Die japanische Geschichte ist voller interessanter, einflussreicher und legendärer Personen und Schlachten. Besonders die vielen Shoguns, Kaiser und Samurai haben ihre Spuren im „Land der aufgehenden Sonne“ und auch in der Welt hinterlassen. Aber welche Shoguns, Kaiser oder Krieger waren nun am einflussreichsten oder wichtigsten für Japan?
Der Unterschied zwischen einem Shogun, Kaiser und den Samurai
Bevor wir auf diese fast mythischen historischen Gestalten eingehen, ist es wichtig, zwischen den verschiedenen Funktionen, die sie ausübten, und den dazugehörigen Bezeichnungen zu unterscheiden. Viele Titel überschneiden sich nämlich:
- Kaiser (天皇): Der japanische Kaiser spielt vor allem eine religiöse Rolle (etwas wie der Papst), war aber dennoch sehr einflussreich im feudalen Japan.
- Shogun (将軍): Bei dem japanischen Shogun lag die tatsächliche Macht, da der Shogun der militärische Herrscher Japans war und über die mächtigen Landherren namens Daimyo (大名) regierte.
- Samurai (侍): Samurai ist ein Sammelbegriff für die legendäre japanische Kriegerklasse. Diese Elitesoldaten dienten vom 12. Jahrhundert bis zum Ende des 19. Jahrhunderts den Shoguns von Japan. Der Shogun gehörte selbst meist auch zu dieser Klasse, da ein Samurai meist zum Shogun aufstieg, je höher seine militärischen Ränge wurden.
11. Kaiser Antoku 安徳天皇 (1178-1185)

Kaiser Antoku, der nur sieben Jahre lang herrschte (von 1178 bis 1185), war einer der jüngsten japanischen Kaiser. Er bestieg den „Chrysanthementhron“ nämlich, als er nur zwei (!) Jahre alt war. Viel Macht hatte er daher auch nicht, die lag hauptsächlich bei seinem Großvater, Shogun Taira no Kiyomori. Antokus Herrschaft war von kurzer Dauer. Während eines großen Konflikts zwischen den Taira- und Minamoto-Clans starb der junge Kaiser, als er versuchte, einer verlorenen Seeschlacht zu entkommen. Zusammen mit seiner Großmutter Tokiko, der Ehefrau von Taira no Kiyomori, ertrank er. Sein Körper und das legendäre Schwert, das er trug, wurden nie gefunden.
10. Kaiser Ninkō 仁孝天皇 (1800-1846)

Kaiser Ninko war der 120. Kaiser Japans und regierte von 1817 bis 1846. Eine erheblich längere Zeit als der piepjunge Antoku, aber nicht weniger hektisch. Ninkos Herrschaft stand nämlich völlig im Zeichen von Korruption, Krankheit und der langsam aber sicher abnehmenden Macht des Kaisers, Shoguns und der Samurai-Klasse.
Unter anderem westlicher Einfluss sorgte dafür, dass die japanische Bevölkerung das Vertrauen in den Kaiser verlor. Außerdem hatte Ninko auch persönlich viel zu tun: Er hatte insgesamt 15 Kinder, von denen zwölf in jungen Jahren starben. Auch durch Kaiser Ninkos Herrschaft war der Beginn der sogenannten Bakumatsu – das Ende der Militärregierung – nahe. Nach seinem Tod wurde er von seinem Sohn, Prinz Osahito, abgelöst.
9. Toyotomi Hideyoshi 豊臣 秀吉 (1536-1598)

Toyotomi Hideyoshi ist einer der sogenannten „Three Unifiers of Japan“ (Drei Einiger Japans). Zusammen mit den Samurai-Kriegern Oda Nobunaga und Tokugawa Ieyasu spielte Toyotomi eine wichtige Rolle in der blutigen Periode von 1467 bis 1600.
Hideyoshi begann als Soldat unter Nobunaga, wurde aber dank seines strategischen Einblicks schnell einer von Nobunagas vertrauenswürdigsten Generälen. Nach Nobunagas Tod übernahm Hideyoshi seinen Platz als Anführer der Samurai.
1590 konnte Hideyoshi Nobunagas Traum verwirklichen und vereinigte ganz Japan. Neben einem erfolgreichen Militärführer war Hideyoshi ein großer Liebhaber von Kunst und Kultur. So ging er bei „Tea Master“ Sen no Rokyu in die Lehre, um die japanische Teezeremonie zu erlernen.
Obwohl Toyotomi Hideyoshi als eine der wichtigsten und einflussreichsten Personen der japanischen Geschichte gilt, kann Hideyoshi auch als strenger Diktator betrachtet werden. Nachdem er an die Macht gekommen war, verstärkte er das ungleiche japanische Klassensystem, nahm Bauern die Waffen weg und machte soziale Mobilität praktisch unmöglich. Auch hatte er eine immer größer werdende Machtgier. Kurz vor seinem Tod startete er beispielsweise eine (gescheiterte) Invasion Koreas.
8. Tokugawa Ieyasu 徳川家康 (1543-1616)

Tokugawa Ieyasu war einer der drei Einiger Japans und ein General unter dem legendären Kriegsherrn Oda Nobunaga. Nach dem Tod von Nobunaga und später Hideyoshi versuchte Ieyasu, die Macht zu übernehmen. Andere hochrangige Kriegsherren waren damit alles andere als einverstanden, wodurch erneut ein großer, blutiger Konflikt ausbrach.
Bei der wichtigsten Schlacht in diesem Konflikt, der Schlacht bei Sekigahara, nahmen laut den Geschichtsbüchern mehr als zweihunderttausend Truppen teil! Schließlich konnte Ieyasu 1615 seine Gegner besiegen und gründete seine neue Regierung, das Tokugawa-Shogunat, in der Stadt Edo, dem heutigen Tokyo. Nachdem er Japan unter seiner Flagge vereinigt hatte, wurden die Samurai deutlich einflussreicher und die Samurai-Philosophie, genannt Bushido, wurde offiziell festgelegt.
7. Kaiser Kammu 桓武天皇 (735-806)

Kaiser Kammu war einer von Japans mächtigsten Kaisern und der Begründer der Heian-Zeit in der japanischen Geschichte. Kammu ist unter anderem verantwortlich für die Zentralisierung der Macht im Land und die Verlegung der Hauptstadt nach Kyoto. Auch schränkte er die Macht der Buddhisten ein, obwohl er selbst ein fanatischer Buddhist war.
Indem er seine Macht nutzte, um Japan zu einem effizienteren, besseren und stabileren Land zu machen, legte er den Grundstein für die wohlhabende Heian-Zeit. In dieser Zeit entwickelte Japan einen wichtigen Teil seiner reichen, vielfältigen Kultur, einschließlich ihrer Dichtkunst und Literatur.
6. Yasuke 弥助 (circa 1540-unbekannt)

Die Geschichte des Samurai-Kriegers Yasuke ist sehr besonders. Yasuke war nämlich ein afrikanischer Sklave, der 1579 von dem jesuitischen Missionar Valignano nach Japan gebracht wurde.
Nie zuvor hatte jemand afrikanischer Herkunft japanischen Boden betreten, also sorgte seine Anwesenheit für viel Aufregung und Sensation. Während seines Aufenthalts traf er Oda Nobunaga, der so beeindruckt von seiner Kraft und Statur war – Yasuke war fast 1,90 Meter groß – dass er ihn zu seinem Leibwächter machte. 1581 wurde Yasuke offiziell zum Samurai. Nach Nobunagas Tod 1582 zog er sich als Krieger zurück. Sein Schicksal seitdem ist unbekannt.
5. Miyamoto Musashi 宮本 武蔵 (1584-1645)

Miyamoto Musashi ist vielleicht der bekannteste Samurai. Eigentlich ziemlich merkwürdig, da er nie ein echter Samurai war! Offiziell gehört er also nicht auf diese Liste. Trotzdem konnten wir ihn nicht weglassen.

Miyamoto Musashi in Kampf mit Nue Miyamoto Musashi in Kampf mit Nue
Musashi ist nämlich einer der berühmtesten und berüchtigtsten Schwertkämpfer der japanischen Geschichte. Er gewann nicht weniger als 60 Duelle, gründete verschiedene Schwertkampfschulen und schrieb sogar ein Buch, „The Book of Five Rings“ („Das Buch der fünf Ringe“). Auch nahm Musashi an verschiedenen Kriegen um das Jahr 1600 teil, aber es ist unbekannt, auf wessen Seite.
Besonders einflussreich war Musashi nicht, aber seine Geschichte spricht enorm zur Fantasie und wurde daher mehrfach verfilmt.
4. Kaiser Meiji 明治天皇 (1852-1912)

Meiji war Kaiser während der Zeit, als Japan den Übergang von einem feudalen Land zu einer industriellen Großmacht machte. Mit der Annahme der „Charter Oath of Five Principles“ 1868 steuerte Meiji die Verwestlichung Japans an.
Er selbst war auch ein großer Befürworter der westlichen Kultur. So aß er gerne westliches Essen und trug öffentlich westliche Kleidung statt der traditionellen japanischen Gewänder.
1912, dem Jahr seines Todes, war Japan völlig transformiert und sogar zu einem der mächtigsten Staaten der Erde aufgestiegen. Nach seinem Tod schrieb die The New York Times treffend über sein Vermächtnis: „the contrast between that which preceded the funeral car and that which followed it was striking indeed. Before it went old Japan; after it came new Japan.“
Heute kannst du eine gigantische Ehrung für Kaiser Meiji mitten in Tokyo finden, nämlich den berühmten Meiji-Schrein.
3. Oda Nobunaga 織田 信長 (1534-1582)

Oda Nobunaga ist der Samurai-Krieger, der von den Japanern am meisten respektiert wird. Neben einem genialen Strategen und Kriegsherrn war Nobunaga nämlich persönlich verantwortlich für die Vereinigung Japans und die Beendigung der sogenannten „Warring States Period“ (Zeit der streitenden Reiche).
Nobunaga bildete zusammen mit den bereits erwähnten Hideyoshi und Ieyasu die „Three Unifiers of Japan“. Nobunaga konnte den Süden Japans vereinigen und schien auf dem Weg zu sein, das ganze Land zu vereinigen. 1581 wurde er jedoch verraten und starb. Sein Vertrauter Toyotomi Hideyoshi vollendete, was Nobunaga begonnen hatte, und konnte Japan 1590 vereinigen.
2. Saigō Takamori 西郷 隆盛 (1828-1877)

Fan des Films „The Last Samurai“ („Der letzte Samurai“)? Wie du vielleicht weißt, basiert die Geschichte dieses Films auf einer wahren Begebenheit! Dieser Film basiert auf Saigo Takamori, einem der einflussreichsten Samurai der japanischen Geschichte.
Er war einer der Anführer der Meiji-Restauration, einer Revolution, um dem Kaiser wieder zur Macht zu verhelfen. Infolgedessen kam Kaiser Meiji an die Macht und Japan industrialisierte sich rasend schnell. Takamori war nicht glücklich mit der Verwestlichung Japans. Er widersetzte sich beispielsweise aktiv dem Bau von Eisenbahnen und Fabriken.
Aus Unzufriedenheit trat Takamori zurück, ebenso wie viele andere Samurai-Krieger. Zusammen mit ihnen führte er die Satsuma-Rebellion gegen die Zentralregierung und Kaiser Meiji an – etwas, was im Film zu sehen ist.
Genau wie im Film wurde die Rebellion im Keim erstickt und starb Saigo Takamori während einer großen Schlacht, der „Battle of Shiroyama“. Wegen seines Kampfes gegen die (unvermeidliche) Verwestlichung und für die alten Samurai-Ideale wird Saigo Takamori auch „The Last Samurai“ genannt.
1. Kaiser Jimmu 神武天皇 (711 v. Chr. – 585 v. Chr.)

Als Erster auf der Liste steht natürlich Kaiser Jimmu. Vielleicht ein unbekannter Name, aber das ist ziemlich logisch: Er lebte (zumindest laut den Mythen) fast 3000 Jahre zuvor!
Jimmu wird als der Gründer Japans und als der erste Kaiser angesehen. Da das so lange her ist, ist nicht sehr viel über Jimmu bekannt. Was wir wissen, stammt alles aus den historischen Büchern Nihon Shoki und Kojiki. In diesen Büchern werden zahllose Mythen und Legenden beschrieben, einschließlich der von Kaiser Jimmu. Darin wird erzählt, dass Jimmu einen großen Teil Japans erobern konnte, nicht weniger als 126 Jahre alt wurde und direkt von der Sonnengöttin Amaterasu abstammte.
Heute wird in Japan jeden 11. Februar der National Foundation Day gefeiert, zu Ehren der Gründung Japans durch Kaiser Jimmu. Weil das Leben von Kaiser Jimmu nur in alten Büchern beschrieben wird, trauen sich Historiker nicht, ihn als den offiziellen ersten japanischen Kaiser zu bezeichnen. Diese Ehre geht an Kaiser Kinmei (509-571).
Wusstest du…
- Japan bereits 125 Kaiser „verschlissen“ hat? Der aktuelle Kaiser, Naruhito, ist der 126. japanische Kaiser der Reiwa-Zeit
- Das Kaiserreich Japan sage und schreibe 2680 Jahre besteht?
- Die Samurai offiziell nicht mehr existieren, aber dass manche Japaner noch immer nach ihren Idealen und ihrer Philosophie leben
- der inoffizielle erste Kaiser Jimmu laut Legenden direkter Nachkomme der Sonnengöttin Amaterasu und des Sturmgottes Susanoo ist?
- Die Hauptstadt Japans unzählige Male von den verschiedenen Kaisern und Shoguns geändert wurde, die an der Macht waren? Von u.a. Nara, Kyoto bis Tokyo.
- Dass viele der legendären historischen Figuren in unserer Top 11 in TV-Shows, Filmen, Büchern, Spielen und Animes dargestellt werden? Beispiele davon sind Yasuke, Musashi und Takamori.
Häufig gestellte Fragen
Wer ist der bekannteste Samurai?
- Das variiert natürlich je nachdem, wen du fragst, aber es gibt drei populäre Antworten auf diese Frage, nämlich: „der letzte Samurai“ Saigō Takamori, Einiger Oda Nobunaga oder der legendäre Schwertmeister Miyamoto Musashi.
Gibt es heutzutage noch Samurai oder Shoguns?
- Nein. Es ist illegal, Schwerter und Waffen in Japan zu tragen, und viele der ursprünglichen Samurai verloren ihre Privilegien während oder nach der Meiji-Zeit und nach dem Zweiten Weltkrieg. Heutzutage ist es verboten, Schwerter wie die traditionelle Katana zu tragen. Das kulturelle Erbe der Samurai und Nachkommen der Samurai-Familien existieren jedoch noch.
Wer war der wichtigste japanische Kaiser?
- Wiederum eine Frage, auf die die Antwort von Person zu Person unterschiedlich sein wird. Im Laufe der Jahrhunderte haben verschiedene Kaiser ihre Spuren in Japan und der Welt hinterlassen, sowohl negativ als auch positiv. Nimm zum Beispiel Kaiser Meiji, der für die Modernisierung Japans verantwortlich war, oder Kaiser Kammu, der mit seiner Autorität und effizienten Regierung die Grundlage für eine Zeit des Wohlstands und Wohlergehens legte. Kurz gesagt, genug Auswahl!
Wer ist jetzt der japanische Kaiser?
- Der aktuelle Kaiser von Japan ist Kaiser Naruhito. Er ist erst seit kurzem Kaiser: 2019 übernahm er das Zepter (oder den Thron) von seinem Vater, dem ehemaligen Kaiser Akihito. Jedoch hat Naruhito keinerlei politische Macht in Japan und trägt vor allem eine symbolische Funktion.
Was ist der Unterschied zwischen Samurai, Shogun und Kaiser in Japan?
- Der Kaiser (天皇) hatte eine religiöse/symbolische Rolle, der Shogun (将軍) war der militärische Herrscher mit echter politischer Macht, und Samurai (侍) waren die Kriegerklasse, die den Shoguns dienten. Oft stiegen erfolgreiche Samurai in den Rängen auf und wurden selbst zu Shoguns.
Existieren Samurai heute noch in Japan?
- Nein, offiziell nicht. Nach der Meiji-Restauration (1868) verloren Samurai ihre Privilegien und das Tragen von Schwertern wurde verboten. Jedoch leben manche Japaner noch nach den Samurai-Idealen (Bushido) und die kulturelle Bedeutung der Samurai ist in Japan noch sehr präsent.
Wer war der mächtigste Herrscher in der japanischen Geschichte?
- Das ist umstritten, aber oft werden Oda Nobunaga (für die Vereinigung Japans), Kaiser Meiji (für die Modernisierung) oder Tokugawa Ieyasu (für 250 Jahre Frieden) genannt. Jeder prägte Japan auf seine eigene Weise und hinterließ bleibende Spuren in der Geschichte.

Marco Logmans ist ein leidenschaftlicher Japan-Experte, der vor 20 Jahren zum ersten Mal Japan besuchte und dort sieben Jahre lebte und arbeitete. Mit viel Liebe für Japan teilt Marco gerne seine Erfahrungen und Eindrücke in seinen Artikeln.