Wie wir die Friesen in Deutschland haben, gibt es in Japan die Ainu (auch Aino, アイヌ). Diese indigene Bevölkerungsgruppe zählt etwa 25.000 Menschen, die heute hauptsächlich auf der Insel Hokkaidō leben, einige Hundert wohnen auf Sachalin. Im neunzehnten Jahrhundert lebten die meisten Ainu nämlich auf Süd-Sachalin, den Kurilen und im nördlichen Honshū, aber während der japanischen Besetzung zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts emigrierten sie größtenteils nach Hokkaidō.
Die Ainu kennen je nach Region eine eigene Kultur mit dazugehörigen Dialekten und religiösen Bräuchen, die teilweise überlappen. Sie haben als Volk eine eigene Sprache und kennen andere Bräuche und Hintergründe als der überwiegende Teil der Japaner.
Von einer verwandtschaftlichen Beziehung zu den Japanern ist kaum die Rede, trotzdem wurden die Ainu ab dem neunzehnten Jahrhundert zur Integration in die japanische Gesellschaft gezwungen.
Dies führte manchmal zu bewaffneten Konflikten wie dem letzten großen bewaffneten Konflikt der Ainu mit den ethnischen Japanern, der 1789 bei Kunashiri-Menashi stattfand. Heute haben die Ainu mehr Freiheit und wird die eigene Sprache wieder zum Leben erweckt, um so die fast verschwundene Ainu-Kultur zu retten.
Die Ainu-Kultur ist stark von sibirischen und kurilischen Bräuchen beeinflusst.
Geister, Götter und Bärenrituale bei den Ainu
Naturerscheinungen sind sehr bestimmend im Leben der Ainu. Sie glauben an eine Geisterwelt voller Seelen von gestorbenen Menschen, Tieren und Gegenständen. Die Geister und Götter, auch Kamuy genannt, aus dieser Welt steuern auch unsere tägliche Welt.
Die Schamanen, bei den Hokkaidō-Ainu immer Frauen, haben wenig Ansehen. Sie fungieren nämlich nur als Medium mit der Götterwelt, die älteren Männer des Dorfes nehmen dann mittels Gebet Kontakt mit den Göttern auf, um zu kommunizieren.
Das Bärenfest die Iomante

Das Bärenfest, Iomante, ist das wichtigste Fest bei den Ainu und dauert drei Tage. Während dieses Festes opfern die Ainu einen Bären: Kamuy. Die Seele des getöteten Bären wird zum Berggott gesandt und dieser sorgt für eine Wiedergeburt, wonach das Bärenfleisch und das Fell zum Menschen gehen. Die Vorbereitung der Zeremonie dauert zwei Jahre.
Ein Bärenjunges wird gefangen, eingesperrt und während dieser Zeit gefüttert. Die Ainu töten den Bären während der Iomante, indem sie ihn zwischen zwei Baumstämmen erwürgen. Das Fest, an dem auch Nachbargemeinden teilnehmen, wird mit gemeinsamem Essen, Trinken und Tanzen abgeschlossen.
Der gehäutete Bär hängt an einem Pfahl bei einem Altar und rundherum stehen Inao, geweihte Stöcke. Nicht nur bei den Ainu spielt der Bär eine große Rolle im täglichen Leben, so verehren auch die Orotschen, Wilta und Niwchen das mächtige Tier.
FAQs zum Thema Ainu:
Wie unterscheidet sich die Ainu-Sprache vom Japanischen?
- Die Ainu-Sprache gehört zu den isolierten Sprachen und hat keine Verwandtschaft zum Japanischen. Sie besitzt ein völlig anderes Schriftsystem, andere grammatische Strukturen und einen einzigartigen Wortschatz. Heute wird die Sprache nur noch von wenigen älteren Menschen fließend gesprochen.
Welche traditionellen Handwerke praktizieren die Ainu noch heute?
- Die Ainu sind bekannt für ihre kunstvolle Holzschnitzerei, Textilherstellung und Schmuckfertigung. Besonders die aufwendigen Stickereien auf traditioneller Kleidung und die geschnitzten Bärenfiguren sind charakteristisch für ihre Handwerkskunst und werden noch heute in kulturellen Zentren gelehrt.
Wie steht es um die Anerkennung der Ainu-Rechte in Japan?
- 2008 erkannte die japanische Regierung die Ainu offiziell als indigenes Volk an. 2019 wurde das Ainu-Förderungsgesetz verabschiedet, das ihre Kultur, Sprache und Identität schützt. Trotzdem kämpfen viele Ainu noch immer gegen Diskriminierung und für die vollständige Wiederherstellung ihrer kulturellen Rechte.

Marco Logmans ist ein leidenschaftlicher Japan-Experte, der vor 20 Jahren zum ersten Mal Japan besuchte und dort sieben Jahre lebte und arbeitete. Mit viel Liebe für Japan teilt Marco gerne seine Erfahrungen und Eindrücke in seinen Artikeln.