Respekt wird in Japan großgeschrieben, egal welches Alter du hast. Denk nur an die vielen Verbeugungen, Dankesworte, Entschuldigungen, Begrüßungen und so viel mehr, wenn du in Japan unterwegs bist. Respekt voreinander zu haben ist im Allgemeinen eine der wichtigsten Eigenschaften der japanischen Bevölkerung, aber jedes Jahr am dritten Montag im September werden die Älteren besonders umsorgt. Es ist ein Tag, an dem die japanische Bevölkerung die Älteren ehrt und feiert, voller Wertschätzung und Dankbarkeit.
Jedes Jahr am 3. Montag im September feiert Japan Keirō no hi 敬老の日.
Festivitäten zu Keirō no hi
Japan feiert seit 1966 jährlich Keirō no hi, was diesen Tag zu einem relativ neuen Feiertag macht. Es gibt keine festen Vorschriften oder Traditionen an diesem Tag, wodurch jeder frei ist zu wählen, wie er die Älteren in seinem Umfeld feiern möchte. Da Keirō no hi seit 2003 immer auf einen Montag fällt, hat die japanische Bevölkerung jedes Mal ein verlängertes Wochenende und somit mehr Zeit zum Planen und Feiern.
Die Festivitäten können sehr unterschiedlich sein, da jeder auf seine eigene Weise feiert. Ein festlicher Besuch bei Eltern und Großeltern mit Blumen und Geschenken? Einfach eine Karte schicken oder mal Oma und Opa anrufen? Oder doch eher ein Fest organisieren, oder gemeinsam zu einem Schrein oder Tempel gehen? Es gibt keine Regeln oder Traditionen, also wie du es auch feiern willst, alles ist möglich und erlaubt.
Neben persönlichen Festivitäten werden auch jedes Jahr verschiedene Events organisiert, um alle zusammen zu feiern. So können lokale Festivals organisiert werden oder du kannst dich in bestimmten Regionen als Freiwilliger anmelden, um Lunchboxen für die Älteren zu verteilen. Aber auch hierfür gelten keine festen Traditionen, daher hängt das Angebot an organisierten Festivitäten von lokalen Organisationen ab.
Keirō no hi ist bis heute ein stark individueller Feiertag und wird in den meisten Fällen im intimen Kreis gefeiert. Wenn sie die Chance dazu haben, kehren Japaner nach Hause zurück, um Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Natürlich feiert nicht jeder Keirō no hi oder ist es nicht für jeden selbstverständlich, die große Entfernung nach Hause zu überbrücken. Momentan rast auch Taifun Nanmadol über Japan, wodurch Flüge und Züge massenhaft gestrichen wurden. Im Haus gefangen sein und großangelegte Evakuierungen: Nanmadol ist dieses Jahr ein schwerer und gefährlicher Dämpfer auf diesen Feiertag.
Dennoch wünsche ich allen in Japan einen wohltuenden, aber vor allem einen sicheren Feiertag! Und wer weiß, vielleicht kann dieser japanische Feiertag auch ein schöner Anlass für alle in Deutschland sein, Eltern, Großeltern oder Bekannte zu besuchen oder anzurufen. Eine kleine Geste könnte jemandem den Tag versüßen!
Lustiger Fakt: auch Google macht bei Keirō no hi mit! (Zumindest in Japan.)

Der japanische Name
Was sagt der japanische Name eigentlich über diesen Feiertag aus? Die Bezeichnung Keirō no hi 敬老の日 besteht aus vier Teilen:
kei 敬 rō 老 no の hi 日
Das erste Schriftzeichen wird als kei 敬 gelesen und bedeutet „Ehrfurcht“ und „Respekt“. Wir finden dieses Schriftzeichen auch in Wörtern wie keigo 敬語 („respektvoller Sprachgebrauch“), uyamau 敬う („Respekt zeigen“, „ehren“) und keirei 敬礼 („Gruß“, „Verbeugung“).
Für das zweite Schriftzeichen verwenden wir die Lesung rō 老 (mit einem lang ausgesprochenen „o“) und es bedeutet „Alter“, „Älterer“ oder „Senior“. Das Schriftzeichen kommt auch in verschiedenen anderen Wortgruppen vor, behält aber immer dieselbe Bedeutung, wie in rōjin 老人 („ältere Person“, „Senior“), fukeru 老ける („älter werden“) oder rōnen 老年 („Alter“).
Das dritte Schriftzeichen hat nur eine grammatische Funktion und besitzt für sich genommen keine spezifische Bedeutung wie die beiden vorherigen Substantive. No の ist Teil einer Reihe grammatischer Partikeln, die eine wichtige Rolle beim Satzbau in der japanischen Sprache spielen! Auch wenn sie nicht sofort eine inhaltliche Bedeutung haben, sind sie wichtig, um japanischen Sätzen Bedeutung zu geben. Im Fall des Partikels no können wir eine Verbindung zur deutschen besitzanzeigenden Präposition „von“ herstellen. No ist also ein besitzanzeigendes Partikel und sorgt dafür, dass keirō eine Bestimmung von hi 日 ist. Kurz gesagt, wir erhalten eine Konstruktion wie „hi von keirō“.
Als letztes bekommen wir das Schriftzeichen hi 日 für „Tag“. Neben der Bedeutung von „Tag“ bedeutet das Schriftzeichen auch „Sonne“ und wir finden es unter anderem in Nihon/Nippon 日本, dem japanischen Namen für Japan! Japan wird nicht umsonst das Land der aufgehenden Sonne genannt, oder wörtlich, der Ursprung (hier Lesung: hon 本) der Sonne (hi 日).
Wenn wir diese vier einzelnen Schriftzeichen nun zusammen als Ganzes lesen, erhalten wir „Tag des Respekts für die Älteren“!
FAQs zum Thema:
Seit wann gibt es Keirō no hi als nationalen Feiertag in Japan?
- Keirō no hi wurde 1966 als nationaler Feiertag eingeführt und ist damit relativ jung. Ursprünglich fiel er auf den 15. September, wurde aber 2003 auf den dritten Montag im September verlegt, um längere Wochenenden zu schaffen.
Welche Geschenke sind zu Keirō no hi in Japan besonders beliebt?
- Traditionell schenken Japaner ihren Großeltern und älteren Verwandten Blumen (besonders Chrysanthemen), gesunde Lebensmittel, warme Kleidung oder praktische Gegenstände für den Alltag. Auch selbstgemachte Karten von Enkeln sind sehr geschätzt.
Wie unterscheidet sich Keirō no hi von ähnlichen Feiertagen in anderen Ländern?
- Im Gegensatz zu vielen westlichen „Großelterntagen“ ehrt Keirō no hi alle älteren Menschen der Gesellschaft, nicht nur die eigenen Verwandten. Der Fokus liegt auf gesellschaftlichem Respekt und der Anerkennung der Weisheit und Erfahrung älterer Generationen.
Was sind bekannte Feiertage in Japan?
- Die bekanntesten Feiertage in Japan sind unter anderem: Supōtsu no hi (スポーツの日) – der Tag des Sports, Bunka no hi (文化の日) – der Tag der Kultur, Shūbun no hi (秋分の日) – der Tag der Herbst-Tagundnachtgleiche, und die Golden Week.

Marco Logmans ist ein leidenschaftlicher Japan-Experte, der vor 20 Jahren zum ersten Mal Japan besuchte und dort sieben Jahre lebte und arbeitete. Mit viel Liebe für Japan teilt Marco gerne seine Erfahrungen und Eindrücke in seinen Artikeln.