Schon mehr als 1000 Jahre alt und immer noch weltweit bekannt und gelesen – es gibt nicht viele literarische Werke, die es mit der Genji monogatari 源氏物語 aufnehmen können! Dieser Schatz der klassischen japanischen Literatur ist das Kennenlernen wert für jeden Japan-Liebhaber. Das Werk bietet dir die Chance, dich in das Japan der Heian-Zeit (794-1185) zu versetzen, und zwar an den kaiserlichen Hof. Keine Zeit, die umfangreiche Geschichte vollständig zu lesen? Kein Problem, dieser Artikel hilft dir aus der Klemme! Mach dich bereit für eine Reise durch eine Welt voller Macht, Intrigen und Romantik.
Lies schnell weiter:
- Was ist die Genji monogatari?
- Der Inhalt in Kürze
- Einige bemerkenswerte Merkmale
- Die Entstehung
- Die Autorin: Murasaki Shikibu
- Der Kontext: der Heian-Hof
- Die Geschichte
- Teil 1: Genjis romantische Abenteuer
- Teil 2: Genjis Hochmut vor dem Fall
- Teil 3: Genjis Vermächtnis, Kaoru
- Mehr über die Genji monogatari erfahren?
- Quellenverzeichnis
Was ist die Genji monogatari?

Genji monogatari 源氏物語 kann als „Die Geschichte des Genji“ übersetzt werden. Diese Geschichte wurde zu Beginn des 11. Jahrhunderts, um 1010, von einer Frau namens Murasaki Shikibu 紫式部 geschrieben. Sie war eine Hofdame am kaiserlichen Hof in der damaligen Hauptstadt Kyōto.
Die Genji monogatari besteht eigentlich aus 54 „Büchern“ oder Kapiteln. Diese Bücher wurden eines nach dem anderen am Heian-Hof veröffentlicht und waren bereits während der Heian-Zeit äußerst beliebt, besonders bei aristokratischen (adeligen) Frauen. Ein Werk dieser Art und dieses Umfangs war übrigens für die Leser jener Zeit unerhört.
Was ist ein monogatari? Es ist ein Begriff, der verwendet wird, um ein Genre der japanischen fiktionalen Erzählprosa zu bezeichnen. Monogatari wurden in der Heian-Zeit (794-1185) hauptsächlich von Hofdamen (nyōbō 女房) entwickelt, die den japanischen Text in Hiragana-Schrift schrieben. Der Begriff kann als „Geschichte“ oder „Erzählung“ übersetzt werden.
Die Genji monogatari ist also, wie der Name verrät, ein monogatari über Genji. Dieser Genji 源氏 ist die Hauptfigur der Geschichte. In der Geschichte ist er der Sohn des fiktiven Kiritsubo-Kaisers 桐壺院. Genji wird jedoch durch Machtverhältnisse am Hof aus der Thronfolge entfernt, wodurch er technisch gesehen kein Prinz mehr ist.
Er wird ein Genji 源氏, das heißt ein Träger des Minamoto-Familiennamens (geschrieben als 源 und auch als gen ausgesprochen) (ji 氏). Sein vollständiger japanischer Name ist eigentlich Hikaru Genji 光源氏. Da Hikaru 光 „Licht“ bedeutet, wird er auch „der strahlende Prinz“ genannt.

Die Genji monogatari wird auch als der erste Roman der Welt bezeichnet. Das liegt am Zusammenhang der Handlung, die durch das gesamte Werk läuft, mit Genjis Leben als rotem Faden, und der psychologischen und emotionalen Tiefe, die in der Geschichte erreicht wird. Die Genji monogatari war zu diesem Zeitpunkt das erste Werk, das so etwas tat, und das sicherlich in solchem Ausmaß.
Dennoch muss man aufpassen, dieses monogatari einfach einen Roman zu nennen. Wenn du es liest, wird es sich doch erheblich von einem modernen Roman unterscheiden, den du im Laden aufgreifst. Es bleibt ein Werk von mehr als 1000 Jahren, das in der Übersetzung auch mehr als 1000 Seiten umfasst.
Der Fokus der Geschichte liegt zwar größtenteils auf Genjis Lebensgeschichte und später seinem Vermächtnis durch seinen Sohn, aber es werden auch viele andere Charaktere und Handlungsstränge mit diesem roten Faden verwoben.
Das Ganze schafft ein kompliziertes Netz aus Geschichten von Liebe und Ehrgeiz am Heian-Hof, was für moderne Leser vielleicht sehr weit von unserem Alltag entfernt scheinen kann. Dennoch ist es ein guter Weg, sich in die aristokratische Kultur des Heian-Japan zu vertiefen. Murasaki Shikibu gelang es nämlich, die Welt am Hof äußerst realistisch darzustellen.
Der Inhalt in Kürze
Diese 54-teilige Geschichte kann inhaltlich in drei Teile aufgeteilt werden. Teil 1 läuft von Kapitel 1 bis 33, Teil 2 von 34 bis 41, und Teil 3 von 42 bis 54. Diese Teile werden später in diesem Artikel detaillierter besprochen, aber es kann schon ein kurzes Bild vom allgemeinen Verlauf der Geschichte gegeben werden.
- Teil 1 beginnt mit dem Start von Genjis Leben und erzählt die Geschichte des jungen Genji, der zwar der Lieblingssohn des Kaisers ist, aber nicht in die Thronfolge aufgenommen wurde. In diesem Teil steht das romantische (und politische) Verlangen des jungen Genji im Mittelpunkt. Genji wird in jeder Hinsicht ein idealisierter, äußerst talentierter und verfeinerter Mann. In diesem Teil kommen auch viele weibliche Geliebte Genjis vor.
- Teil 2, in dem Genji den Höhepunkt seiner politischen Macht erreicht und sein perfekt ersehntes Leben zum Greifen nah hat, geht tiefer auf das Leid der Charaktere ein. Die Charaktere werden mit Beziehungsproblemen und Verrat konfrontiert, aber vor allem mit den Folgen ihrer eigenen Entscheidungen. Das Ende von Teil 2 ist auch Genjis Lebensende. Was kann dann noch in Teil 3 passieren, fragst du dich?
- Teil 3 folgt dem Sohn von Hikaru Genji, Kaoru Genji 薫源氏. Dieser Teil taucht in eine tiefgehendere Kontemplation von Leid und Vergänglichkeit ein, vermischt mit einer neuen Handlung um romantische Konflikte.

Einige bemerkenswerte Merkmale
Da die Genji monogatari schon jahrhundertelang gelesen, übersetzt und adaptiert wird, muss es doch etwas an dieser Geschichte geben, das viele Menschen anspricht. Aber was ist das genau? Hier folgen zwei Merkmale, die die Genji monogatari charakterisieren und zur weitverbreiteten Wertschätzung des Werks beitrugen!
#1 Realismus
Auch wenn wir hier über ein Fiktionswerk sprechen, kann die Genji monogatari auf mehreren Ebenen realistisch genannt werden. Erstens ist die Hauptfigur Genji kein vergöttlichter Held. Er mag zwar idealisierte Eigenschaften haben, aber er bleibt ein Mensch aus Fleisch und Blut. Und selbst er ist nicht immun gegen falsche Entscheidungen, die ihm sauer aufstoßen.
Die Aspekte, in denen Genji dennoch über den Rest des Hofes hinausragt, sind seine kulturelle Verfeinerung, sein Aussehen, seine Talente und sein Charme. Er ist ein außergewöhnlicher Mann, das ist sicher, aber dennoch kein übernatürliches Wesen. Je weiter die Genji monogatari fortschreitet, desto tiefer geht die Geschichte auf die psychologischen Aspekte der Charaktere ein. Das verleiht den Charakteren ein realistisches Gefühl.
Eine andere Ebene, auf der die Genji monogatari Realismus umfasst, ist die Beschreibung des Hoflebens. Die Geschichte spielt an Orten, die wirklich existiert haben, nämlich am kaiserlichen Hof der Heian-Zeit. Die Art, wie die Orte, die Natur, die Kleidung, die Rituale und die Charaktere beschrieben werden, kann dem Leser auch einen Einblick in das Leben und die Weltanschauung der Aristokraten am Heian-Hof geben.
Für heutige Leser, selbst für Japaner, kann das alles etwas befremdlich wirken. Manchmal fragt sich ein Leser vielleicht, wozu manche Details da sind. Aber in der Heian-Zeit selbst wusste der aristokratische Leser aus seinem kulturellen Wissen heraus sofort, was Murasaki Shikibu implizit meinte.
Auch die romantischen Verhältnisse und Begegnungen, die oft nach der Art der Heian-Liebesetikette stattfanden, können uns seltsam erscheinen. Glücklicherweise haben die Übersetzungen der Genji monogatari heute Fußnoten, die dem modernen Leser in der Heian-Welt helfen können.

#2 Die Vergänglichkeit des Daseins
Das Weltbild während der Heian-Zeit war stark vom Buddhismus beeinflusst. In der Geschichte kommen buddhistische Priester vor, die Rituale bei Krankheit oder manchmal sogar Besessenheit ausüben. Außerdem konnten Aristokraten, sowohl Männer als auch Frauen, auch buddhistische Gelübde ablegen und wählen, ihr Leben als Mönch oder Nonne fortzusetzen. Das war auch im echten Japan so.
Der Buddhismus hat jedoch auch auf thematische Weise Einfluss auf die Geschichte gehabt. Das kannst du an der Art sehen, wie Murasaki Shikibu den Fortgang der Zeit und die vergängliche Natur des Daseins beschreibt.
Viele Charaktere, die in diesem Werk vorkommen, werden von ihrer Jugend bis zum Ende ihres Lebens beschrieben. Das ist unter anderem bei Genji selbst und auch bei seiner größten Geliebten Murasaki der Fall. Das ist doch etwas anderes als die Roman-Enden, die wir gewohnt sind, wo die Geschichte oft stoppt, nachdem sie einen Höhepunkt erreicht hat. Vielleicht wird nicht jeder Fan der Erzählstruktur der Genji monogatari sein, aber sie kann eine wertvolle Lektion mitgeben: das Bewusstsein für das Vergehen der Zeit und die Veränderungen, die sie mit sich bringt. Nichts ist permanent, nicht einmal der außergewöhnliche Strahlende Prinz. Auch er ist dem Schicksal unterworfen, dem alle Menschen letztendlich begegnen werden.
Charaktere in der Genji monogatari bleiben auch nicht statisch, sondern verändern sich im Verlauf der Geschichte, und ihre Vergangenheit hat oft einen ausgesprochenen Einfluss auf ihre Gegenwart.
Dieses Merkmal der Genji monogatari wurde im 17. Jahrhundert von dem Gelehrten Motoori Norinaga jedoch nicht als buddhistisches Merkmal gesehen, sondern als Ausdruck einer typisch japanischen Sensibilität für die Dinge. Er gab ihm diesen japanischen Begriff: Mono no aware 物の哀れ. Er drückt einen leicht wehmütigen Gefühlszustand aus, in dem über die Vergänglichkeit der Dinge nachgedacht und Sympathie dafür empfunden wird. Die Genji monogatari wird auf diese Weise als Höhepunkt des Ausdrucks dieses mono no aware gesehen.

Die Entstehung
Die Genji monogatari ist ein fiktives Werk, aber die Welt, in der die Geschichte spielt, basiert auf dem echten kaiserlichen Hof zu dieser Zeit. Für die Menschen am Heian-Hof, die Murasaki Shikibus Geschichte lasen, waren alle Details und Implikationen wahrscheinlich klar. Aber da wir, die modernen Leser, durch mehr als 1000 Jahre von der Genji monogatari getrennt sind, ist es doch am besten, etwas Hintergrundwissen über die Zeit zu erwerben, in der die Geschichte spielt!
Die Autorin: Murasaki Shikibu

Die Genji monogatari wurde wie gesagt von einer Frau namens Murasaki Shikibu 紫式部 (ca. 973- ca. 1014) geschrieben. Der Name, unter dem wir sie jetzt kennen, Murasaki Shikibu, ist eigentlich nur ein Spitzname. Frauen aus der Heian-Zeit sind gewöhnlich nicht unter ihrem eigenen Namen bekannt, sondern unter einem Spitznamen, der mit der Hof-Funktion endet, die ihr männlicher Verwandter ausübte.
Im Falle von Murasaki Shikibu bezieht sich shikibu 式部 auf einen Posten im zeremoniellen Büro des Hofes, der von ihrem Vater ausgeübt wurde. Murasaki 紫, was violett bedeutet, soll eine Anspielung auf die Figur Murasaki aus der Genji monogatari sein.
Wusstest du das? In unseren Bibliotheken wird Shikibu einfach als ihr Nachname genommen. Suchst du nach einer Übersetzung der Genji monogatari? Dann musst du sie unter dem Buchstaben S suchen!
Murasaki Shikibu war ein Mitglied eines Zweiges der mächtigen Fujiwara 藤原 Familie. Ihr Vater war Gouverneur mehrerer Provinzen gewesen, wohin sie mit ihm gereist war. Ihr Vater war auch ein Gelehrter auf dem Gebiet der klassischen chinesischen Literatur, der „männlichen“ Literatur jener Zeit. Murasaki Shikibu war also auch selbst in Literatur unterrichtet.
Später heiratete sie und bekam auch eine Tochter. Um 1006, nach dem Tod ihres Ehemanns, wurde sie eine Hofdame (Jp. nyōbō 女房) für Kaiserin Shōshi. Nicht jeder konnte einfach eine Hofdame einer Kaiserin werden, aber dank des hohen Ranges ihrer Familie und ihres literarischen Talents konnte Murasaki Shikibu das.
Neben ihrem größten Werk, der Genji monogatari, werden Murasaki Shikibu noch zwei weitere Werke zugeschrieben. Sie hinterließ ein Tagebuch, das wir heute als Murasaki shikibu nikki 紫式部日記 (Das Tagebuch der Murasaki Shikibu) kennen, und nach ihrem Tod wurden ihre Gedichte auch unter dem Titel Murasaki shikibu shū 紫式部集 (Die Sammlung der Murasaki Shikibu) gebündelt.
Der Kontext: der Heian-Hof

Die Genji monogatari spielt an Orten, die auch in Wirklichkeit existiert haben, einschließlich des kaiserlichen Hofes. Dieser kaiserliche Hof lag in der Heian-Zeit im heutigen Kyōto, damals Heian-kyō 平安京 genannt.
Wenn gesagt wird, dass die Genji monogatari ein realistisches Bild der Umgebung zeichnet, in der die Geschichte spielt, ist damit die hohe aristokratische Gesellschaft gemeint. Diese Aristokraten, eine relativ kleine Gruppe der japanischen Bevölkerung, beschäftigten sich nur mit ihrer eigenen aristokratischen Blase. Sie waren hauptsächlich um ihren Platz auf der sozialen Leiter des kaiserlichen Hofes besorgt und die Fortsetzung der Familie war äußerst wichtig.
Außerdem hatten Heian-Aristokraten auch die freie Zeit, sich fast obsessiv mit der Schönheit zu beschäftigen, die das Leben zu bieten hatte: die Natur, verfeinerte Kleidung, Musik, Theater, Poesie (haiku) und Kalligrafie. In der Genji monogatari sind diese Dinge auch von großer Bedeutung.
Wusstest du das? In der Genji monogatari kommunizieren die Charaktere oft miteinander über Gedichte, was in Wirklichkeit auch geschah. So hat die Genji monogatari also auch eine poetische Seite.

Am Heian-Hof war niemand jemals wirklich allein. Die aristokratischen Männer und Frauen hatten stets ein Gefolge von anderen Höflingen, Hofdamen und Dienern um sich herum.
Am Heian-Hof gab es übrigens auch eine Trennung zwischen der Lebenswelt der Männer und der der Frauen. Und diese Trennung war auch physisch. Heian-Frauen lebten in einem abgeschlossenen Raum, versteckt hinter Schirmen und Vorhängen. Sie durften während ihres Lebens nur von zwei Männern gesehen werden: ihrem Vater und ihrem Ehemann. Den Rest ihrer Zeit verbrachten aristokratische Heian-Frauen also drinnen mit ihren Hofdamen, wobei das Lesen von Poesie und Literatur wie monogatari ein beliebter Zeitvertreib wurde.
Männer hingegen führten öffentliche Ämter am Hof aus und konnten so in den Rängen der kaiserlichen Hofhaltung aufsteigen. Das ultimative Ziel war oft, eine Tochter an einen Kronprinzen oder Kaiser verheiraten zu können, um so ihre Familie mit der kaiserlichen Linie zu verbinden.
Heian-Männer waren übrigens auch polygam, was bedeutet, dass sie mehrere Frauen haben konnten. Wie hatten Männer und Frauen dann Kontakt miteinander, wenn sie getrennt voneinander lebten? Die erste Kommunikation verlief oft über die Hofdamen der aristokratischen Frau und geschah über Briefe und Gedichte. All diese Dinge kommen auch in der Geschichte der Genji monogatari vor.
Die Geschichte des Genji

Die Genji monogatari zusammenzufassen ist eine schwierige Aufgabe wegen der 54 Kapitel und der großen Besetzung von Charakteren, die jeweils ihre eigene Handlung bekommen. Die folgende Zusammenfassung wird sich notgedrungen auf die Haupthandlung von Genji und später auch seinem Sohn konzentrieren, plus die prominentesten wiederkehrenden Charaktere. Die Zusammenfassung folgt der Einteilung der Geschichte in drei Teile, die schon früher erwähnt wurden. Mach dich also bereit, in die Geschichte von Hikaru Genji einzutauchen!
Ein Tipp, um noch mehr in die Stimmung der Welt der Genji monogatari zu kommen: Du kannst während des Lesens der Zusammenfassung der Geschichte dem Soundtrack der anime-Version der Geschichte aus 2009 lauschen, Genji monogatari sennenki 源氏物語千年紀 (Die Geschichte des Genji: Millennium).
Der instrumentale Soundtrack zum Anime Genji monogatari sennenki (2009).
Teil 1: Genjis romantische Abenteuer
Genjis Kindheit

Die Geschichte beginnt mit einer gewissen Kiritsubo no Kōi, einer niedrig eingestuften Konkubine des Kiritsubo-Kaisers. Ihre Familie war nicht mächtig genug, um sie politisch zu unterstützen, wodurch sie so niedrig eingestuft war, aber sie war die Geliebteste des Kaisers.
Sie gebiert ihm schließlich einen Sohn, Prinz Hikaru. Weil sie und ihr Sohn so geliebt wurden vom Kaiser, wurde sie oft von der Eifersucht der anderen Frauen des Kaisers belästigt. Kiritsubo no Kōi starb, als ihr Söhnchen erst drei Jahre alt war.
Der junge Prinz Hikaru, der „strahlende Prinz“, war von Kindesbeinen an schon ein Inbegriff von Schönheit und Talent und nach dem Tod seiner Mutter verweilte er im Palast bei seinem Vater. Dieser Kiritsubo-Kaiser hatte inzwischen eine neue Konkubine gefunden, eine junge Nichte von Kiritsubo no Kōi namens Fujitsubo. Der junge Prinz Hikaru begann mit der Zeit auch Fujitsubo zu lieben.

Am Hof gab es inzwischen Unmut über die Tatsache, dass Prinz Hikaru so geliebt wurde vom Kaiser. Die höher eingestufte Frau des Kaisers forderte, dass ihr eigener Sohn Kronprinz und damit Thronfolger gemacht wurde. Weil sie die Unterstützung einer mächtigen Familie hatte, musste der Kaiser zustimmen. Er machte aus Prinz Hikaru Hikaru Genji. Genji, nun kein Prinz mehr, wurde auch von seinem Vater mit der Tochter eines Ministers, Aoi, verheiratet.
Genji, der verliebte Jüngling

Obwohl Genji mit Aoi verheiratet ist, ist die Beziehung nicht wirklich ein Match. Der jugendliche Genji hat jedoch den Geschmack der Liebe bekommen. Er entpuppt sich als äußerst gutaussehender, charmanter und eloquenter junger Mann. Er erobert verschiedene Frauen, manchmal sogar indem er seine Identität geheim hält. Auch verkörpert er das Ideal des Heian-Romantikers: er ist stets um seine Geliebten besorgt, auch wenn sie sich nicht mehr sehen.
Genji erlebt also viele romantische Abenteuer während seiner jungen Jahre. So bemühte sich Genji zum Beispiel sehr, die junge Frau Utsusemi für sich zu gewinnen. Sie weist ihn schließlich ab, weil sie ihren eigenen Rang zu niedrig für ihn fand. Danach war da auch Yūgao, eine Frau, die Abstand von der Aristokratie genommen hatte und bereits ein Kind von Genjis bestem Freund, Tō no Chūjō, bekommen hatte. Genji verbirgt seine Identität und weiß Yūgao für sich zu gewinnen. Schließlich stirbt Yūgao unerwartet. Genji trauert tief um ihren Tod. Später wird er Yūgaos Tochter mit Tō no Chūjō, Tamakazura, adoptieren.

Genji geht als Teenager auch sehr riskante Beziehungen ein. So weiß er zu einem bestimmten Zeitpunkt heimlich die Nacht mit Fujitsubo zu verbringen, der Konkubine seines Vaters, in die er schon jahrelang verliebt ist. Fujitsubo wird schließlich einen Sohn gebären – Genjis Sohn. Aber das wird natürlich zu allen Zeiten geheim gehalten. Dieser Sohn wird viel später auch Kaiser werden. Obwohl Genji Fujitsubo liebt und sie einfach nicht vergessen kann, erkennt er auch, dass sie außerhalb seiner Reichweite ist und dass sie niemals zusammen sein können. Besonders als sie von seinem Vater zur Kaiserin gemacht wird nach der Geburt ihres Sohnes.
Zu einem bestimmten Zeitpunkt geht der achtzehnjährige Genji zu einem Tempel, um von schwerem Fieber zu genesen. Unterwegs erhascht er jedoch einen Blick auf ein Mädchen, das im Aussehen stark Fujitsubo ähnelt. Das Mädchen erweist sich als die Tochter von Fujitsubos Bruder, aber ihr sozialer Rang war nicht sehr hoch und sie wohnte bei ihrer Großmutter, die eine buddhistische Nonne war.
Dieses Mädchen ist Murasaki. Genji bemüht sich sehr, Murasaki unter seine Obhut zu nehmen, indem er sie heiratet, aber ihre Großmutter nimmt ihn nicht ernst. Als Murasakis Großmutter stirbt, ergreift Genji seine Chance und lässt Murasaki bei sich einziehen. Später heiratet er sie auch.

Inzwischen hat Genji auch ein Kind mit Aoi bekommen. Es ist ein Sohn namens Yūgiri. Aoi stirbt jedoch nach der schweren Entbindung. Es soll auch böser Wille im Spiel gewesen sein, nämlich der einer erzürnten Geliebten Genjis, Rokujō no Miyasudokoro.
Diese Rokujō no Miyasudokoro würde später, auch nach ihrem Tod, ihren bösen Willen noch auf andere Geliebte Genjis ausüben. Genji adoptiert jedoch ihre Tochter, Akikonomu. Yūgiri musste jedoch nicht ohne Mutter aufwachsen. Eine andere Frau Genjis, Hanachirusato, zog Yūgiri und später auch Tamakazura groß, als wären es ihre eigenen Kinder.
Genjis Fehltritt und Verbannung

Genjis Beziehung zu Fujitsubo war schon enorm riskant, aber dieses Geheimnis bleibt glücklicherweise für Genji streng bewahrt. Was passiert, wenn geheime Beziehungen doch herauskommen, lernt Genji schließlich auch, als er im Bett mit der Tochter seiner politischen Rivalen ertappt wird. Genjis älterer Halbbruder war inzwischen der Suzaku-Kaiser geworden, und Fujitsubos Sohn war nun Kronprinz. Genji war nun auch für die Erziehung dieses jungen Kronprinzen verantwortlich, der eigentlich sein Sohn war. Weil Genjis Fehltritt auch den Kronprinzen in Bedrängnis bringen konnte, beschloss er selbst, in die Verbannung zu gehen.
Er zog nach Suma, wo er in Einsamkeit lebte und von Stürmen geplagt wurde. Eines Tages kam ein buddhistischer Priester, auch der Akashi-Priester genannt, nach Suma, um Genji nach Akashi mitzunehmen. Dort verweilte er beim Priester. Dieser stellte seine einzige Tochter, Akashi no Onakata, Genji vor. Obwohl es einen Unterschied im sozialen Rang zwischen ihr und Genji gab, verliebte sich Genji in sie. Sie tauschten sogar Gelübde aus und schon bald wurde Akashi no Onakata schwanger. Zu diesem Zeitpunkt wurde Genji jedoch plötzlich von seinem Halbbruder, dem Suzaku-Kaiser, begnadigt, weil dessen Gesundheit sich verschlechterte. Genji musste Akashi no Onakata zurücklassen und kehrte in die Hauptstadt zurück.

Genjis Rückkehr
Der Suzaku-Kaiser dankt ab, als der Kronprinz erwachsen geworden ist. Dieser Kronprinz, Fujitsubos und Genjis geheimer Sohn, wird nun der Reizei-Kaiser. Inzwischen gebärt auch Akashi no Onakata eine Tochter, die Akashi-Prinzessin oder Akashi no Himegimi.
Als Genji 31 ist, hat er ein extrem hohes politisches Ansehen erworben. Das kommt daher, dass er dem Reizei-Kaiser so nahe steht. In den Augen der Außenwelt ist Genji natürlich der ältere Bruder des Reizei-Kaisers und nicht sein Vater. Genji lässt auch seine adoptierte Tochter, Akikonomu, an den Hof kommen als Ehefrau des Reizei-Kaisers.
Er beschließt auch, seine einzige biologische Tochter, die junge Akashi no Himegimi, in die Hauptstadt kommen zu lassen. Er will sie nämlich eines Tages auch zur Kaiserin machen. Wenn er das schafft, wird seine Macht unerhört groß werden. Einmal in der Hauptstadt, wird Akashi no Himegimi von Genjis großer Liebe Murasaki erzogen, die selbst keine Kinder bekommen kann.

Zu einem bestimmten Zeitpunkt wird Fujitsubo krank. Sie stirbt. Dadurch versinkt Genji in tiefe Trauer. Inzwischen erfährt der Reizei-Kaiser auch noch, dass Genji sein echter Vater ist. Der Kaiser denkt sogar daran abzudanken, um Genji Kaiser werden zu lassen, aber Genji ist entschieden dagegen.
Genjis politische Macht

Genji ist zu diesem Zeitpunkt in seinem Leben so mächtig und wohlhabend, dass er ein gigantisches Anwesen in der Hauptstadt baut. In diesem Rokujō-Anwesen, auch „der sechste Pavillon“ genannt, brachte Genji seine mehreren Frauen unter. Er teilt das Anwesen und die Gärten so ein, dass jeder Flügel eine andere Jahreszeit darstellt.
So wohnt seine adoptierte Tochter, nun Kaiserin Akikonomu, im Teil des Herbstes. Murasaki wohnt im Frühlingsteil. Genjis andere Frauen, Hanachirusato und Akashi no Onakata, wohnen dann wieder jeweils im Sommerflügel und im Winterflügel. Tamakazura, mit der Genji inzwischen eine sehr enge Bindung hat, lebt bei Hanachirusato.
Als Genji 39 ist, heiraten zwei seiner Kinder. Sein Sohn Yūgiri bekommt endlich die Erlaubnis, seine Geliebte Kumoi no Kari zu heiraten. Und Genjis Tochter, Akashi no Himegimi, macht ihren Einzug am kaiserlichen Hof und heiratet den Kronprinzen, den Sohn des vorherigen Suzaku-Kaisers.

In dem Moment, als seine Tochter Kronprinzessin wird, erreicht Genji den absoluten Höhepunkt seiner Macht am Hof. Der Reizei-Kaiser macht ihn auch zu einem „„Ehren-abgedankten Kaiser“, ein Titel, den kein Mann vor ihm erhalten hatte. Niemand konnte Genji noch schaden oder ihm gleichkommen.
Teil 2: Genjis Hochmut vor dem Fall
Die Heirat mit der Prinzessin

Genjis politische Macht mag zwar unantastbar sein, dennoch ist er nicht immun gegen die Folgen seiner eigenen Entscheidungen in seinem persönlichen Leben.
Einige Zeit vor seinem 40. Geburtstag wird Genji von seinem Halbbruder, dem vorherigen Kaiser Suzaku, kontaktiert. Suzaku will die buddhistischen Gelübde ablegen und das aristokratische (adelige) Leben hinter sich lassen. Er findet das jedoch schwierig aus Sorge um seine jüngste und geliebteste Tochter, Onna San no Miya, die zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt ist.
Es gibt viele Männer, die um ihre Hand werben, aber schließlich entscheidet Suzaku, dass er nur dann Abstand von seiner Tochter nehmen kann, wenn Genji sie unter seine Obhut nimmt. Er bittet Genji also, sie zu heiraten. Genji bekommt auf diese Weise die Chance zu tun, wovon jeder aristokratische Mann träumte: eine kaiserliche Prinzessin zu heiraten. Er stimmt zu und Onna San no Miya wird so seine offizielle Ehefrau, denn durch ihren hohen Rang steht sie über all seinen anderen Frauen.
Diese Entscheidung kommt ihm jedoch teuer zu stehen. Erstens ist Onna San no Miya gar nicht das, was er von ihr erhofft hatte. Sie ist schüchtern und kindisch, und dadurch wird sie oft von Genji getadelt. Eine glückliche Ehe wird es also niemals werden.
Außerdem hat seine Entscheidung auch Auswirkungen auf seine Beziehung zu Murasaki, seiner großen Liebe. Murasaki, die niemals seine offizielle Frau werden konnte wegen ihres niedrigeren Status, ist überrascht von Genjis Entscheidung und fühlt sich durch das Kommen der Prinzessin bedroht.

Eines Tages spielt Genji ein Ballspiel auf seinem Anwesen zusammen mit seinem Sohn Yūgiri und dessen bestem Freund, Kashiwagi, dem Sohn von Tō no Chūjō. Kashiwagi war einer der Männer, die Suzaku um die Hand von Onna San no Miya gebeten hatten. Als Kashiwagi also einen Blick auf sie erhascht, als eine Katze durch ihre Vorhänge flüchtet, werden seine Gefühle für sie nur verstärkt.
Die Geburt von Kaoru Genji
In den folgenden Jahren neigt sich die Balance von Genjis Zuneigung noch stärker Murasaki zu. Auch wenn Genji als offizieller Ehemann der Prinzessin die Aufgabe hat, für sie zu sorgen, verbringt er dennoch kaum Aufmerksamkeit mit ihr. Die ganze Situation lastet schwer auf Murasaki, die mehrmals krank wird und geschwächt ist.
Die Gerüchte, dass Genji nicht nach Onna San no Miya schaut, machen stark die Runde, denn das ist für einen Heian-Mann nicht akzeptabel. Kashiwagi, der die Prinzessin nach all den Jahren immer noch nicht vergessen kann, sucht Annäherung zu ihr über ihre Hofdame. In einer bestimmten Nacht, als die zwanzigjährige Prinzessin fast völlig allein ist, ergreift Kashiwagi seine Chance, bei ihr zu sein.

Als wäre das noch nicht schlimm genug, ist Onna San no Miya auch noch schwanger nach dieser Nacht. Genji entdeckt einen Brief von Kashiwagi an die Prinzessin und kommt so hinter die Wahrheit. Als er hierüber eine indirekte Bemerkung gegen Kashiwagi macht, der immer zu Genji aufgeblickt hatte, gibt Kashiwagi buchstäblich den Lebenswillen auf. Er stirbt nicht viel später. Auch Onna San no Miya ist völlig geschwächt aus Angst vor Genjis Reaktion, aber gebiert schließlich doch einem gesunden Sohn das Leben, Kaoru. Obwohl Genji weiß, dass es nicht sein biologischer Sohn ist, wird Kaoru dennoch als sein eigenes Kind erzogen.

Onna San no Miya kontaktiert heimlich ihren Vater, Suzaku, und fleht ihn an, sie zur Nonne zu machen. Ihr Vater eilt zu ihr und erfüllt ihren Wunsch. Die Tatsache, dass Genji als ihr Ehemann nichts zu dieser Entscheidung zu sagen hatte, ist für ihn sehr beschämend. Besonders weil es nun für jeden klar ist, dass er das Versprechen an ihren Vater nicht geehrt hat und ein schlechter Ehemann für sie gewesen ist. Genji hat versagt.
Murasakis Tod

Das Unglück für Genji hört einfach nicht auf. Als Genji 51 ist, wird Murasaki wieder ernsthaft krank. Murasaki bittet Genji mehrmals, ob sie eine Nonne werden darf, aber er will davon nichts hören. Es werden buddhistische Zeremonien für ihre Genesung organisiert. Auch kommt Akashi no Himegimi, die von Murasaki erzogen wurde und inzwischen Kaiserin ist, zusammen mit ihrem Söhnchen noch ein letztes Mal zu Besuch bei ihr. Dennoch hilft das alles nichts, denn im Spätherbst stirbt Murasaki.
Genji trauert enorm tief um Murasaki und ist nur noch ein Schatten des glänzenden und außergewöhnlichen Mannes, der er einst war. Er beschließt selbst auch, sich dem Buddhismus zuzuwenden. Nicht viel später wird auch Hikaru Genji im Alter von 52 Jahren das Leben lassen.
Teil 3: Genjis Vermächtnis, Kaoru
Kaorus Jugend

Nach Genjis Tod wird die Geschichte in den Teenagerjahren von Kaoru, dem Sohn von Onna San no Miya und Kashiwagi, wieder aufgenommen. Er war jedoch als Genjis Sohn erzogen worden und hatte keine Ahnung von seiner wahren Herkunft. Kaoru wird stark vom inzwischen abgedankten Reizei-Kaiser und seiner Kaiserin Akikonomu verwöhnt.
Was seine Persönlichkeit angeht, ist Kaoru völlig anders als Genji. Er will sich nicht mit Liebesaffären beschäftigen, die nur zu Leid führen würden, und war ziemlich pessimistisch. Er denkt in jungen Jahren mehrmals daran, ein buddhistischer Priester zu werden.
Die anderen Zweige von Genjis Vermächtnis entwickeln sich auch noch immer gut. Akashi no Himegimi ist nun die Kaiserin neben dem Kinjō-Kaiser, dem Sohn von Suzaku. Zusammen haben sie auch mehrere Kinder, darunter einen Sohn, der Niō Miya genannt wird. Niō Miya war ein großer Befürworter der freien Liebe und verfolgte dies auch in seinem Leben. Er war zusammen mit Kaoru sehr einflussreich am Hof und viele Familien wollten ihre Töchter mit ihnen verheiraten. Aber das Liebesleben dieser jungen Männer sollte eine turbulentere Wendung nehmen.
Liebesdrama in Uji

Kaoru besucht oft Hachi no Miya, den jüngeren Bruder von Genji. Dieser Prinz wohnt zusammen mit seinen zwei Töchtern, Oigimi und Naka no Kimi, in Uji. Dort betreibt Hachi no Miya buddhistische Übung, wodurch Kaoru tiefe Bewunderung für ihn und seinen Lebensstil hat. Mit der Zeit entwickelt Kaoru auch Gefühle für die älteste Tochter, Oigimi.
Kaoru kehrt zum Hof zurück und erzählt Niō Miya vom Prinzen und seinen Töchtern. Dadurch wird auch Niō Miya an ihnen interessiert. Er versucht seine Annäherungsversuche bei Naka no Kimi zu machen.
Als Hachi no Miya stirbt, versucht Kaoru eine Heirat zwischen sich und Oigimi und zwischen Niō Miya und Naka no Kimi zu arrangieren. Oigimi weist Kaoru jedoch ab. Oigimi hofft nämlich, dass Kaoru Naka no Kimi heiraten würde. Sie versucht sogar, sie zu verkuppeln. Aber Kaoru empfindet nichts für Naka ni Kimi und sorgt dafür, dass sie Niō Miya heiraten kann. Die Situation läuft jedoch nicht wie erhofft. Niō Miya besucht seine Frau Naka no Kimi kaum und Oigimi wird verbittert und krank. Schließlich stirbt Oigimi in Kaorus Armen.

Schließlich holt Niō Miya Naka no Kimi doch in die Hauptstadt. Als Kaoru Naka no Kimi besucht, um einfach ein Gespräch zu führen, wird Niō Miya misstrauisch. Niō Miya heiratet später auch Roku no Kimi, die Tochter von Genjis Sohn Yūgiri, wodurch Naka no Kimi unsicher über ihre Position wird. Dadurch wird die Bindung zwischen Kaoru und Naka no Kimi immer enger. Kaoru heiratet selbst auch. Seine Frau ist Onna Ni no Miya, eine Tochter des Kinjō-Kaisers, aber das bringt ihm keine Freude.
Das Drama von Ukifune

Als Kaoru zum Hase-dera-Tempel zieht, erhascht er einen Blick auf Ukifune. Das ist die jüngere Halbschwester von Oigimi, auch eine Tochter von Hachi no Miya. Ukifunes Mutter würde gerne wollen, dass ihre Tochter einen Edelmann heiratet, und sieht Kaoru als guten Kandidaten. Kaoru kümmert sich um Ukifune, aber zögert wegen einer Beziehung, weil sie nur die Tochter eines Provinzgouverneurs ist.
Niō Miya, der von Ukifune gehört hatte und wusste, wo er sie finden musste, besuchte sie während der Nacht und drängte sich ihr auf. Durch diese schändliche Tat versteckte Ukifunes Mutter ihre Tochter in einer kleinen Hütte in Sanjō.
Kaoru konnte jedoch herausfinden, wo Ukifune war, und besuchte sie. Er würde sie nach Uji zurückbringen, was Ukifune ängstlich machte. Kaorus Motiv für seine Sorge um Ukifune drehte sich immer noch hauptsächlich um ihre Ähnlichkeit mit Oigimi.

Niō Miya kann es nicht lassen, wieder den Aufenthaltsort von Ukifune herauszufinden. Er besucht Ukifune erneut und macht ihr weis, dass es Kaoru war, der sich in jener einen Nacht ihr aufgedrängt hatte. Dadurch kann Niō Miya Ukifune für sich gewinnen und sie mit sich nehmen. Das alles geschieht hinter Kaorus Rücken. Kaoru war gerade dabei, Pläne zu machen, um Ukifune zu seinem Anwesen zu bringen. Durch diese listige Tat von Niō Miya entsteht eine Fehde zwischen Kaoru und ihm.
Ukifune sitzt zwischen den zwei Feuern gefangen. Die Fehde zwischen den zwei jungen Männern lastet schwer auf ihr und sie kann es zu einem bestimmten Punkt nicht mehr ertragen. Sie verschwindet. Ihre Hofdamen sagen, dass sie sich im Fluss ertränkt habe. Kaoru trauert tief um sie.

Aber eigentlich ist Ukifune gar nicht tot! Sie war von einem Tendai-Priester und seiner Schwester, auch einer Nonne, gerettet worden. Diese Nonne pflegte Ukifune, bis sie wieder zu Kräften kam. Ukifune will nichts lieber, als selbst auch die buddhistischen Gelübde abzulegen, um ihrem Leben und all dem Liebesdrama zu entfliehen. Schließlich stimmt der Tendai-Priester dem zu.
Schließlich hört auch Kaoru, dass Ukifune noch lebte. Er versucht sie zu besuchen, aber sie will ihn nicht sehen. Sie will nicht zum Hofleben zurückkehren und antwortet nicht auf seine Briefe.
Das ist das Ende der Genji monogatari. Für manche Leser fühlt sich dieses Ende unvollständig an, aber andere können die Offenheit schätzen. Lass uns sicher wissen, was du davon hältst!
Mehr über die Genji monogatari erfahren?

Kannst du einfach nicht genug von der Genji monogatari bekommen? Dann schau dir unbedingt die deutschen Übersetzungen an!
- Abendgesichter: Liebesgeschichten aus dem Leben des Prinzen Genji (2000): acht Fragmente aus der Genji monogatari mit Fokus auf die romantischen Verhältnisse Genjis, übersetzt von H.C. ten Berge.
- Die Geschichte des Genji (2013): eine vollständige Übersetzung der Genji monogatari ins Deutsche von Jos Vos. Auch als E-Book verfügbar und ausleihbar, was angesichts des Umfangs des Werks praktisch sein kann!
Wusstest du das? Es gab auch schon mehrere Adaptionen der Genji monogatari. 1951 gab es den Film Genji monogatari源氏物語, Regie geführt von Yoshimura Kōzaburō 吉村公三郎. Die neueste Verfilmung ist Genji monogatari: sennen no nazo 源氏物語:千年の謎 (Die Geschichte des Genji: Das tausendjährige Rätsel), Regie geführt von Tsuruhashi Yasuo 鶴橋康夫 2011. Diese Filme sind leider (noch) nicht mit deutschen Untertiteln zu sehen. 2009 kam auch eine Anime-Bearbeitung der Genji monogatari heraus mit dem Titel Genji monogatari sennenki 源氏物語千年紀 (Die Geschichte des Genji: Millennium).
Dieser Artikel wurde von Isy Van Dorpe geschrieben.
Quellenverzeichnis
- Britannica, T. Editors of Encyclopaedia. 2023. „monogatari.“ Encyclopedia Britannica. Zuletzt aktualisiert 29. September 2023. https://www.britannica.com/art/monogatari.
- Britannica, T. Editors of Encyclopaedia. 2023. „The Tale of Genji.“ Encyclopedia Britannica. Zuletzt aktualisiert 26. Oktober 2023. https://www.britannica.com/topic/The-Tale-of-Genji.
- Japanese Wiki Corpus. o.J. „A summary of the each chapter of The Tale of Genji (源氏物語各帖のあらすじ).“ japanesewiki.com. https://www.japanesewiki.com/literature/A%20summary%20of%20the%20each%20chapter%20of%20The%20Tale%20of%20Genji.html
- Katō Shūichi 加藤周一. 1997. „Chapter Three: The Age of the Tale of Genji and Tales of Now and Then.“ In A History of Japanese Literature: From the Man’yōshū to Modern Times, 57-90. Übersetzt von Don Sanderson. Richmond: Japan Library.
- Shirane Haruo 白根治夫, Hrsg. 2008. Envisioning the Tale of Genji: Media, Gender, and Cultural Production. New York: Columbia University Press.
- Tyler, Royall. 2001. „Introduction.“ In The Tale of Genji, Murasaki Shikibu, übersetzt von Royall Tyler. New York: Penguin Books.
- Tyler, Royall. 2009. The Disaster of the Third Princess: Essays on the Tale of Genji. Canberra: ANU E Press.
- Taleofgenji.org. 2023. „The Tale of Genji.“ The Tale of Genji. Zuletzt aktualisiert 16. März 2023. http://www.taleofgenji.org/.
FAQs zum Thema Genji monogatari:
Warum gilt die Genji monogatari als der erste Roman der Welt?
- Die Genji monogatari wird als der erste Roman der Welt betrachtet, weil sie als erstes Werk eine durchgehende, psychologisch komplexe Handlung über das gesamte Leben der Hauptfigur entwickelt. Im Gegensatz zu früheren Erzählformen konzentriert sich das Werk auf die innere Entwicklung der Charaktere und ihre emotionalen Erfahrungen über Jahrzehnte hinweg.
Wie beeinflusste die Genji monogatari die japanische Kultur und Literatur?
- Die Genji monogatari prägte das japanische Konzept von „mono no aware“ (das Bewusstsein für die Vergänglichkeit der Dinge) und etablierte literarische Standards für die Darstellung von Emotionen und zwischenmenschlichen Beziehungen. Das Werk inspirierte unzählige spätere japanische Autoren und gilt als Grundstein der japanischen Literatur.
Welche Rolle spielten Frauen in der Heian-Zeit bei der Entwicklung der japanischen Literatur?
- In der Heian-Zeit schrieben Frauen hauptsächlich in der japanischen Hiragana-Schrift, während Männer vorwiegend klassisches Chinesisch verwendeten. Diese Trennung ermöglichte es Frauen wie Murasaki Shikibu, eine eigenständige japanische Literatursprache zu entwickeln und Werke zu schaffen, die das emotionale und soziale Leben authentisch darstellten.

Marco Logmans ist ein leidenschaftlicher Japan-Experte, der vor 20 Jahren zum ersten Mal Japan besuchte und dort sieben Jahre lebte und arbeitete. Mit viel Liebe für Japan teilt Marco gerne seine Erfahrungen und Eindrücke in seinen Artikeln.