vaters verlor sie auch noch viel Ansehen durch die Skandale um ihre Brüder. Um 1000 starb Teishi schließlich im Kindbett.

Porträt von Sei Shonagon mit Gedicht
Ein Holzschnitt mit Gedicht von Sei Shōnagon aus 1801, von Chōbunsai Eishi / gemeinfrei

Der Moment, als Sei Shōnagon an den Heian-Hof zog, war drei Jahre vor dem Niedergang von Teishis Familienzweig. Sie erlebte also die Zeit mit, in der ihre Kaiserin viel Ansehen genießen konnte, aber sie war auch dabei, als sie diese Position verlor.

Trotzdem ist von diesem Rückgang des Ansehens nichts in Makura no sōshi zu merken. In Sei Shōnagons Buch liest du hauptsächlich Anekdoten über die guten Momente in Teishis Hofhalt. Wenn wir Sei Shōnagon glauben dürfen, waren sie und ihre Kaiserin auch eng befreundet.

Die Tagebuchpassagen passen also nicht vollständig zu der zweifellos betrüblichen Realität, die Teishi und ihre Hofdamen erlebt haben. Laut einigen war die Beschönigung ihrer Zeit am Hof eine bewusste Entscheidung von Sei Shōnagon. Vielleicht versuchte sie hiermit ihre Loyalität gegenüber ihrer Kaiserin zu bekunden und mehr Unterstützung für sie zu gewinnen?

Was auch immer Sei Shōnagons Motive waren, es half nicht. Nach Teishis Tod 1000 verließ auch Sei Shōnagon selbst den Hof. Mit dem Tod ihrer Kaiserin kam ein abruptes Ende ihres Lebens höfischer Eleganz. So verschwand diese große Stimme am japanischen Hof still von der Bühne.

Sei Shōnagons Persönlichkeit

Illustration von Sei Shonagon
Ukiyo-e Illustration von Sei Shōnagon, von Utagawa Kunisada / gemeinfrei

Sei Shōnagons eigene Meinungen kommen stark in Makura no sōshi zum Vorschein. Wenn sie über Dinge spricht, die sie elend oder unerträglich findet, macht sie bestimmt keine halben Sachen. Es ist für uns natürlich schön, solche ausgesprochenen Meinungen über alltägliche Dinge am Heian-Hof lesen zu können. Es fühlt sich dann auch sehr spontan und persönlich an.

Zeitgenossen von Sei Shōnagon hatten auch einiges über ihre Persönlichkeit zu sagen. Nimm Murasaki Shikibu, die Autorin der Genji monogatari. In ihrem Tagebuch zeichnet sie ein nicht sehr schmeichelhaftes Bild von Sei Shōnagon! Murasaki Shikibu nennt Sei Shōnagon eine hochmütige Angeberin, die nur zu gerne mit ihrem Wissen über schwierige chinesische Zeichen und japanische Poesie prahlt. Es ist erwähnenswert, dass Murasaki Shikibu eine Hofdame von Teishis Rivalin, Kaiserin Shōshi, war. Dies machte Murasaki Shikibu und Sei Shōnagon zu politischen und literarischen Rivalinnen.

Dies beweist jedoch auch, dass Sei Shōnagon während ihres Lebens als Hofdame bereits bekannt (oder vielleicht sogar berüchtigt) war. Ihre literarische Stimme, die sie damals schon laut erklingen ließ, erreicht uns aus diesem Grund auch bis zum heutigen Tag. Und es bleibt nach all der Zeit immer noch lesenswert.

Inhalt

Das Cover von Das Kopfkissenbuch

Die beste Art, dir Das Kopfkissenbuch vorzustellen, ist natürlich, eine Kostprobe zu geben! Lies unten einige Tagebuchpassagen, Essays und Listen von Sei Shōnagon!

Tagebuchpassagen

Illustration zu Makura no sōshi
Ukiyo-e Holzschnitt-Illustration zur Passage über ‚elegante Dinge‘ aus Makura no sōshi, von Teisai Hokuba / gemeinfrei
Illustration zu Makura no soshi
Ukiyo-e Holzschnitt-Illustration zu einer Passage aus Makura no sōshi, von Totoya Hokkei / gemeinfrei

Hast du Lust bekommen, noch mehr Passagen zu lesen? Dann leih dir das Buch auf jeden Fall aus oder kauf es!

Dieser Artikel wurde von Isy Van Dorpe verfasst.

Quellenverzeichnis

  • Britannica, T. Editors of Encyclopaedia. 2017. „Sei Shōnagon.“ Encyclopedia Britannica. Zuletzt aktualisiert 24. Januar 2017. https://www.britannica.com/biography/Sei-Shonagon.
  • Britannica, T. Editors of Encyclopaedia. 2019. „Pillow book.“ Encyclopedia Britannica. Zuletzt aktualisiert 11. September 2019. https://www.britannica.com/topic/Pillow-Book.
  • Fukumori Naomi. 1997. „Sei Shōnagon’s Makura no sōshi: A Re-Visionary History“, The Journal of the Association of Teachers of Japanese S. 1-44, Nr. 3 (1). https://www.jstor.org/stable/489680.
  • Katō Shūichi 加藤周一. 1997. „Chapter Three: The Age of the Tale of Genji and Tales of Now and Then.“ In A History of Japanese Literature: From the Man’yōshū to Modern Times, 57-90. Übersetzt von Don Sanderson. Richmond: Japan Library.
  • Sei Shōnagon. 2018. Das Kopfkissenbuch. Übersetzt von Jos Vos. Amsterdam: Athenaeum – Polak & Van Gennep.

Drei interessante FAQs zum Thema:

Warum schrieben Heian-Hofdamen in Hiragana statt in Kanji?

  • Kanji galten in der Heian-Zeit als offizielle Männerschrift und wurden für formelle Dokumente verwendet. Hofdamen schrieben in Hiragana, da dies als weiblichere, persönlichere Schriftart galt. Paradoxerweise führte diese Beschränkung zur Entstehung einiger der größten Meisterwerke der japanischen Literatur, da die Frauen einen natürlicheren, emotionaleren Schreibstil entwickelten.

Wie unterscheidet sich Makura no sōshi von einem modernen Tagebuch?

  • Während moderne Tagebücher meist chronologisch und privat sind, ist Makura no sōshi eine Mischung aus persönlichen Beobachtungen, literarischen Essays und kategorisierten Listen. Sei Shōnagon schrieb nicht nur über persönliche Erlebnisse, sondern auch über ästhetische Urteile, Hofetikette und kulturelle Beobachtungen, wodurch ihr Werk eher einem Blog oder einer Essaysammlung ähnelt.

Warum gilt das Kopfkissenbuch als Vorläufer der Zuihitsu-Literatur?

  • Zuihitsu bedeutet „dem Pinsel folgen“ und beschreibt einen spontanen, assoziativen Schreibstil. Makura no sōshi gilt als Prototyp dieses Genres, weil Sei Shōnagon scheinbar ungefiltert ihre Gedanken und Beobachtungen niederschrieb, ohne sich an strikte narrative Strukturen zu halten. Diese freie Form beeinflusste Jahrhunderte japanischer Literatur.

Marco Logmans ist ein leidenschaftlicher Japan-Experte, der vor 20 Jahren zum ersten Mal Japan besuchte und dort sieben Jahre lebte und arbeitete. Mit viel Liebe für Japan teilt Marco gerne seine Erfahrungen und Eindrücke in seinen Artikeln.

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