Ninja & Shinobi: Japans geheime Spione und Kämpfer

Die Shinobi Ninja

Neben den legendären Samurai haben auch die Ninja ihren Ursprung im feudalen Japan während der Herrschaft des Bakufu (Shogunat). Ninja, im Japanischen auch Shinobi genannt, waren spezialisierte Agenten, die im Auftrag ihrer Arbeitgeber, oft mächtige Daimyo oder Shogun, Morde verübten, Informationen sammelten und andere geheime Missionen ausführten. Ein Ninja war daher ein extrem geschickter Kämpfer und oft ein Meister der Verkleidung und Täuschung. Genau wie die Samurai hatten die Ninja ihre eigene Kriegskunst, Ninjutsu, oder „die Kunst des Ninja“.

Ursprung der Shinobi-Agenten

Historische japanische Zeichnung zeigt Ninja beim Klettern an Seil
Ninja-Skizze von Katsushika Hokusai Ninja-Skizze von Katsushika Hokusai (ca. 1800)

Es ist schwierig bis unmöglich festzustellen, wann der erste Ninja seinen Namen erhielt und eingesetzt wurde. Spione oder Geheimagenten werden schließlich überall auf der Welt schon seit Tausenden von Jahren eingesetzt, so auch in Japan. Dennoch gibt es zwei hartnäckige Geschichten, die den Sprung der Zeit überlebt haben und uns mehr über den Ursprung der Shinobi erzählen.

Als erstes die weniger plausible Geschichte. Laut der japanischen Folklore stammen die Shinobi von einem Dämon ab, der halb Mensch und halb Krähe ist. Das siehst du auch in der Ausstattung des Ninja wieder, die dominant schwarz ist. Diese Folklore-Geschichten siehst du oft in der japanischen Kultur, aber sie haben oft einen realistischeren anderen Ursprung.

Eine realistischere Geschichte ist, dass Flüchtlinge aus China, wo im 10. Jahrhundert ein heftiger Bürgerkrieg herrschte, einen großen Einfluss hatten. Sie brachten neue Kampftaktiken (Vergiftung und Verführung) und Philosophien mit sich, die die Ninja anschließend übernahmen. Auch chinesische Mönche fanden zu dieser Zeit ihren Weg nach Japan und lehrten ihre Kampfmethoden wiederum den japanischen Ninja.

Bunter Ukiyo e Druck zeigt Ninja Kämpfer mit großem Drachen
Jiraiya Goketsu Monogatari der Ninja Jiraiya Goketsu Monogatari der Ninja im Kampf (ca. 1830)

Auf dem Papier finden wir die ersten Erwähnungen der Ninja im 12. Jahrhundert. Nämlich während der Gründung der ersten „Ninja-Schule“ durch die Kinder von Diasuke Togakure, einem ehemaligen Samurai. Togakure entwickelte zusammen mit Kagakure Doshi, einem chinesischen Mönch und Krieger, eine Theorie für Guerilla-Kriegsführung, genannt Ninjutsu.

Togakures Nachkommen gründeten anschließend Japans erste Ninja-Schule, die Togakure Ryu genannt wurde. Während derselben Periode wurden auch zwei andere Ninja-Schulen in der Iga-Provinz gegründet, die Iga Ryu und die Koga Ryu.

Einfluss auf die Geschichte Japans

Erst in der turbulenten Epoche zwischen 1336 und 1467 begannen die Shinobi eine immer wichtigere Rolle zu spielen. In dieser Periode des permanenten Konflikts waren Ninja ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt in verschiedenen Kriegen, einschließlich der Nanbu Kucho-Kriege (1336-1392) und des Onin-Krieges (1460).

Ukiyo e Kunstdruck zeigt lächelnden Samurai mit zwei Schwertern
Shogun Oda Nobunaga (織田 信長) Shogun Oda Nobunaga (織田 信長)

Auch während der Sengoku-Periode (1467-1603) hatten die Shinobi viel Einfluss. Der legendäre Gründer Japans, Oda Nobunaga beispielsweise, sah die Ninja als eine der größten Bedrohungen für seine Herrschaft. Daraufhin beschloss Nobunaga, die Ninja in Iga und Koga anzugreifen. Sie wurden besiegt und diejenigen, die den Kampf überlebt hatten, flohen in die Berge. Von hier aus führten sie noch regelmäßig Guerilla-Angriffe auf Versorgungsrouten durch.

Seitdem nahm der Einfluss der Ninja stetig ab. Aber trotz der Tatsache, dass ihre Heimatbasen in Iga und Koga zerstört waren, hatten sie durchaus noch ein Wörtchen mitzureden. So dienten Ninja während des 15. und 16. Jahrhunderts in verschiedenen Kriegen und Konflikten. Ab 1617 war die turbulente Periode jedoch vorbei. Tokugawa Ieyasu hatte ganz Japan vereint und läutete mit der Gründung des Tokugawa-Shogunats die friedliche Edo-Periode ein. Diese neue Periode brachte Frieden, Stabilität und Wohlstand für mehr als 200 Jahre, wodurch die Nachfrage nach den Diensten von Ninja erheblich abnahm.

Die Bedeutung von „Ninja“

Zwei Ninjas in schwarzer Kleidung posieren mit hölzernem Karren und Fahne
Japanische Shinobi Japanische Shinobi (cc Flickr Didier)

Das Wort Ninja ist eine Zusammenziehung der Wörter „nin“ und „ja“. „Nin“ ist Japanisch für „durchhalten“ und steht auch synonym für „heimlich bewegen“. „Ja“ ist einfach die zusammengefügte Form von „sha“, was Japanisch für „Person“ ist. Ninja kann daher grob als „heimliche Person“ oder „sich geheim bewegende Person“ übersetzt werden; beide Übersetzungen treffen den Kern der Sache!

Ninjutsu: „Die Kunst des Ninja“

Ninjutsu ist die Kriegskunst der Shinobi. Es ist eine alte Form der Guerilla-Kriegsführung. Obwohl die Kunst erst im 12. Jahrhundert niedergeschrieben wurde, wurden die Prinzipien des Ninjutsu bereits seit dem 6. Jahrhundert angewendet.

Die Kriegskunst war ursprünglich eine Sammlung von Überlebenstechniken, die in Kriegszeiten notwendig waren. Denke hierbei an Methoden für das Sammeln von Informationen und allerlei Techniken für Verkleidung, Ausweichen und Täuschung. Darüber hinaus wurden Ninja in Freerunning, Tarnung, Bogenschießen und sogar Medizin ausgebildet.

Im Allgemeinen hatten Ninja vier zentrale Aufgaben: Spionage, Sabotage, Mord und psychologische Kriegsführung. Um ihre Aufgaben zu erfüllen, nutzten sie verschiedene Taktiken, die in vier Kategorien unterteilt waren: Feuer (katon-no-jutsu), Holz/Wald (mokuton-no-jutsu), Wasser (suiton-no-jutsu) und Erde (doton-no-jutsu).

Waffen der Ninja

Verschiedene Shuriken Wurfsterne stecken in Holzbrett
Ninja-Waffen (cc Flickr mg sn)

Die wichtigste Waffe des Ninja war die Katana. Darüber hinaus nutzten Shinobi verschiedene Pfeile, Wurfmesser und sternförmige Gegenstände. Diese sind auch als Shuriken bekannt. Ninja waren außerdem geschickte Bogenschützen (genau wie die Samurai) und nutzten Sprengstoff, handgemachte Granaten und Landminen. Einige bekannte Ninja-Waffen waren:

  • Yumi-Langbogen (弓): Die Yumi ist ein traditioneller japanischer Bogen, der von verschiedenen japanischen Kriegern verwendet wurde. Ninja nutzten eine etwas kleinere Variante der Yumi. Diese konnten sie leichter verbergen, aber dennoch verwenden, um Feinde über große Entfernungen auszuschalten.
  • Kusarigama (鎖鎌): Eine Kusarigama ist eine Sichel mit einer Kette. Es ist eine traditionelle japanische Waffe, die verwendet wurde, um Feinde zu entwaffnen und anschließend zu töten.
  • Makibishi (撒菱): Makibishi ist die japanische Variante eines Krähenfußes, auch Fußangel genannt. Es wurde verwendet, um Wunden an den Füßen von Gegnern zu verursachen. Makibishi waren nicht nur gegen Fußsoldaten effektiv, sondern auch gegen Gegner zu Pferde.
  • Gift: Nicht nur physische Waffen wurden von den Shinobi-Agenten eingesetzt, sondern Gift war ein beliebtes Mittel, um Gegner um die Ecke zu bringen.
  • Fukiya (吹き矢): Eine Fukiya ist ein japanisches Blasrohr. Mit diesem Blasrohr feuerten Ninja 20 Zentimeter lange Pfeile, Fukibari, ab. Ninja nutzten unter anderem Pfeile mit Gift und verwendeten das Blasrohr auch als Ablenkungsmanöver.
  • Happō: Technisch gesehen ist ein Happō keine echte Waffe. Es ist eine kleine Granate, gefüllt mit Metsubushi, einer pulverigen Substanz, die vorübergehend blendet. Diese wurden unter anderem verwendet, um Gegner abzulenken und zu blenden, damit der Ninja entkommen konnte.

Auf der großen und kleinen Leinwand

Obwohl die Ninja heutzutage nicht mehr existieren, sind sie immer noch unglaublich populär. So gibt es zahlreiche Filme über Ninja oder in denen sie vorkommen. Besonders in den 80er Jahren wurden viele Hollywood-Filme über die japanischen Shinobi gedreht. Denke beispielsweise an „The Octagon“ mit Chuck Norris, die American Ninja-Filmreihe und „Rage of Honor“. Neuere Filme, in denen Ninja vorkommen, sind „Wolverine: Weg des Kriegers“ („The Wolverine“), „Ninja Assassin“, „Teenage Mutant Ninja Turtles“, „Last Samurai“ („The Last Samurai“) (der wirklich überhaupt kein Bild der Realität wiedergibt) und „The Lego Ninjago Movie“.

Natürlich dürfen wir das Anime-Filmgenre nicht vergessen. Verschiedene populäre Anime wie Naruto, Basilisk, Ninja Scroll: The Series und Sengoku Basara: Judge End drehen sich um die Shinobi. Auch in Videospielen sind die Ninja überall populär und zu finden, von Mortal Kombat bis „Sekiro: Shadows Die Twice“ und von The Messenger bis „Shadow Tactics: Blades of the Shogun“.

Mythen und Fabeln über die Ninja

Ninja sprechen sehr zur Vorstellungskraft. Das hat dazu geführt, dass verschiedene Mythen über die mysteriösen japanischen Geheimagenten existieren.

„Die Ninja waren immer schwarz gekleidet“

Drei Geishas in bunten Kimonos mit traditioneller Gesichtsbemalung und Blumenschmuck im Haar
Geisha im Kimono könnte auch ein Ninja sein

Natürlich sieht ein vollständig schwarz gekleideter Ninja mit Kapuze und ein paar gekreuzten Schwertern auf dem Rücken großartig in einem Film oder Spiel aus, aber in der Realität würde so ein Outfit ziemlich auffallen. Die schwarze „Shinobi Shozoku“-Uniform, die wir mit dem Ninja assoziieren, entstand durch Geschichten und Theaterstücke aus der Edo-Periode. In Wirklichkeit trugen die Ninja zahlreiche verschiedene Outfits, abhängig von ihrer Mission. Da Täuschung ein großer Bestandteil der Angriffspraktiken war, unterschied sich die Kleidung oft nicht von der des normalen Japaners aus dem feudalen Japan. So konnte eine Geisha in vollständigem Kimono durchaus auch ein Ninja sein.

„Ninja nutzten ein spezielles Schwert, genannt Ninjatō“

Katana und Wakizashi Schwerter auf Holzständer in Wohnzimmer
Katana und Wakizashi

Das ist einer der häufigsten Fehler, wenn es um Ninja-Ausrüstung geht. In vielen Filmen siehst du Ninja kurze, gerade Schwerter verwenden. Diese Schwerter werden auch Ninjatō genannt. Aber was stellt sich heraus? Die Schwerter haben nie wirklich existiert! Genau wie die Samurai nutzten die Shinobi Katana. Es stimmt jedoch, dass Ninja am liebsten die etwas kleineren Katana namens Wakizashi oder Kodachi verwendeten.

„Die Samurai und Shinobi waren Feinde voneinander“

Nahaufnahme einer schwarzen Samurai Maske mit Familienwappen
Samurai-Maske

Es stimmt tatsächlich, dass Samurai und Ninja manchmal Feinde voneinander waren. Aber die Geschichtsbücher erzählen uns, dass die gegenseitige Beziehung zwischen den Samurai und Shinobi viel komplexer war. So waren manche Samurai auch Ninja und kämpften sie regelmäßig Seite an Seite. Den Samurai musst du eigentlich mehr als einen Beamten von heute sehen. Der hatte neben politischen Aufgaben auch Vollstreckung und Kriegsführung in seinem Aufgabenbereich.

Mehr wissen?

Weckt dieser Artikel Appetit auf mehr? Es gibt noch wahnsinnig viel mehr Informationen über die legendären Ninja zu finden! Von Dokumentationen bis zu Museen und von Büchern bis zu Spielfilmen. Empfehlenswert sind das Buch „The Book of Ninja: The Bansenshukai“, das Iga-ryu Ninja House-Museum in Iga und die „Age of Samurai: Battle for Japan“-Dokumentarserie auf Netflix über die Einigung Japans.

FAQs zum Thema Ninja:

Wie wird man ein Ninja?

  • Heutzutage ist es nicht wirklich mehr möglich, ein Ninja zu werden. Früher im feudalen Japan konntest du bekannte Kampfkunstschulen wie die Togakure Ryu besuchen, die dich zum Ninja ausbildeten. Willst du heutzutage die Kampftechniken eines Ninja beherrschen, dann kannst du am besten mit Ninjutsu beginnen. Das ist die Kampfkunst der Ninja-Krieger.

Woher kommt der Begriff Ninja?

  • Das Wort „Ninja“ bedeutet wörtlich heimliche Person. Das kommt daher, dass die Ninja oft Meuchelmörder waren. Lies hier alles über die Bedeutung von Ninja.

Wie lange dauerte die Ausbildung zum Ninja im feudalen Japan?

  • Die Ausbildung zum Ninja begann meist im Kindesalter und dauerte 15-20 Jahre. Dabei lernten die Schüler nicht nur Kampftechniken, sondern auch Schauspielerei, verschiedene Handwerke, Medizin und sogar Wettervorhersage, um perfekt getarnt operieren zu können.

Gab es auch weibliche Ninja in Japan?

  • Ja, weibliche Ninja wurden „Kunoichi“ genannt und waren besonders geschickt in der Spionage. Sie nutzten ihre gesellschaftliche Rolle als Geishas, Dienstmädchen oder Ehefrauen, um unerkannt an Informationen zu gelangen und waren oft tödlicher als ihre männlichen Kollegen.

Welche besonderen Fähigkeiten besaßen Ninja neben dem Kämpfen?

  • Ninja waren Meister der Meteorologie und konnten Wetterveränderungen vorhersagen, beherrschten verschiedene Dialekte perfekt, waren geschickte Schlosser und Einbrecher, konnten stundenlang regungslos verharren und beherrschten sogar die Kunst der Hypnose und psychologischen Manipulation.

Marco Logmans ist ein leidenschaftlicher Japan-Experte, der vor 20 Jahren zum ersten Mal Japan besuchte und dort sieben Jahre lebte und arbeitete. Mit viel Liebe für Japan teilt Marco gerne seine Erfahrungen und Eindrücke in seinen Artikeln.

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