Sport ist gesund! Das haben wir alle schon einmal gehört und auch in Japan ist man davon überzeugt, dass ein gesunder Körper und ein gesunder Geist vor allem wichtig sind. Ob du nun Fußball magst, Joggen, Inlineskaten, Tanzen oder Gymnastik, solange du nur in Bewegung bleibst und mit Freude deinen Sport ausübst, wird alles gut. Um eine gesunde und aktive Lebensweise in den Fokus zu stellen, hält Japan jeden zweiten Montag im Oktober einen „nationalen Sporttag“.
Japan feierte jedes Jahr am 10. Oktober den nationalen Feiertag Taiku no hi 体育の日. Seit dem Jahr 2000 hat sich dies zum 2. Montag im Oktober geändert. Dadurch bekamen die Japaner ein extra langes Wochenende frei. Ab den Olympischen Spielen 2020 wurde dieser Name zu Supōtsu no hi スポーツの日 geändert.
Wie dieser Feiertag entstanden ist: Die Olympischen Spiele von 1964

1964 ist ein besonderes Jahr in den olympischen Geschichtsbüchern. Zum allerersten Mal ging die Ehre, die Olympischen Spiele zu organisieren, an ein asiatisches Land: Japan! Tokyo wurde zum Austragungsort von Hunderten von Athleten, die während 15 Tagen um eine Medaille während der 18. Olympiade kämpften. Diese Sommerspiele wurden im Oktober abgehalten und nicht im eigentlichen Sommermonat Juli, um Japans Regenzeit (Juni-Juli) und Taifunsaison (September) zu vermeiden.
Um ein Datum für die Eröffnungszeremonie festzulegen, beschloss das Japanische Olympische Komitee, nach dem Tag im Oktober mit dem höchsten Sonnenscheinprozentsatz zu suchen. Laut Wettervorhersagen stellte sich heraus, dass dies der 10. Oktober war, was schließlich auch tatsächlich der Tag der Eröffnungszeremonie wurde.
1966, zur Erinnerung an die Spiele von 1964, wurde der 10. Oktober zum japanischen nationalen Feiertag ausgerufen: Tag des Sports! Dieser Feiertag bekam damals nicht direkt den Namen Supōtsu no hi, sondern Taiiku no hi 体育の日. Taiiku no hi bedeutet wörtlich „Tag der körperlichen Erziehung“. Da „körperliche Erziehung“ eine engere Bedeutung hat als „Sport“, wurde kürzlich, im Jahr 2020, beschlossen, den Namen offiziell zum weiteren Supōtsu no hi zu ändern.
Außerdem wurde im Jahr 2000 das feste Datum vom 10. Oktober zum flexibleren Konzept von jedem zweiten Montag im Oktober verlegt. Auf diese Weise würde die japanische Bevölkerung jedes Mal ein Wochenende von 3 Tagen bekommen.
Festivitäten während Supōtsu no hi

Die Festivitäten für Supōtsu no hi spielen sich hauptsächlich in Schulen ab. Um diese Zeit organisieren viele Schulen nämlich jährlich einen undōkai 運動会, also einen „Sporttag“ (wörtlich: Training/Sport + Versammlung). Dieser Sporttag ist ein wahres Festival und während des ganzen Tages können die Schüler an allen möglichen Sportaktivitäten teilnehmen.
Nach einer wochen- oder sogar monatelangen Vorbereitung startet der Sporttag mit einem Fokus auf Teamgeist. Die Schüler werden in den meisten Fällen in zwei Gruppen aufgeteilt: ein rotes und ein blaues Team. Beide Teams müssen während der Sportaktivitäten gegeneinander für den Sieg kämpfen, genau wie eine Mini-Version der Olympischen Spiele! Es ist außerdem auch eine Familienangelegenheit, denn Eltern dürfen stets zum Anfeuern kommen.
Zwei Aktivitäten, die über alles andere herausragen, sind kumitaisō 組体操 und ōtama-okuri 大玉送り. Kumitaisō ist eine koordinierte Gruppenaktivität, bei der die Schüler menschliche Pyramiden oder jede andere Form bauen. Das machen sie, indem sie auf kontrollierte Weise aufeinander stützen oder sich auf den Nacken setzen. Kleine kumitaisō kannst du zu verschiedenen Momenten in folgendem Video einer undōkai-Tanzaktivität sehen:
Während der ōtama-okuri-Aktivität stehen alle Teams getrennt in einer langen Reihe. Ein großer Ball wird über die Köpfe der Teammitglieder gerollt und mit den Händen weitergeschoben, und wer den Ball am schnellsten auf die andere Seite bekommt, gewinnt! Wie oft der Ball hin und her muss, bevor das Spiel vorbei ist, kann frei gewählt werden. Ein schönes Beispiel von ōtama-okuri findest du hier:
Interview rund um Supōtsu no hi
Supōtsu no hi holt vor allem Erinnerungen aus der Kindheit hervor, wie sich während eines Interviews mit Tomoya N. (22) zeigt.
„Als ich im Kindergarten und in der Grundschule war, wurde Supōtsu no hi jedes Jahr gefeiert. Ich war als Kind schon immer aktiv, also war dieser Feiertag für mich ziemlich ein schöner Tag. Besser als in der Klasse zu sitzen, jedenfalls! Die Wochen vor dem Feiertag bekamen wir jeden Tag extra Sportstunden und übten wir die Aktivitäten, die wir machen würden, wodurch wir manchmal etwas weniger Unterricht hatten. Als Kind denkst du natürlich nicht so viel darüber nach, warum wir nun eigentlich einen Sporttag abhalten. Es war einfach schön zu machen.“
„Der eigentliche Sporttag wurde meist am Wochenende abgehalten und nicht unbedingt am Feiertag selbst. Wir wurden dann alle in Gruppen eingeteilt und am Ende des Tages wurde eine Gruppe als Sieger gekrönt. Da meine Eltern immer zum Zuschauen kamen, war ich natürlich am liebsten im siegreichen Team! Es gab enorm viele Sportaktivitäten an einem Tag, wodurch wir die Aktivitäten, an denen wir teilnehmen wollten, im Voraus auswählen mussten. Meine Favoriten waren der Hindernislauf, falls es ihn gab, und die ōtama-okuri. Manchmal wurde auch ein Tauziehen organisiert, an dem Lehrer und Eltern teilnahmen.“
„Ich erinnere mich, dass Zusammenarbeit als Team von den Lehrern ermutigt wurde, auch wenn viele Aktivitäten individuell waren, wie die Laufwettbewerbe. Wir jubelten und sangen Lieder füreinander und wir mussten auch zu bestimmten Momenten für das andere Team jubeln. Oft saßen auch Freunde und Freundinnen im Team der Gegner, also jubelte ich dann ein bisschen lauter für sie.“
„Außerdem wurde Supōtsu no hi nach der Grundschule nicht mehr gefeiert, also wurde es für mich einfach ein Tag, an dem ich keine Schule hatte. Das ist auch immer schön, natürlich. Ich treibe noch regelmäßig Sport, aber Supōtsu no hi ist für mich kein extra Sporttag mehr. Meine Universität macht übrigens nicht bei diesem Feiertag mit, wodurch der Unterricht einfach weitergeht.“
Lies hier mehr über die nationalen Sportarten Japans.
Der japanische Name erklärt
Der Name dieses Feiertags ist ziemlich einfach! Wir bekommen eine Kombination aus drei Teilen:
- supōtsu スポーツ
- no の
- hi 日
Das japanische Wort für „Sport“ ist nicht so schwer zu erkennen, nämlich supōtsu. Die Aussprache lehnt sich daran an, wie du im Englischen „sports“ sagen würdest. Das ist auch nicht unlogisch, denn die japanische Sprache kennt sehr viele Lehnwörter! Genau wie bei allen anderen Sprachen der Welt sind Lehnwörter oft eine ausgezeichnete Lösung, um Neuheiten zu benennen, oder manchmal ist das Lehnwort einfach einfacher. Wenn Sprachen und Kulturen miteinander in Kontakt kommen, ist es fast unmöglich, dass sie nicht voneinander lernen und übernehmen.
Die deutsche Sprache kennt auf diese Weise auch besonders viele Lehnwörter, denk nur an „Computer“, „Ambulance“ oder sogar „Museum“. Die japanische Sprache ist im Bereich der Lehnwörter keine Ausnahme, auch wenn du vielleicht dachtest, dass sie es wäre!
Eine Anzahl von Beispielen für Lehnwörter im Japanischen, die leicht zu erkennen sind:
- Konpyūtā コンピューター (Computer)
- Kisu キス (Kuss, „kiss“)
- Hoteru ホテル (Hotel)
- Resutoran レストラン (Restaurant)
- Aisukurīmu アイスクリーム (vom englischen „ice cream“)
- Bīru ビール (Bier)
- Karendā カレンダー (Kalender)
- Und auch die meisten Namen von Ländern sind schnell erkennbar, zum Beispiel:
- Oranda オランダ (Niederlande, „Holland“)
- Berugī ベルギー (Belgien)
- Doitsu ドイツ (Deutschland)
- Furansu フランス (Frankreich)
- Itaria イタリア (Italien)
- Amerika アメリカ (Amerika)
- Kuroachia クロアチア (Kroatien)
- Ōsutoraria オーストラリア (Australien)
Neben Lehnwörtern in den japanischen Wörterbüchern gibt es auch sehr viele Lehnwörter, die wir kennen, die ursprünglich japanisch sind! Zum Beispiel:
- Taifun – taifū 台風
- Tsunami – tsunami 津波
- Emoji – emoji 絵文字
- Karaoke – karaoke カラオケ
- Origami – origami 折り紙
- Ninja – ninja 忍者
- Zen – zen 禅
Und passend zu diesem Feiertag des Sports, denk nur an die vielen Kampfsportarten, wie:
- Sumo – sumō 相撲
- Karate – karate 空手
- Judo – jūdō 柔道
- Kendo – kendō 剣道
- Aikido – aikidō 合氣道
Aber um doch noch einmal auf den Namen des Feiertags zurückzukommen: Nach supōtsu folgt das Zeichen no の, ein grammatisches Partikel, das Besitz anzeigt und das wir als „von“ übersetzen können. Als letztes bekommen wir das Zeichen hi 日 für „Tag“. Alles zusammen bringt uns zu Supōtsu no hi oder „Tag des Sports“!
FAQs:
Wann findet der japanische Sporttag statt?
- Der Supōtsu no hi findet jeden zweiten Montag im Oktober statt und ist seit 2000 ein beweglicher Feiertag, um den Japanern ein langes Wochenende zu ermöglichen.
Was ist ein undōkai in japanischen Schulen?
- Ein undōkai ist ein japanisches Schulsportfest, bei dem Schüler in rote und blaue Teams aufgeteilt werden und verschiedene Sportactivitäten wie kumitaisō (menschliche Pyramiden) und ōtama-okuri (Ballweitergabe) durchführen.
Warum wurde der japanische Sporttag am 10. Oktober eingeführt?
- Der 10. Oktober wurde 1966 als Sporttag festgelegt, um an die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 1964 in Tokyo zu erinnern, die an diesem Tag mit dem höchsten Sonnenscheinprozentsatz stattfand.
Was sind bekannte Feiertage in Japan?
- Die bekanntesten Feiertage in Japan sind unter anderem: Supōtsu no hi (スポーツの日) – der Tag des Sports, Bunka no hi (文化の日) – der Tag der Kultur, Shūbun no hi (秋分の日) – der Tag der Herbst-Tagundnachtgleiche, und die Golden Week.

Marco Logmans ist ein leidenschaftlicher Japan-Experte, der vor 20 Jahren zum ersten Mal Japan besuchte und dort sieben Jahre lebte und arbeitete. Mit viel Liebe für Japan teilt Marco gerne seine Erfahrungen und Eindrücke in seinen Artikeln.