Fukushima heute: Strahlung, Sperrzone & Tourismus

Die Kernkatastrophe von Fukushima

Am 11. März 2011 ereignete sich eine Kernschmelze im japanischen Daiichi-Kernreaktor infolge eines alles zerstörenden Tsunamis in der Präfektur Fukushima. Die Schäden, die der Tsunami am Reaktor anrichtete, waren beispiellos und schnell zogen Analysten Vergleiche zur Kernkatastrophe von Tschernobyl 1986. Aber wie steht es jetzt um die Strahlung in und um Fukushima und die spezielle Exclusion Zone? Ein Blick darauf, wie sich die Fukushima-Hochrisikozone von einem Katastrophengebiet zu einer touristischen Attraktion in Japan gewandelt hat.

Der Weg zur Fukushima-Kernkatastrophe

Tsunami-Schäden in der Präfektur Fukushima / Public domain

Am 11. März 2011 ereignete sich nicht weit vor der Küste der japanischen Stadt Sendai ein beispiellos schweres Seebeben mit einer Stärke von 9,0 auf der Richterskala. Das Beben wurde bis nach Tokio auf den Seismographen gespürt und kündigte eigentlich direkt Unheil an. Glücklicherweise ist Japan kein Fremder bei Erdbeben und die großen Städte sind vollständig darauf ausgerichtet und mit speziellen Verstärkungen gebaut, um den Erschütterungen zu widerstehen. So bereitet sich Tokio schon seit Jahren auf „the big one“ vor. Worauf sie in Fukushima jedoch nicht vorbereitet waren, war der gigantische Tsunami infolge des Seebebens.

Fukushima-Tsunami, Gedenken 2011 / Foto: humanosphere.org

Dieser Tsunami brachte Wellen von etwa 15 Metern mit sich, gegen die die Wellenbrecher des Daiichi-Kernreaktors leider nichts ausrichten konnten. Der zerstörerische Schlag der Welle verursachte so viel Schaden an den Kühlsystemen des Kernkraftwerks, dass es zu einer Kernschmelze in den drei Kernreaktoren kam. Die Ereignisse danach sind Geschichte geworden und werden mit der Tschernobyl-Kernkatastrophe verglichen. Es sind beide Kernkatastrophen der Stufe 7, was zugleich die höchste ist.

Die Evakuierung in Fukushima rund um das Kernkraftwerk

Luftaufnahme des gesamten Fukushima Daiichi-Kernkraftwerks vor der Katastrophe, mit allen sechs Reaktorblöcken intakt am Meer gelegen
Das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi vor der Katastrophe / Foto: AP Photo/ Yasushi Kanno

Sehr schnell nach der Katastrophe sah die japanische Regierung, dass die Strahlung eine Gefahr für die Volksgesundheit werden würde. Es wurde praktisch sofort eine Evakuierung einer 20-km-Zone um das Fukushima-Kraftwerk geplant. Dieses Gebiet wurde später auf 30 km erweitert, da die Gefahr der Strahlung doch höher war als die zugelassene jährliche Dosis von 20 mSv (Sievert-Dosis, auch ionisierende/radioaktive Strahlung genannt). Dies führte dazu, dass etwa 156.000 Menschen ihre Haushalte sofort verlassen mussten und dabei alle persönlichen Gegenstände zurücklassen mussten, da diese radioaktiv geworden waren.

Eine Infografik über Strahlungsdosen, die die verschiedenen Gefahrenstufen erklärt
Radioaktivitätswerte

Zu diesem Zeitpunkt waren die Folgen der Katastrophe noch nicht gut zu überblicken. Vor allem auch durch die Schäden, die der Tsunami in der gesamten Präfektur Fukushima angerichtet hatte. Später hat die Regierung einer begrenzten Anzahl von Menschen in den Grenzregionen erlaubt, persönliche Sachen zu holen oder sogar ganz in die Region zurückzukehren.

Die zerstörten Fukushima-Reaktoren nach dem Tsunami
Kernkraftwerk Daiichi nach dem Tsunami / AP Photo/AIR PHOTO SERVICE

Die schnelle Evakuierung der Gefahrenzone sorgte glücklicherweise für wenige direkte Opfer, es ist bis heute ein Todesfall als direktes Ergebnis der Strahlung bekannt. Allerdings sind mehrere Personen mit Strahlenkrankheiten bekannt, die auf die Fukushima-Kernkatastrophe zurückzuführen sind.

Die Strahlungskarte Japans, die zeigt, dass nur ein begrenztes Gebiet um Fukushima betroffen ist, während Tokio und andere große Städte völlig sicher sind
Kontrollraum eines Kernkraftwerks / AP Photo/Tokyo Electric Power Co.

Der Tsunami, der das Daiichi-Kernkraftwerk zerstörte, hat allerdings mehr als 18.000 Menschen in der Fukushima-Region das Leben gekostet. Viele Menschen verwechseln diese Zahl oft fälschlicherweise mit der Todesopferzahl der Kernkatastrophe.

Der aktuelle Zustand der Region und Strahlungsniveaus

Ein zerstörtes Reaktorgebäude in Fukushima nach der Katastrophe - die Explosion hat das Gebäude schwer beschädigt und Wasserdampf steigt auf
Der zerstörte Fukushima-Atomreaktor Block 4 / AP Photo/Tokyo Electric Power Co.

Genau wie wir es schon öfter beim Kernkraftwerk von Tschernobyl gesehen haben, ist die japanische Regierung intensiv dabei, die kaputten Kernreaktoren von Daiichi abzudecken und starke wasserdichte Mauern darum zu bauen. Dies um sicherzustellen, dass die radioaktive Flüssigkeit beziehungsweise verseuchtes Wasser nicht in den Ozean oder ins Land leckt. Außerdem sorgt es natürlich dafür, dass die Strahlung begrenzt bleibt und die Umgebung langsam wieder sicherer für Menschen wird.

Verlassene Orte in der Exclusion Zone Luftansicht
Kernkraftwerk Daiichi nach der Nuklearkatastrophe 2011 / AP Photo/AIR PHOTO SERVICE

Neben der Abdeckung und Ummauerung des Daiichi-Kraftwerks ist Tepco, das Unternehmen hinter dem Kernkraftwerk, auch dabei, den radioaktiven Brennstoff aus dem Kraftwerk zu entfernen. Tepco erwartet, dass es noch etwa 30-40 Jahre dauern wird, bis der radioaktive Abfall vollständig beseitigt ist. Das Gebiet drumherum wird daher für mindestens diese Zeit unbewohnbar bleiben.

Aktuelle Strahlung rund um Fukushima

Die Strahlungskarte Japans, die zeigt, dass nur ein begrenztes Gebiet um Fukushima betroffen ist, während Tokio und andere große Städte völlig sicher sind
Radioaktive Strahlung in Japan

Wenn du die aktuelle Strahlung im Gebiet rund um das Daiichi-Kraftwerk betrachten möchtest, ist dies eine schöne Live-Karte, die genau anzeigt, was das radioaktive Gebiet in Japan ist. Auf dem Foto oben siehst du, dass die Region um Fukushima gelb färbt, was ein höheres Strahlungsniveau bedeutet. Was du ebenfalls auf dieser Strahlungskarte sehen kannst, ist, dass es völlig sicher in Tokio und anderen großen japanischen Städten ist. Es ist ein relativ begrenztes Gebiet, das radioaktiv verseucht wurde.

Die Fukushima Exclusion Zone

Verlassene Gebäude (Sporthalle) in der Sperrzone, die in der Zeit von 2011 "eingefroren" sind und das post-apokalyptische Szenario zeigen, das Touristen anzieht.
Fukushima-Sperrzone sporthal / Flickr † Rebecca Bathory †

Die No-Go-Area beziehungsweise Exclusion Zone hat für viele Menschen eine gigantische Anziehungskraft. Denn die Umgebung bringt dich vielleicht am nächsten an eine post-apokalyptische Stadt, die du normalerweise nur in Filmen siehst. Die Natur hat freies Spiel und erobert in schnellem Tempo das Land zurück. Jeder kennt die Bilder der Umgebung rund um Tschernobyl, die verlassenen Wohnungen, Spielplätze und Regierungsgebäude, die langsam bewachsen werden und wo die wilden Tiere nun in den Häusern wohnen. Dasselbe sehen wir jetzt schon in der Fukushima Exclusion Zone geschehen, die Natur bekommt wieder die Oberhand und verlassene Städte sind in der Zeit des Katastrophenjahres 2011 eingefroren.

Verlassene Orte in der Exclusion Zone Straßen
Verlassenes Dorf in der Sperrzone von Fukushima / Flickr Jussi Toivanen

Wie verrückt es auch klingt, da es einer der gefährlichsten Orte auf der Erde für den Menschen ist, scheint die Fukushima Exclusion Zone auch eine große Anziehungskraft zu haben. Das Mysteriöse einer verlassenen Stadt, eingefroren in der Zeit, spricht die Fantasie vieler an.

Ein Geigerzähler in der Sperrzone, der die Strahlungswerte misst - wie im Text über die Fukushima-Exkursionen beschrieben

So ist ein aufkommender Ausflug, der unter Touristen aus Tokio populär ist, ein Besuch der Fukushima Exclusion Zone. Herumlaufend mit einem Geigerzähler besuchst du Teile der Zone, die von der Regierung als Übergangszone freigegeben wurden. Hier ist es relativ sicher, aber es wird davon abgeraten, permanent zu verweilen, da die radioaktive Strahlung noch immer zu hoch ist, wodurch die Chance auf ernste Krankheiten groß ist. Wir haben den Fukushima-Ausflug noch nicht gemacht. Solltest du diesen schon erlebt haben, dann hören wir gerne, wie es ist.

Verlassene Gebäude (Supermarkt) in der Sperrzone, die in der Zeit von 2011 "eingefroren" sind und das post-apokalyptische Szenario zeigen, das Touristen anzieht.
Fukushima-Sperrzone – Bob Thissen

Programme wie Dark Tourist auf Netflix und der mega populäre Urbex-Kanal des Niederländers Bob Thissen nähren diesen Tourismus und sorgen für einen Impuls in der Region. Es wurde sogar ein Film über die Kernkatastrophe gemacht, nämlich Fukushima 50 aus 2020. Obwohl wir diesen Film nicht sehr gut fanden, gibt er einen Einblick darin, wie sich die Katastrophe abspielte. Die Mini-Serie Tschernobyl können wir übrigens empfehlen, solltest du dich für Katastrophen mit nuklearem Hintergrund interessieren.

Einige verlassene und einzigartige urbane Erkundungsorte (Urbex) in Japan, die man nicht so leicht erreichen kann.

Einige Fragen bezüglich der Katastrophe und der Region

Wieviel Schaden haben der Tsunami und die Kernkatastrophe angerichtet?

  • Der Schadensbetrag des Tsunamis von 2011 beträgt etwa 360 Milliarden Dollar, wovon etwa 200 Milliarden Dollar für die Beseitigung des radioaktiven Abfalls und die Abdeckung des Kernkraftwerks ausgegeben werden müssen. Die japanische Regierung und Tepco vermuten, dass die Kosten noch steigen können, da die Beseitigung noch in vollem Gange ist.

Besteht Strahlungsgefahr in Tokio durch die Fukushima-Kernkatastrophe?

  • Nein, die radioaktive Strahlung, die aus dem Daiichi-Kernreaktor kommt und für Menschen giftig ist, hat sich auf ein Gebiet mit einem Radius von etwa 30 km beschränkt. Tokio liegt in einer Entfernung von etwa 250 km Luftlinie und die heutzutage gemessene Strahlung ist gleich der in Deutschland, also völlig sicher.

Welche Städte wurden von der Kernkatastrophe betroffen?

  • Trotz des Namens, den die Kernkatastrophe trägt, ist die Stadt Fukushima relativ sicher vor der entwichenen radioaktiven Strahlung geblieben. Die Katastrophe hat den Namen Fukushima erhalten, weil sie in der Präfektur stattfand, die denselben Namen wie die Hauptstadt Fukushima trägt. Die folgenden Städte wurden schwer von der Strahlung getroffen und liegen in der Exclusion Zone: Ottozawa, Higashidai, Koirino, Chojahara, Hosoya und Koriyama. Auch gibt es Risikogebiete wie um die Städte Futaba, Okuma und Namie.

Wieviele Todesfälle gab es durch die Fukushima-Kernkatastrophe?

  • Bis heute ist ein Todesfall als direkte Folge der Kernkatastrophe und der tödlichen Strahlung gefallen, dank der schnellen Evakuierung. Viele Menschen verwechseln die Todesopferzahl (±18.000) des tödlichen Tsunamis, der die Kernschmelze verursachte, oft mit der der Fukushima-Kernkatastrophe. Allerdings sind mehrere Fälle von Menschen bekannt, die Strahlenkrankheiten erlitten haben und auf die Daiichi-Kernkatastrophe zurückzuführen sind.

Welche Kernkatastrophe war schlimmer, die von Fukushima oder Tschernobyl?

  • Laut der International Atomic Energy Agency (IAEA) ist bei der Fukushima-Katastrophe weniger Radioaktivität in die Atmosphäre gelangt als bei der von Tschernobyl. Dies, obwohl die Katastrophen auf Stufe 7 klassifiziert sind, der höchsten Stufe bezüglich Kernkatastrophen.

Dieser Artikel wurde von Raoul de Boer geschrieben

Marco Logmans ist ein leidenschaftlicher Japan-Experte, der vor 20 Jahren zum ersten Mal Japan besuchte und dort sieben Jahre lebte und arbeitete. Mit viel Liebe für Japan teilt Marco gerne seine Erfahrungen und Eindrücke in seinen Artikeln.

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